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Rentenmarkt Ratings entscheiden über Renditen und diese über das Rating
05.12.11 12:03
fairesearch
Frankfurt (anleihencheck.de) - Die Ratingagenturen sind unter Kritik geraten, da sich ihre Vorhersagen von selbst erfüllen und verstärken, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Wenn eine Agentur die Kreditwürdigkeit eines Landes herabsetze, würden die Renditen der Staatsanleihen dieses Landes steigen. Häufig genüge dafür schon die Ankündigung, eine Herabsetzung könnte erfolgen. Im Falle von Frankreich sei das Rating irrtümlich herabgesetzt und wieder korrigiert worden, die Renditen seien dennoch gestiegen. Nach einer Abstufung setze regelmäßig ein Circulus virtuosus ein.
Für das betreffende Land werde es nicht nur schwerer, neue Staatsanleihen zu emittieren, es werde vor allem teurer. Die höheren Zinsen würden meist alle Bemühungen zur Haushaltskonsolidierung übertreffen und die Konjunktur bremsen, wodurch die Steuereinnahmen sinken und die Budgetdefizite weiter ansteigen würden. Das sei dann Anlass genug für die Agenturen, das Rating weiter zu senken. Jüngste Beispiele seien Portugal und Belgien. Alles schon da gewesen, nichts Neues, déjá vu.
Die nicht abreißenden Diskussionen über EZB Stützungskäufe, den Rettungsschirm EFSF, über Schuldenerlass und Eurobonds würden auf die Gemeinschaftswährung drücken. Die Europäische Kommission setze sich vehement für die Emission von Eurobonds ein. Sie handle nach dem Motto: Alle öffentlichen Schulden der Eurozone müssten am besten von allen Schultern getragen werden. Doch diese "hehre" Gesinnung sei besonders unpraktisch. Sie würde einerseits die Renditen im Zentrum der Eurozone kräftig erhöhen (die Mehrbelastung der deutschen Volkswirtschaft würden Analysten auf Euro 40 Milliarden schätzen), die Bemühungen um eine Haushaltskonsolidierung zunichte machen und so zu weiter steigenden Renditen führen.
Andererseits würde sie die bisher geringe Haushaltsdisziplin in Peripherieländern gewissermaßen honorieren und sie dazu ermuntern, ihre Budgetpolitik fortzusetzen wie bisher in der Hoffnung, dass die transalpinen Brüder gegebenenfalls mit neuen Hilfsmaßnahmen wieder einspringen würden. So würden noch die Stützungskäufe durch die EZB bleiben. Die Befürworter würden auf die USA weisen. Dort habe die FED schon USD 1,6 Billionen Treasury Securities aufgekauft, die EZB dagegen erst EUR 200 Milliarden. Doch ein Blick in die Geschichte zeige, die Finanzierung von Staatsschulden durch die Notenbanken habe noch nie langfristig die Staatsfinanzen saniert.
Die Sorge um die öffentliche Verschuldung in der Eurozone sollte nicht davon ablenken, dass die ganze Welt überschuldet sei. In den USA seien die Probleme mit einer Staatsverschuldung von 100% des BIP noch größer als in der Eurozone mit 90% des BIP, in Japan sogar 230% des BIP. Aller Voraussicht nach laufe es auf eine Inflationierung hinaus. Dann würden die Schulden zwar gleich hoch in nominaler bleiben, aber in realer Rechnung fallen. (05.12.2011/alc/m/a)
Wenn eine Agentur die Kreditwürdigkeit eines Landes herabsetze, würden die Renditen der Staatsanleihen dieses Landes steigen. Häufig genüge dafür schon die Ankündigung, eine Herabsetzung könnte erfolgen. Im Falle von Frankreich sei das Rating irrtümlich herabgesetzt und wieder korrigiert worden, die Renditen seien dennoch gestiegen. Nach einer Abstufung setze regelmäßig ein Circulus virtuosus ein.
Die nicht abreißenden Diskussionen über EZB Stützungskäufe, den Rettungsschirm EFSF, über Schuldenerlass und Eurobonds würden auf die Gemeinschaftswährung drücken. Die Europäische Kommission setze sich vehement für die Emission von Eurobonds ein. Sie handle nach dem Motto: Alle öffentlichen Schulden der Eurozone müssten am besten von allen Schultern getragen werden. Doch diese "hehre" Gesinnung sei besonders unpraktisch. Sie würde einerseits die Renditen im Zentrum der Eurozone kräftig erhöhen (die Mehrbelastung der deutschen Volkswirtschaft würden Analysten auf Euro 40 Milliarden schätzen), die Bemühungen um eine Haushaltskonsolidierung zunichte machen und so zu weiter steigenden Renditen führen.
Andererseits würde sie die bisher geringe Haushaltsdisziplin in Peripherieländern gewissermaßen honorieren und sie dazu ermuntern, ihre Budgetpolitik fortzusetzen wie bisher in der Hoffnung, dass die transalpinen Brüder gegebenenfalls mit neuen Hilfsmaßnahmen wieder einspringen würden. So würden noch die Stützungskäufe durch die EZB bleiben. Die Befürworter würden auf die USA weisen. Dort habe die FED schon USD 1,6 Billionen Treasury Securities aufgekauft, die EZB dagegen erst EUR 200 Milliarden. Doch ein Blick in die Geschichte zeige, die Finanzierung von Staatsschulden durch die Notenbanken habe noch nie langfristig die Staatsfinanzen saniert.
Die Sorge um die öffentliche Verschuldung in der Eurozone sollte nicht davon ablenken, dass die ganze Welt überschuldet sei. In den USA seien die Probleme mit einer Staatsverschuldung von 100% des BIP noch größer als in der Eurozone mit 90% des BIP, in Japan sogar 230% des BIP. Aller Voraussicht nach laufe es auf eine Inflationierung hinaus. Dann würden die Schulden zwar gleich hoch in nominaler bleiben, aber in realer Rechnung fallen. (05.12.2011/alc/m/a)


