Italien-Krise lässt Bond-Anleger auf Nummer Sicher gehen


10.11.11 15:46
Baader Bank

Unterschleissheim (anleihencheck.de) - Sicherheit ist Trumpf: Auch wenn's dafür kaum mehr eine Rendite gibt, flüchtet das Gros der Anleger in den sicheren Hafen der Bundesanleihen, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Nachdem der Druck auf den europäischen Wackelkandidaten Italien massiv zugenommen habe, sei die Nachfrage nach Anleihen der Bundesrepublik Deutschland stark gestiegen. Entsprechend sei die Umlaufrendite um satte 5% auf 1,51% zurückgegangen, der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) bewege sich mit knapp 139% auf rekordverdächtigem Niveau.

Gesucht gewesen seien vor diesem Hintergrund diese Woche unter anderem die bis 10/2014 laufende Bundesobligation Serie 155, die gerade noch eine Rendite von ca. 0,49% aufweise. Ebenfalls auf den Kauflisten habe eine Bundesanleihe mit Laufzeit 5/2016 (ISIN DE0001135291 / WKN 113529) gestanden, die mit 0,70% rentiere. Damit würden die Bundestitel längst nicht mal mehr den Inflationsausgleich bieten. Den Bundesfinanzminister dagegen freue es, könne sich doch der Staat derzeit fast zum Nulltarif refinanzieren.

Um dennoch eine bessere Ernte einzufahren, seien Anleger selektiv auf Renditejagd zu beobachten. Corporate Bonds von Emittenten, die zwar nicht das beste Rating aufweisen würden, aber dennoch eine ordentliche Reputation hätten, fänden daher immer wieder ihre Käufer.

Dies treffe etwa auf einen Bond (ISIN DE000A1EWGX1 / WKN A1EWGX) von Dürr zu, der bei einer Laufzeit bis 9/2015 derzeit eine Rendite von ca. 3,71% bringe. Dasselbe gelte für eine bis 9/2035 laufende nachrangige Anleihe (ISIN XS0229567440 / WKN A0GFB8) von General Electric, die mit ca. 5,90% rentiere. Ebenso gesucht gewesen sei ein kündbarer Bond (ISIN XS0205954778 / WKN A0C4RP) von HORNBACH-Baumarkt, der 11/2014 fällig werde.

Weiterhin gesucht seien Titel in der Alternativwährung Norwegische Kronen. Im besonderen Interesse der Anleger habe diese Woche eine norwegische Staatsanleihe (ISIN NO0010313356 / WKN A0GS9C) mit Laufzeit 5/2017 und einem Kupon von 4,25% gestanden, die mit ca. 1,86% rentiere.

Europa komme nicht zur Ruhe. Hätten viele Marktbeobachter nach dem EU-Gipfel vor 14 Tagen noch die Hoffnung gehegt, dass nun ein tragfähiges Konzept gefunden worden sei, so sei diese einer großen Ernüchterung gewichen. Würden doch die Regierungen in Athen und Rom um ihre Handlungsfähigkeit ringen. Sich der Hoffnung hinzugeben, dass nach einem Rückzug Berlusconis wieder "eitel Sonnenschein" herrsche, wäre falsch.

In Italien habe die Regierung die Bürger sehr lange täuschen können, aber bei den Finanzmärkten habe dies so nicht funktioniert. Die Finanzmärkte setzten und setzen Italien unter Druck und nicht das Volk, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank. Dieses schließe sich dieser Bewegung nun an und die Bürger/-innen würden auf bessere Zeiten hoffen.

Die große Frage werde allerdings sein, wann sich Italien an den Finanzmärkten wieder zu erträglichen Konditionen werde refinanzieren können. Die für den heutigen Donnerstag geplante Emission 10-jähriger Staatsanleihen habe das italienische Finanzministerium abgesagt. Die Begründung der Italiener, man brauche im Moment kein Geld, habe den Börsianern lediglich ein müdes Lächeln abgerungen. Ob man hierbei auf die Unterstützung der neuen EZB unter Mario Draghi hoffen könne, sei ungewiss.

Eines sei allerdings sicher, ein Stilwechsel sei bereits am letzten Donnerstag sichtbar geworden. Die für die meisten Akteure überraschende Zinssenkung der EZB sei nicht vollumfänglich zu verstehen. Wolle Draghi etwa eine Zweigstelle der amerikanischen Notenbank leiten? Der Einfluss der Enkel von Tietmeyer, Pöhl und Schlesinger sei geschwunden und die Stabilitätspolitik der EZB habe nur noch wenig gemeinsam mit der Geldpolitik der Deutschen Bundesbank. Auch der massive Ankauf italienischer und spanischer Staatsanleihen passe ins Bild und könne die Leiden Italiens nicht nachhaltig mildern.

Andere Staaten hätten bei solchen Renditeniveaus bereits die Waffen gestreckt und sich den Märkten ergeben. Aktuell würden Vertreter der europäischen Notenbank versuchen, die Staatsregierungen zu überzeugen, dass nur noch mittels Euro-Bonds Schlimmeres verhindert werden könne. Not mache erfinderisch, aber Not fresse auch Hirn.

