Hamburg (www.anleihencheck.de) - Der Euroraum hat in den letzten Quartalen ein schwaches Wachstum verzeichnet, was vor allem auf die stagnierende oder schrumpfende Aktivität in Deutschland und Italien zurückzuführen ist, während sich Frankreich und Spanien recht solide gehalten haben, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Im Gesamtjahr 2019 habe das Wachstum in der Eurozone bei 1,2% gelegen. Für das kommende Jahr erwarte man 1,0%, da Deutschland und Italien weiterhin unterdurchschnittlich abschneiden würden. Diese beiden Länder seien im Hinblick auf die weltweite Stagnation des Industriesektors einschließlich der allgemeinen Schwäche der Automobilindustrie schlecht aufgestellt. Handelskriegsbedingte Unsicherheit und strukturelle Defizite (z.B. Rückstand bei der E-Mobilität, Zurückhaltung bei der Reform des italienischen Arbeitsmarktes) hätten die Konjunkturabschwächung noch verstärkt und seien Themen, die auch im Jahr 2020 begleiten würden.
Die Geldpolitik werde in den nächsten Jahren wahrscheinlich weniger spannend sein, da die Handlungsfähigkeit der EZB begrenzt sei. Es werde jedoch interessant sein zu sehen, wie die neue Präsidentin der EZB, Christine Lagarde, mit dieser Situation umgehen werde. Nach allem, was bekannt sei, sehe es so aus, als ob sie in Bezug auf die Fiskalpolitik, die Strukturreformen und die tiefere Integration der Eurozone fordernd gegenüber den verantwortlichen Regierungen sein werde, da dies Maßnahmen seien, die die EZB bei der Erreichung ihres Inflationsziels unterstützen könnten.
Darüber hinaus habe Lagarde eine Überprüfung der Strategie der Geldpolitik eingeleitet, einschließlich der Frage, wie das Inflationsziel definiert werden solle. Die Analysten der Hamburg Commercial Bank würden hier keine Revolution erwarten, sondern eher graduelle Veränderungen. In Bezug auf die Geldpolitik könnte Lagarde die Zinssätze vorerst dort belassen, wo sie seien. Eine Senkung des Einlagenzinssatzes um 0,1 Prozentpunkte sei zwar möglich, würde aber an der Gesamtwirkung des lockeren geldpolitischen Kurses nichts ändern.
Die Renditen würden eher niedrig bleiben, wobei aufgrund einer moderaten Erholung der Weltwirtschaft in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 eine moderate Aufwärtsbewegung möglich sei. (Ausgabe Dezember 2019) (23.12.2019/alc/a/a)
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