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Internationale Anleihemärkte im Überblick
02.11.11 14:09
Raiffeisen Capital Management
Wien (anleihencheck.de) - Die Rezessionsgefahr in den USA steigt, zugleich geht der Finanzspielraum des Staates rapide zurück - mehrere Jahre bestenfalls sehr schwachen Wachstums sind vorgezeichnet, berichten die Experten von Raiffeisen Capital Management (RCM) in ihrem aktuellen "bondreport" zu den globalen Anleihemärkten.
Der langfristige Abwärtstrend der Renditen für 10-jährige Staatsanleihen sei weiter intakt - trotz zuletzt leichter Erholung. Die 30-jährigen Renditen seien von über 4% bis auf 2,75% gesunken und hätten damit fast die Paniktiefs von Ende 2009 erreicht, bevor sie wieder auf über 3% angezogen hätten. Der Rutsch der Renditen sei durch die Ankündigung der Notenbank beschleunigt worden, kurzlaufende Staatsanleihen zu verkaufen und dafür langlaufende Papiere aufzukaufen - die so genannte "Operation Twist".
Gleichzeitig würden durch die sehr niedrigen Renditen für langlaufende Staatsanleihen Pensionskassen und Unternehmen in immer größere Schwierigkeiten geraten, die Renditen zu erzielen, die den Pensionskalkulationen zugrunde liegen würden. Über kurz oder lang dürften sie daher gezwungen sein, die Pensionsrückstellungen zu erhöhen - was wiederum die Gewinnentwicklung belasten würde. Was die Inflation angehe, so würden die inflationsindexierten Anleihen für die nächsten zehn Jahre Werte von ca. 1,7% p.a. einpreisen (im Frühjahr seien es noch mehr als 2,5% gewesen).
Die weiter schwelende Schuldenkrise in der Eurozone belaste die Konjunktur. Zugleich könnte das massiv angeschlagene Bankensystem angesichts der drohenden Abschreibungen in den Staatsanleiheportfolios und der gleichzeitig von den Regulierungsbehörden geforderten höheren Eigenkapitalquote gezwungen sein, die Kreditvergabe deutlich einzuschränken. In einem solchen Fall dürfte eine Rezession in der Eurozone faktisch unvermeidbar sein. Von der Inflationsseite dürfte derweil in den kommenden Quartalen in der Eurozone insgesamt kaum größere Gefahr drohen.
Derweil dürfte eine Zinssenkung der EZB unmittelbar bevorstehen. Die Schlagkraft des EFSF werde erhöht, doch zum Auffangen von Spanien oder Italien reiche das nicht. Jenseits der ESFS-Ausweitung sei eine nachhaltige Lösung der zugrunde liegenden Probleme und Ungleichgewichte in der Eurozone weiterhin nicht in Sicht. Sollte das Hilfspaket beim Referendum in Griechenland keine Mehrheit erhalten, dann drohe der sofortige Staatsbankrott und möglicherweise Griechenlands Ausscheiden aus der Eurozone.
Japan erlebe durch den Wiederaufbau eine temporäre Sonderkonjunktur. Die Wachstumsaussichten für die kommenden Quartale seien jedoch nicht besonders gut. Die erforderlichen Finanzmittel für den Wiederaufbau würden die öffentliche Verschuldung noch schneller anwachsen lassen und die ohnehin schon sehr prekäre Finanzlage Japans langfristig zusätzlich verschärfen. An den Märkten spiele dies derzeit jedoch nach wie vor keine Rolle. Die Renditen für 10-jährige japanische Staatsanleihen (JGBs) seien sogar auf 1% gefallen, 30-jährige Anleihen rentieren bei ebenfalls extrem niedrigen 2%.
Euro-Unternehmensanleihen würden gegenüber Staatsanleihen gefragt bleiben. Dabei würden die Risikoaufschläge für Financials weit über denen für Nicht-Finanzunternehmen liegen. Obwohl die geplanten Regulierungen langfristig eher positiv für die Finanzbranche sein dürften und viele Banken ihre Eigenkapitaldecke schon erheblich gestärkt hätten, sei bis auf weiteres keine grundlegende Änderung an dieser Konstellation zu erwarten.
Viele Emerging Markets (EM) seien für ein schwächeres Wachstum der Weltwirtschaft recht gut gerüstet. Für die zentral- und osteuropäischen Volkswirtschaften bestehe allerdings unverändert das Risiko einer tieferen Rezession in der Eurozone, sollte die Verschuldungskrise dort weiter eskalieren und/oder die Regierungen noch deutlich stärkere Sparprogramme beschließen als derzeit abzusehen sei.
Nachdem EM-Anleihen zu einer der attraktivsten Assetklassen in den vergangenen 24 Monaten gezählt hätten, sei es zuletzt zu deutlichen Abflüssen gekommen. Zusammen mit einem tendenziell abnehmenden Inflationsdruck sollten sich EM-Anleihen langfristig aber weiterhin gut entwickeln können. Aufgrund der Schwäche der Währungen der etablierten Industriestaaten sollten insbesondere Emerging Markets-Anleihen in Lokalwährung weiterhin besser abschneiden können, als jene in "Hartwährungen".