Die Zeit dränge, denn Italien stehe am Abgrund, und es sei weiterhin keine Lösung bei der Hebelung in Sicht. Die Allzweckwaffe zur Eurorettung, der EFSF, scheine selbst zum Problemfall zu werden. Die potenziellen Heilsbringer Russland, Japan und China würden kein Interesse zeigen, sich finanziell einzubringen. Die geplante EFSF-Emission habe sogar kurzfristig um eine Woche auf letzten Montag verschoben werden müssen.

Die Nachfrage für die 10-jährige Anleihe (ISIN EU000A1G0AD0 / WKN A1G0AD) (2022) habe aber auch dann nur knapp das angepeilte Volumen on Höhe von. 3 Mrd. EUR übertroffen. Dass niemand die Anleihe habe kaufen wollen, sei auch darauf zurückzuführen gewesen, dass mit dem Euro-Rettungsfonds eine "Eier legende Wollmilchsau" geschaffen werden solle. Nun sei das Konstrukt für viele Investoren zu kompliziert und damit uninteressant geworden. Sie wollten sich lieber über direkte Investitionen in europäische Unternehmen an der Rettung beteiligen.

Die eine EFSF-Variante, die Gelder des Euro-Rettungsfonds zur Besicherung von Anleihen zu verwenden, wäre sicherlich noch in diesem Jahr umzusetzen. Die andere Variante der direkten finanziellen Beteiligung anderer Staaten an der Rettung von Euroländern mittels Sondertöpfen beim IWF wäre frühestens im Februar zu realisieren. Das aber wäre zu spät. So falle der EZB wieder eine Sonderrolle zu. Diese müsse bei der Überbrückung helfen und somit Zeit schinden.

In den USA würden alle Politiker auf den 23. November blicken. Bis dahin müsse das Sondergremium aus sechs Demokraten und Republikanern seinen Sparplan vorlegen, der die Budgetdefizite von 2012 bis 2022 um mindestens 1,2 Billionen US-Dollar mindere. Sollte dies nicht gelingen, würden automatisch Haushaltskürzungen gemäß des Notkompromisses vom August 2011 veranlasst. Im bereits beginnenden Vorwahlkampf wären beide Seiten sicherlich nicht begeistert über die daraus resultierenden Kürzungen.

Vor diesem Hintergrund sollten sich die Amerikaner mit Tipps für eine "erfolgreiche Haushaltssanierung" zurückhalten und mehr vor der eigenen Haustüre kehren. Amerika habe zwar den Vorteil, dass man Herr über die einzig wahre Weltleitwährung sei, aber das müsse nicht immer so bleiben. Die Krise um die Euroländer spiele den USA momentan in die Karten.

Amerika wäre aber nicht Amerika, wenn es nur eine Baustelle hätte. Zurzeit drohe ein erneuter militärischer Konflikt, denn Israel fühle sich vom Iran bedroht. Finanziell wäre ein solcher militärischer Schlag sicherlich nicht förderlich, aber in der Vergangenheit habe dieses Mittel immer wieder die Nation vereint und von nationalen Problemen abgelenkt. Da im Rahmen des Sparvorschlags auch die Reduzierung des Verteidigungsetats angedacht worden sei, wäre eher eine weitere Aufstockung nötig. Dazu müssten Gelder von anderen Budgets abgezweigt werden oder aber der gesamte Plan ad acta gelegt werden.

So manches deutsche Unternehmen mache sich derzeit daran, seine Kassen auf Vorrat zu füllen. Um für eine mögliche Kreditklemme gewappnet zu sein, seien sie dabei, ihre Liquiditätspositionen zu erhöhen. So halte der Pharmakonzern Bayer laut "Börsen-Zeitung" derzeit eine Liquiditätsposition von 3,8 Mrd. Euro, was gut dem Fünffachen dessen entspreche, was in "Nichtkrisenzeiten" an Kasse gehalten werde. Die Unternehmen würden sich also selbst helfen, weshalb zu erwarten sei, dass auch in Zukunft die Pipeline für Neuemissionen von Corporate Bonds immer wieder gefüllt werden dürfte.

Dafür spreche auch die ängstliche Haltung der Banken, die sich an dem hohen Volumen von fast 300 Mrd. Euro ablesen lasse, das die Institute bei der Europäischen Zentralbank (EZB) angelegt hätten, anstatt es als Kredite auszugeben. Auch wenn 2011 die Neuemissionen mit einem prognostizierten Jahresvolumen von rund 150 Mrd. Euro hinter dem Niveau des Vorjahres (165 Mrd. Euro) zurückbleiben werde, bewege sich das Volumen doch auf einem sehr hohen Niveau.

Trend verstärkend würden die verschärften Eigenkapitalrichtlinien des Reformpakets Basel III sein, das ab 2013 stufenweise eingeführt werden solle. So habe eine vor kurzem veröffentlichte Studie des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft gezeigt, dass Bankkredite an Klein- und Mittelbetriebe aufgrund von Basel III knapper und teurer würden. Sprich: Es drohe eine neue Kreditklemme.

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