Logo
NEWS - Allgemein
www.anleihencheck.ariva-services.de
24.06.19 13:15
Notenbanken mutieren zu Endlagern für Staatsschulden

Bad Homburg (www.anleihencheck.de) - EZB-Chef Mario Draghi hat mit seiner "Sintra-Rede" schlaglichtartig gezeigt: Die großen Notenbanken werden zu Gefangenen ihrer eigenen Politik und bewegen sich immer schneller in Richtung monetärer "overkill", so die Experten von FERI Institut.

Weltweit steige die Bereitschaft zu noch mehr "alternativer Geldpolitik". Neue monetäre Theorien ebenso wie Konzepte für sehr tiefe Negativzinsen und gezielte Vorschläge zur Abschaffung von Bargeld hätten Hochkonjunktur. Erstmals werde dabei auch ein echtes Tabu-Thema gebrochen: Die offene Monetisierung staatlicher Ausgaben und Schulden über die Notenpresse.

Welche Konsequenzen drohen würden, analysiere das FERI Cognitive Finance Institute in einer aktuellen Studie. "Notenbanken verlieren ihre Unabhängigkeit und werden zu staatlichen "Bad Banks". Sie mutieren zu Endlagern für Staatschulden und sollen durch Gelddrucken ökonomische Probleme lösen", fasse Dr. Heinz-Werner Rapp, Gründer und Leiter des FERI Cognitive Finance Institute, die Studie zusammen.

Die wichtigsten dieser neuen Ideen seien bekannt als "Modern Monetary Theory" (MMT) und "Overt Monetary Financing" (OMF): Während MMT mit neu gedrucktem Geld laufende staatliche Ausgaben und utopische Zukunftsprojekte finanzieren wolle, sollten bei OMF Staatsschulden und andere Altlasten dauerhaft von den Notenbanken übernommen werden. Bislang unumstößliche Regeln einer soliden Geldwirtschaft - wie etwa das Verbot offener Staatsfinanzierung durch Notenbanken - würden dabei ausgeblendet und als unbedeutend oder altmodisch diskreditiert, so eine Kernaussage der Studie. "Mit diesen Ansätzen wird die bestehende Geld- und Währungsordnung nicht nur massiv in Frage gestellt, sondern gezielt zum Umsturz freigegeben", warne Rapp.

Die genannten Ansätze hätten eines gemeinsam: Sie alle forderten eine noch stärkere Geldschöpfung durch Notenbanken als schon bislang der Fall. Speziell Japan und die USA seien die Vorreiter. In Japan lägen bereits heute 49 Prozent der Staatsschulden in der Bilanz der Notenbank. "Japan wird damit zum ersten Testfall für OMF - als "Endlager" für Japans ausufernde Staatsschulden", erkläre Rapp. In den USA favorisiere die Demokratische Partei seit kurzem das MMT-Konzept, das auf eine laufende Staatsfinanzierung durch die Notenpresse abziele. "Zwei der wichtigsten Länder der Welt sind damit klar auf dem Weg in ein Regime staatlich organisierten Gelddruckens - mit alarmierenden Folgen für die Integrität des Finanzsystems und die Solidität von Geldwerten", betone Rapp. "Und zuletzt hat Mario Draghi deutlich gemacht, dass auch die Euro-Zone ähnliche Wege einschlagen solle".

Die Risiken derart entfesselter Notenbankpolitik lägen in ungezügelter Staatsverschuldung, späteren Inflationsschüben sowie einer langfristigen Zerrüttung ganzer Finanzsysteme. Investoren und Vermögensinhaber seien gut beraten, die neuen monetären Tricks zu durchschauen und sich frühzeitig auf gravierende Konsequenzen einzustellen. (24.06.2019/alc/a/a)


© 1998 - 2026, anleihencheck.ariva-services.de