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KFM-Unternehmens-Barometer: PCC SE als "attraktiv (positiver Ausblick)" bewertet - Anleihenews


02.04.20 16:30
KFM Deutsche Mittelstand AG

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - In ihrem aktuellen KFM-Unternehmens-Barometer zu der PCC SE kommt die KFM Deutsche Mittelstand AG zu dem Ergebnis, das Unternehmen weiterhin als "attraktiv (positiver Ausblick)" (4,5 von 5 möglichen Sternen) einzustufen.

PCC sei eine international tätige Unternehmensgruppe mit Sitz in Duisburg, die in drei Sparten tätig sei: Chemie, Energie und Logistik. In 18 Ländern beschäftige die PCC ca. 3.575 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Seit der Gründung der PCC-Gruppe im Jahr 1993 habe sich das Unternehmen vom Rohstoffhändler zu einem der führenden Chemieproduzenten in Polen entwickelt.

Hauptumsatzträger der PCC-Gruppe im Jahr 2019 sei mit ihren fünf Segmenten die Chemiesparte mit einem Umsatzanteil von rund 85% wie im Vorjahr. Die wesentliche Beteiligung sei die an der Warschauer Börse gelistete PCC Rokita SA, an der die PCC SE unverändert mit einem Anteil von etwa 85% beteiligt sei. Die PCC Rokita SA betreibe in der Nähe von Wrocław (Breslau) eines der größten Chemiewerke Polens. Es würden Polyole, Chlor und Kunststoffadditive produziert, die unter anderem in der Automobil-, Möbel- und Kunststoffindustrie eingesetzt würden. Die weitere Beteiligung PCC Exol SA stelle Tenside her, die unter anderem in Haushalts- und Industriechemikalien, in der Textil-, Kunststoff- und Industriereinigung sowie der Metallverarbeitung Anwendung finden würden.

Im Energiesektor konzentriere sich die PCC auf den Betrieb von Kraftwerken. Das Anlagenportfolio umfasse im Wesentlichen Industrie-KWK-Anlagen, die überwiegend der Versorgung der eigenen Chemiewerke dienen und so die Wertschöpfungstiefe der PCC-Gruppe erhöhen würden. Darüber hinaus würden im geringeren Umfang Kleinwasserkraftwerke im südosteuropäischen Raum betrieben. Das sechste Kraftwerk sei soeben fertiggestellt worden und laufe nun im Probebetrieb an einem Standort in Nordmazedonien. Für den Gesamtkonzern PCC bleibe die Energiesparte jedoch weiterhin von untergeordneter Bedeutung.

Im Segment Logistik würden der intermodale Containertransport, Straßentransport und die Waggonvermietung zusammengefasst. Hauptumsatzträger sei die PCC Intermodal S.A., die zu Polens führenden Anbietern von intermodalen Containertransporten zähle und fünf eigene Containerterminals, u.a. am Standort des Chemiewerks der PCC Rokita SA, betreibe.

Neue MCAA-Anlage verlängere Chlor-Wertschöpfungskette, Regelbetrieb der Siliziummetall-Anlage in Island habe nach Schwierigkeiten im November 2019 aufgenommen werden können und das Segment Tenside sei aktuell wegen der "Corona" Krise am Kapazitätlimit (inkusive Sonderschichten).

Das Segment Chlor sei neben der Spezialchemie das umsatzstärkste Segment innerhalb der Chemiesparte. Mit einem Umsatz von 154,7 Mio. Euro in diesem Segment für das Jahr 2019 habe in etwa das hohe Niveau des Vorjahres (155,5 Mio. Euro) erreicht werden können. Dank der Lieferengpässe von Wettbewerbern bei Natronlauge habe die Absatzmenge gegenüber dem Vorjahr zulasten des Chlor-Kuppelprodukts Ätznatron, wo die Verkaufspreise aufgrund des starken Wettbewerbs aus China und Indien sehr zurückgekommen seien, gesteigert werden können.

