Logo
NEWS - Allgemein
www.anleihencheck.ariva-services.de
29.07.19 07:30
FED hat wenig Grund, die Zinsen um mehr als 25 Basispunkte zu senken

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer jüngsten Sitzung am vergangenen Donnerstag eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Aussicht gestellt hat, rückt nun die Sitzung der US-Notenbank FED am kommenden Mittwoch in den Fokus der Marktteilnehmer, so Frank Häusler, Chief Strategist bei Vontobel Asset Management.

In den USA werde die Federal Reserve (FED) Ende Juli aller Voraussicht nach den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt, bzw. 25 Basispunkte, auf eine Spanne zwischen 2,0 und 2,25 Prozent senken. Doch auch eine Absenkung von einem halben Prozentpunkt, bzw. 50 Basispunkte, wäre denkbar, was jedoch ein gewaltiger Schritt wäre.

Normalerweise habe der Markt ein ziemlich gutes Verständnis dafür, was die FED unternehmen werde. Aber anders als bei einigen anderen Gelegenheiten sei die Kommunikation der US-Notenbank vor ihrer Juli-Sitzung bezüglich des Ausmaßes der bevorstehenden Zinssenkung nicht ganz schlüssig gewesen, was in den letzten Wochen zu großen Ausschlägen bei der Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung um 50 Basispunkte im Gegensatz zu einer Zinssenkung von nur 25 Basispunkte geführt habe.

Auf beiden Seiten des Atlantiks sei somit eine Rolle rückwärts bei der Geldpolitik der Notenbanken zu beobachten. Noch vor gut einem Jahr habe dies allerdings ganz anders ausgesehen. Der Präsident der US-Notenbank Jerome Powell habe erst nach einem Börseneinbruch 2018 aufgehört, von weiter steigenden Zinsen zu reden, während er im Juni begonnen habe, die Märkte auf Zinssenkungen einzustimmen.

Doch auch wenn jüngst einige konjunkturelle Daten aus den USA schwächer ausgefallen seien, würden die US-Wirtschaftsdaten zum jetzigen Zeitpunkt keine Senkungen der Zinsen um 50 Basispunkte rechtfertigen. Tatsächlich sei es sehr wahrscheinlich, dass sich die US-Notenbank FED einen gewissen Handlungsspielraum für den Rest des Jahres bewahren wolle, anstatt die Zinsen jetzt auf einen Schlag um 50 Basispunkte zu senken. Der US-Arbeitsmarkt sei solide, aber die Inflationsdynamik sei zu weit von den Erwartungen des FOMC entfernt.

Da der Handelsstreit zwischen den USA und China noch lange nicht beigelegt sei und die Wachstumserwartungen seit Anfang des Jahres weltweit gesunken seien, werde sich die FED wohl für eine vorsichtige Zinssenkung entscheiden, um eine Stabilisierung des Wachstums und der Inflationszahlen zu gewährleisten, während sie gleichzeitig offen für weitere Lockerungsmaßnahmen bleibe, falls sich die Inflationserwartungen und das Wachstum nicht erfüllen würden.

Schließlich sei zu erwarten, dass das FOMC möglicherweise ein früher als geplantes Ende seines Bilanzreduzierungsprogramms signalisiere und mitteile, dass die Bilanzabwicklung bereits im Sommer 2019 beendet sein werde. (29.07.2019/alc/a/a)


© 1998 - 2026, anleihencheck.ariva-services.de