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26.06.19 15:00
G20-Gipfel - Zentralbanken dürften das letzte Wort haben

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Auf dem G20-Gipfel am Wochenende werden alle Augen auf US-Präsident Donald Trump und seinen chinesischen Amtskollegen Xi Jinping gerichtet sein, so Frank Häusler, Chief Strategist von Vontobel Asset Management.

Die Märkte würden auf ein freundliches Aufeinandertreffen hoffen. Die Chancen dafür stünden nicht schlecht. Denn Trumps Frist laufe allmählich ab, den Handelsstreit mit China beizulegen, da er bei den Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr für eine zweite Amtszeit antrete und wiedergewählt werden möchte. Für ihn sei es deshalb wichtig einen Erfolg im Handelsstreit zwischen den USA und China zu präsentieren. Im Vergleich dazu stehe Xi deutlich mehr Zeit zur Verfügung und er könne sich zurücklehnen. Bisher habe sich die Implementierung der Zölle nur auf einen Bruchteil dessen beschränkt, was angedroht worden sei. Zudem sei sichergestellt worden, dass die US-Verbraucher nicht allzu sehr belastet würden, um die Wählerschaft Trumps nicht zu verärgern.

Das wahrscheinlichste Szenario sei, dass Donald Trump und Xi Jinping ihre vorherigen Verhandlungen wiederaufnehmen würden. Möglicherweise könnten beide den Status quo der bisher implementierten Zölle für eine begrenzte Zeit einfrieren. Die Zölle auf Automobile wären allerdings von einem solchen Übereinkommen ausgeschlossen, da diese eine globale Tragweite hätten und sich letztendlich mehr gegen die EU und Japan richten würden, als gegen China. Jegliche Überraschung, positiv oder negativ, außerhalb dieses Hauptszenarios werde sich auf die Märkte auswirken.

Unabhängig dessen, was passiere und wie die Marktreaktion ausfalle, werde die Zentralbankenpolitik der FED und der EZB wieder verstärkt ins Rampenlicht rücken. Eine überraschend schnelle Lösung des Konflikts würde den Märkten deutlich Schub verleihen - allerdings nur bis zu jenem Punkt, an welchem sie durch wiederkehrende Ängste vor einer restriktiven Zentralbankenpolitik ausgebremst würden. Jegliches Ergebnis, das schlechter als das Hauptszenario ausfalle, würde zu einer Verkaufswelle an den Märkten führen, die erst dann wieder abflauen würde, wenn die Zentralbanken mit stabilisierenden Maßnahmen am Markt tätig würden.

Trotz dieser Dynamiken sei die FED weit davon entfernt, eine Marionette der Märkte zu sein. Vielmehr reagiere sie auf die Wachstumsindikatoren, die den Marktreaktionen zugrunde lägen. Derzeit sei das globale Wachstum angemessen, jedoch hauptsächlich getrieben durch die Dienstleistungs- und Verbrauchersektoren. Momentan seien die Experten der Meinung, dass das Verarbeitende Gewerbe das primäre Sorgenkind sei, das sich ohne deutliche Fortschritte im Handelsstreit zwischen den USA und China nicht erholen könne.

Die FED und wohl auch die anderen Zentralbanken würden ihre Politik auf den Wachstumspfad der Wirtschaft ausrichten, was allerdings einen schwierigen Balanceakt darstellen werde.

Was könne man in Bezug auf den Handelsstreit zwischen den USA und China beim G20-Gipfel am Wochenende erwarten?

Szenario - Beschreibung:

Hauptszenario - Eine Vereinbarung zwischen den USA und China, die Verhandlungen wiederaufzunehmen und den Status quo der implementierten Zölle für eine begrenzte Zeit einzufrieren (Ausnahme: Zölle auf Automobile, da diese eine globale Trageweite hätten).

Geringe Wahrscheinlichkeit - Eine Eskalation begrenzten Ausmaßes (z.B. erhöhte Zölle, jedoch nicht die gesamten angedrohten 25 Prozent auf alle verbleibenden möglichen US-Importzölle.

Sehr geringe Wahrscheinlichkeit - Volle Eskalation (Verhandlungen zwischen den USA und China würden abbrechen, Implementierung aller Zölle).

Sehr geringe Wahrscheinlichkeit - Ein umfassendes Abkommen (angesichts der derzeitigen Rhetorik zwischen Washington und Peking sei dies sehr unwahrscheinlich, da einer der beiden Staatspräsidenten das Gesicht verlieren würde). (26.06.2019/alc/a/a)


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