Die Ende 2016 in Betrieb gegangene Produktionsanlage für hochreine Monochloressigsäure (MCAA) habe 2019 sogar erstmals einen Jahresüberschuss erzielen können. Die Anlage verlängere die Wertschöpfungskette im Chlor-Bereich und diene gleichzeitig als Ausgangsstoff für den Tenside-Bereich, der aufgrund der "Corona" Krise außerordentlich hohe Umsätze an der Kapazitätsgrenze ermögliche. Getrübt werde dieser Erfolg von einem Rechtstreit zwischen der EU und Polen, der die Förderpraxis zum Gegenstand habe. Für PCC gehe es um direkte Finanzhilfen von ca. 16 Mio. Euro, die das Land Polen u.U. von der PCC zurückfordern müsste. Hierfür sei bereits zur Hälfte Vorsorge im Wege von Rückstellungen getroffen worden.

Die Fertigstellung der Siliziummetall-Produktionsanlage in Island, deren Bau im September 2015 begonnen habe und nach Überwindung technischer Schwierigkeiten auch aufgrund wetterbedingter Einflüsse erfolgt sei, habe im November 2019 den Regelbetrieb aufnehmen können. Wegen dieser teilweise unverschuldeten Verspätung habe die PCC im Jahr 2018 Verzugszahlungen in Höhe von rund 9,6 Mio. Euro erhalten. Hinzu sei gekommen, dass der Preis für Siliziummetall im vierten Quaral 2019 einen historischen Tiefpunkt erreicht habe, der sich aktuell im ersten Quartal 2020 deutlich erholt habe. Zusätzlich sei ein Kostensenkungsprogramm ergriffen worden, das frühestens im Jahr 2020 zu Ergebnisverbesserungen führen sollte. Die Anlage werde unverändert mit Quarzit aus dem konzerneigenen Steinbruch in Polen versorgt. Der Reduktionsprozess zu Siliziummetall sei sehr enegieaufwändig, sodass sich der Transport wegen der überaus günstigen Strompreise in Island weiterhin rechne, da der Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen wie Geothermie gewonnen werde.

Siliziummetall werde in der chemischen Industrie u.a. zur Herstellung von Silikonen oder Aluminiumlegierungen verwendet. Zudem werde es für die Produktion von Photovoltaikmodulen eingesetzt. PCC habe eine deutliche Verbesserung der Liquiditätssituation für die Projektgesellschaft PCC BakkiSilicon hf. erzielen können, die die neue Siliziummetall-Anlage betreibe. Mit der KfW-IPEX-Bank sowie den anderen isländischen Co-Investoren sei am 23. März 2020 eine Refinanzierungsvereinbarung für die PCC BakkiSilicon hf., Húsavík (Island), unterzeichnet worden. Danach seien, vorbehaltlich der Erfüllung letzter Vollzugvoraussetzungen, signifikante Zinsstundungen sowie eine Verschiebung des Beginns der Regeltilgungen eingeräumt, womit die Liquiditätssituation dieser Gesellschaft deutlich gestützt werde.

Im Jahr 2019 habe der PCC-Konzern seine Umsätze mit 767,8 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit 779,2 Mio. Euro in etwa behaupten können. Trotz der Anfangsverluste in der Siliziummetall-Produktion in Island hätten die anderen Sparten bzw. Segmente dies teilweise überkompensieren können, sodass nur ein Rückgang von 1,5% zu Buche schlage. Der Komsumgüterbereich bleibe nach wie vor wie erwartet defizitär; das Minus habe sich jedoch erfreuerlicherweise gegenüber dem Vorjahr fast halbiert. Im Segment Logistik habe sich das Umsatzplus (Umsatz 2019: 97,1 nach 88,7 Mio. Euro im Vorjahr) überproportional in dem Ergebnis vor Steuern (EBT) dieses Bereichs in Höhe von 11,1 Mio. Euro (Vj: 2,3 Mio. Euro) wieder geschlagen. Gleichwohl sei das Konzern-EBITDA für das Jahr 2019 von 94,5 Mio. Euro im Vorjahr auf 105,3 Mio. Euro zurückgegangen. Die EBITDA-Marge sei dementsprechend ebenfalls leicht zurückgegangen auf 12,3% (Vj.: 13,5%). Das Ergebnis vor Steuern (EBT) werde nach einer Verdreifachung im Vorjahr nun mit moderaten 20,2 Mio. Euro ausgewiesen (Vj: 41,5 Mio.Euro).

