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29.11.19 09:36
US-Treasuries-Renditen steigen vor Weihnachtsgeschäft

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Am Rentenmarkt gab es in den letzten Tagen nur geringe Bewegungen, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.

Die Bunds seien um zwei weitere BP auf -38 BP gefallen, gleichzeitig seien die US-Treasuries um 3 BP auf 1,76% gestiegen. Diese geringe Dynamik bei den Renditen sei insofern überraschend, da sich der S&P weiterhin auf Rekordjagd befinde und auch diese Woche um 1,6% zugelegt habe. Aber die Entwicklung sei nicht mehr so gegenläufig wie sie noch in der letzten Woche gewesen sei.

Die Rede von der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Freitag (22.11.) habe nur einen kurzen Abschnitt zur Geldpolitik umfasst und sich vor allem stattdessen mit der Fiskalpolitik befasst. Sie sehe eine vermehrte Verantwortung bei den Regierungen die wirtschaftliche Lage zu unterstützen. In den USA habe sich wiederum am Dienstag (26.11.) ihr Kollege, FED-Präsident Jerome Powell, geäußert. Er habe gesagt, dass sich die US-Wirtschaft generell in einer guten Verfassung befinde, aber noch Raum für Verbesserung bliebe. Die FED werde einen stärkeren Fokus darauf legen dafür zu sorgen, dass Arbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden könnten und dass ein Abfall der Inflationsrate verhindert werde. Dass Letzteres nicht einfach sein werde, habe die PCE-Kerninflationsrate für Oktober gezeigt, die einen Rückgang auf 1,6% verzeichnet habe (Vormonat: 1,7%). Die FED orientiere sich bei ihrem Inflationsziel von 2% an der PCE-Kerninflation (ohne Energie und Lebensmittelpreise).

Der US-Immobilienmarkt scheine weiterhin in guter Verfassung zu sein. So sei die Anzahl der Hausverkäufe im Oktober zwar leicht gefallen, aber der Case-Shiller-Index für September habe bei seiner Veröffentlichung am Dienstag einen neuen Höchstwert erreicht. Weiter sei am Mittwoch das US-Wirtschaftswachstum für das dritte Quartal von 1,9% auf 2,1% nach oben korrigiert worden.

Dennoch würden deutliche Risiken verbleiben. In der Ukraine-Affäre befinde sich US-Präsident Donald Trump weiterhin unter Druck. So habe ein US-Bundesrichter entschieden, dass Trumps ehemaliger Berater Don McGahn zu einer Aussage in einer Anhörung zum Amtsenthebungsverfahren gezwungen werden könne. Trump habe dies in den letzten Monaten versucht zu verbieten. Ebenso habe ein Mitarbeiter von Trumps persönlichem Anwalt Rudy Giuliani Bereitschaft gezeigt auszusagen. Dieser sei stark in den Ermittlungen gegen die Bidens in der Ukraine eingebunden gewesen.

Ebenso bleibe abzuwarten, ob der Effekt der durch den Handelskrieg entstandenen Zölle im kommenden Festtagsgeschäft wirklich so gering bleibe, wie von Wal-Mart und Costco behauptet. Diese hätten verkündet, dass die Zölle nicht auf die Kunden umgeschlagen würden und somit mit guten Verkaufszahlen zu rechnen sei.

Echte Neuigkeiten gebe es nicht in Bezug auf den Handelskrieg. Das Weiße Haus und Chinas Regierung hätten in den letzten Tagen versucht, Optimismus zu verbreiten. Die besorgniserregenden Entwicklungen in Hongkong könnten jedoch eine Einigung erschweren, zumal die USA gerade ein Gesetz verabschiedet hätten, dass Sanktionen gegen Hongkong ermögliche.

In Europa verbleibe die große Unsicherheit bezüglich der Wahlen in Großbritannien, dessen Ausgang eine Vorentscheidung für den Brexit darstellen könnte. Der am Montag erschienene ifo-Index sei leicht gestiegen, der für das Verarbeitende Gewerbe sei jedoch leicht gefallen und der GfK-Konsumklimaindex am Dienstag sei von 9,6 auf 9,7 leicht gestiegen. Es zeige sich also noch keine nachhaltige Stabilisierung der deutschen Wirtschaft.

Am 28.11. seien die Daten zur Inflation in Deutschland veröffentlicht worden, heute zur Inflation in der Eurozone, ebenso werde am Freitag die Arbeitslosenrate der Eurozone erscheinen. Auch in der nächsten Woche erscheinen mit den deutschen Auftragseingängen am 05.12.und der Industrieproduktion für Deutschland und die Eurozone am 06.12. wichtige Indikatoren für die Einschätzung der zukünftigen Wirtschaftslage und der EZB-Politik, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. (Ausgabe vom 28.11.2019) (29.11.2019/alc/a/a)


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