Der Euro könne sich gegenüber dem US-Dollar weiterhin vergleichsweise gut behaupten. Der Dollar wiederum bleibe tendenziell unter Druck. Was Japan angehe, so dürfte es von der Verschuldungsdynamik her das erste große Industrieland sein, in dem die Notenbank künftig große Teile der Staatsschulden direkt finanzieren müsse. Das könnte nach jahrelanger Deflation längerfristig zu einem erheblichen Inflationsproblem führen - was dann wiederum den Wechselkurs des Yen schwächen dürfte. Gold bleibe unterdessen gefragt. (Ausgabe November 2011)
(02.11.2011/alc/m/a)
Der langfristige Abwärtstrend der Renditen für 10-jährige Staatsanleihen sei weiter intakt - trotz zuletzt leichter Erholung. Die 30-jährigen Renditen seien von über 4% bis auf 2,75% gesunken und hätten damit fast die Paniktiefs von Ende 2009 erreicht, bevor sie wieder auf über 3% angezogen hätten. Der Rutsch der Renditen sei durch die Ankündigung der Notenbank beschleunigt worden, kurzlaufende Staatsanleihen zu verkaufen und dafür langlaufende Papiere aufzukaufen - die so genannte "Operation Twist".
Gleichzeitig würden durch die sehr niedrigen Renditen für langlaufende Staatsanleihen Pensionskassen und Unternehmen in immer größere Schwierigkeiten geraten, die Renditen zu erzielen, die den Pensionskalkulationen zugrunde liegen würden. Über kurz oder lang dürften sie daher gezwungen sein, die Pensionsrückstellungen zu erhöhen - was wiederum die Gewinnentwicklung belasten würde. Was die Inflation angehe, so würden die inflationsindexierten Anleihen für die nächsten zehn Jahre Werte von ca. 1,7% p.a. einpreisen (im Frühjahr seien es noch mehr als 2,5% gewesen).
Die weiter schwelende Schuldenkrise in der Eurozone belaste die Konjunktur. Zugleich könnte das massiv angeschlagene Bankensystem angesichts der drohenden Abschreibungen in den Staatsanleiheportfolios und der gleichzeitig von den Regulierungsbehörden geforderten höheren Eigenkapitalquote gezwungen sein, die Kreditvergabe deutlich einzuschränken. In einem solchen Fall dürfte eine Rezession in der Eurozone faktisch unvermeidbar sein. Von der Inflationsseite dürfte derweil in den kommenden Quartalen in der Eurozone insgesamt kaum größere Gefahr drohen.
Japan erlebe durch den Wiederaufbau eine temporäre Sonderkonjunktur. Die Wachstumsaussichten für die kommenden Quartale seien jedoch nicht besonders gut. Die erforderlichen Finanzmittel für den Wiederaufbau würden die öffentliche Verschuldung noch schneller anwachsen lassen und die ohnehin schon sehr prekäre Finanzlage Japans langfristig zusätzlich verschärfen. An den Märkten spiele dies derzeit jedoch nach wie vor keine Rolle. Die Renditen für 10-jährige japanische Staatsanleihen (JGBs) seien sogar auf 1% gefallen, 30-jährige Anleihen rentieren bei ebenfalls extrem niedrigen 2%.
Euro-Unternehmensanleihen würden gegenüber Staatsanleihen gefragt bleiben. Dabei würden die Risikoaufschläge für Financials weit über denen für Nicht-Finanzunternehmen liegen. Obwohl die geplanten Regulierungen langfristig eher positiv für die Finanzbranche sein dürften und viele Banken ihre Eigenkapitaldecke schon erheblich gestärkt hätten, sei bis auf weiteres keine grundlegende Änderung an dieser Konstellation zu erwarten.
Viele Emerging Markets (EM) seien für ein schwächeres Wachstum der Weltwirtschaft recht gut gerüstet. Für die zentral- und osteuropäischen Volkswirtschaften bestehe allerdings unverändert das Risiko einer tieferen Rezession in der Eurozone, sollte die Verschuldungskrise dort weiter eskalieren und/oder die Regierungen noch deutlich stärkere Sparprogramme beschließen als derzeit abzusehen sei.
Nachdem EM-Anleihen zu einer der attraktivsten Assetklassen in den vergangenen 24 Monaten gezählt hätten, sei es zuletzt zu deutlichen Abflüssen gekommen. Zusammen mit einem tendenziell abnehmenden Inflationsdruck sollten sich EM-Anleihen langfristig aber weiterhin gut entwickeln können. Aufgrund der Schwäche der Währungen der etablierten Industriestaaten sollten insbesondere Emerging Markets-Anleihen in Lokalwährung weiterhin besser abschneiden können, als jene in "Hartwährungen".
Der Euro könne sich gegenüber dem US-Dollar weiterhin vergleichsweise gut behaupten. Der Dollar wiederum bleibe tendenziell unter Druck. Was Japan angehe, so dürfte es von der Verschuldungsdynamik her das erste große Industrieland sein, in dem die Notenbank künftig große Teile der Staatsschulden direkt finanzieren müsse. Das könnte nach jahrelanger Deflation längerfristig zu einem erheblichen Inflationsproblem führen - was dann wiederum den Wechselkurs des Yen schwächen dürfte. Gold bleibe unterdessen gefragt. (Ausgabe November 2011)
(02.11.2011/alc/m/a)