Die Investitionen lägen nach 168,6 Mio. Euro im Vorjahr bei 163,7 Mio. Euro im Jahr 2019 und hätten neben Fremdfinanzierung zu einem Teil aus dem Cashflow des operativen Geschäftes finanziert werden können.

Die Nettoverschuldungsquote des PCC-Konzerns in Bezug zum EBITDA habe sich auf den Faktor 9,6 (Vj: 7,2) erhöht. Mittelfristiges Ziel der PCC-Gruppe sei es weiterhin, den Verschuldungsgrad zu reduzieren und damit die Kapitalstruktur in der Zukunft deutlich zu verbessern. In der Berichtsperiode 2019 und auch im Februar und Anfang April 2020 seien vollständige Tilgungen endfälliger Anleihen (zusammen ca. 45,7 Mio. Euro) zum planmäßigen Zeitpunkt erfolgt.

Trotz erhöhter Bilanzsumme sei die Eigenkapitalquote mit rund 11% nahezu unverändert (Eigenkapital 31.12.2019: 146,7 Mio. Euro / 31.12.2018: 150,4 Mio Euro). Es sei allerdings zu berücksichtigen, dass die PCC-Gruppe über große stille Reserven verfüge. Diese würden sich aus der Bewertung ihrer Beteiligungen (zum Teil börsennotiert wie die polnische Tocher PCC Rokita SA) ergeben, die aufgrund der Vollkonsolidierung nicht im Konzernabschluss, sondern lediglich im Einzelabschluss der PCC SE transparent seien.

Auf aktueller Kursbasis würden sich allein bei den börsennotierten Beteiligungen unverändert stille Reserven im dreistelligen Millionen-Bereich ergeben. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Investitionen und der Reduzierung des Fremdkapitals dürfte sich die ausgewiesene Eigenkapitalquote in den kommenden Jahren signifikant bessern. Bei der PCC SE, die als langfristig orientierter Investor auch in den kommenden Jahren eine intensive Investitionstätigkeit plane, werde diese Kennzahl daher allerdings auch künftig Schwankungen unterlegen sein.

Mit der Fertigstellung und vollständigen Inbetriebnahme der Siliziummetall-Anlage in Island und mit dem nun über einjährigen Betrieb der DME-Produktionsanlage (DME Aerosol, Pervomaysky (Russland) - 50/50-Joint-Venture) seien unter anderem gute Voraussetzungen für eine weiterhin positive Umsatz- und Ergebnisentwickung für das Jahr 2020 ungefähr auf dem Niveau des soeben abgelaufenen Geschäftsjahres 2019 geschaffen worden.

Insgesamt werde das Geschäftsmodell der PCC konsequent weiterentwickelt und die Ertragskraft verbessert. Diese unbeirrte Konsequenz wirtschaftlichen Handelns zeige sich auch an der aktuellen Standort- und Investitionsprüfung zum Bau einer Ethylenoxid-Anlage und weiteren Anlagen für Folgeprodukte in Lülsdorf auf dem Evonik-Gelände direkt am Rhein gegenüber einem der wichtigsten Chemiestandorte in Deutschland für petrochemische Produkte. Die PCC-Gruppe werde nach Einschätzung der KFM Deutsche Mittelstand AG in den kommenden Jahren die Eigenkapitalquote steigern und damit die Bonität weiterhin verbessern.

Aufgrund der hohen Solidität untermauert durch die vorhandenen stillen Reserven sowie der konsequenten Weiterentwicklung der PCC und der damit einhergehenden unveränderten bisherigen Ertragskraft der letzten Jahre bewerten wir das Unternehmen weiterhin mit "attraktiv (positiver Ausblick)" (4,5 von 5 möglichen Sternen), so die KFM Deutsche Mittelstand AG. (02.04.2020/alc/n/a)