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Ratingagentur zeigt China die rote Karte - Anleihenews


29.05.17 11:00
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Moody's hat vor wenigen Tagen Chinas Bonitätsnote gesenkt - zum ersten Mal seit 1989, so die Experten von "FONDS professionell".

Die Parteioberen in Peking hätten verschnupft reagiert. Nun habe die Ratingagentur nachgelegt. Der Ton werde schärfer: Die Ratingagentur Moody's könne sich vorstellen, die Kreditwürdigkeit Chinas noch weiter herabzustufen. Die Strukturreformen der chinesischen Regierung würden voraussichtlich nicht genügen, um die steigende Verschuldung zu stoppen, habe Moody's-Vertreterin, Marie Diron, nach einem Bericht von Reuters gesagt.

Die Ratingagentur habe Chinas Bonitätsnote am Mittwoch zum ersten Mal seit 28 Jahren gesenkt, von Aa3 auf A1. Die Analysten hätten diesen Schritt nicht nur mit dem stark wachsenden Schuldenberg der Volksrepublik begründet, sondern auch mit dem langsameren Wirtschaftswachstum.

Peking habe heftige Kritik an der Herabstufung geübt. Nur wenige Stunden nach der Moody's-Entscheidung habe das chinesische Finanzministerium erklärt, die Agentur habe zwei grundsätzliche Fehler begangen: Sie habe Chinas Wirtschaftsprobleme über- und die Reformfähigkeiten der chinesischen Regierung unterschätzt. Das Schuldenrisiko habe sich im Vergleich zu den Vorjahren kaum verändert und werde bis 2020 in etwa auf dem aktuellen Niveau bleiben. Möglich, dass sich Moody's daraufhin genötigt gesehen habe, nachzulegen.

Für Vermögensprofis sei die Herabstufung nicht überraschend gekommen. Sie dürfte außerdem nur begrenzte Wirkung haben, erkläre Leo Hu, Portfoliomanager beim Fondsanbieter NN Investment Partners (NN IP). "Neben den unbestreitbaren Stärken der chinesischen Wirtschaft, die auch die Ratingagentur einräumt, sollte man nicht vergessen, dass Chinas Auslandsverschuldung im internationalen Vergleich niedrig ist", sage er.

Investoren hätten bisher gelassen auf die schlechtere Bonitätsnote reagiert. Entscheidender dürfte für sie der 19. Nationale Volkskongress im Herbst sein. "Es ist anzunehmen, dass die Regierung um einen reibungslosen Führungswechsel und um den Erhalt eines stabilen volkswirtschaftlichen Umfelds bemüht sein wird", sage Hu. Nach dem Volkskongress werde China voraussichtlich weitere Wirtschaftsreformen in Angriff nehmen. (News vom 26.05.2017) (29.05.2017/alc/n/a)