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Indien: Notenbank wartet ab


15.04.26 12:26
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die globale Energiekrise ist in Indien deutlich spür- und sichtbar, so die DekaBank.

An den Tankstellen bildeten sich lange Schlangen und Restaurants schränkten ihr Angebot ein. Eine Hauptsorge in Indien gelte seit Beginn der Sperrung der Straße von Hormus und dem damit verbundenen Einbruch der Lieferungen aus dem Nahen Osten der Versorgung mit Düngemitteln. Für deren Produktion sei importiertes Gas notwendig. Nach Beginn der Krise hätten indische Düngemittelfabriken von der Regierung zunächst nur noch etwa 75% der üblichen Gasmenge zugeteilt bekommen, doch mittlerweile sei die Zuteilung auf rund 95% erhöht worden. Eine Düngemittelknappheit mit folgendem Einbruch der Nahrungsmittelproduktion zeichne sich damit nicht ab. Dennoch werde auch in Indien das Wirtschaftswachstum durch die Energiekrise belastet werden. So sehe es auch die indische Notenbank, die jedoch auch darauf hinweise, dass die vorliegenden Daten auf eine kräftige Konjunkturentwicklung in den Monaten vor Beginn des Irankriegs hindeuteten. Für das am 31. März abgelaufene Fiskaljahr erwarte die Notenbank ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 7,6% und für das neue Fiskaljahr eine Verlangsamung auf 6,9%. Für die Inflationsentwicklung hätten die Aufwärtsrisiken zugenommen. Die Notenbank erwarte im neuen Fiskaljahr eine durchschnittliche Inflationsrate von 4,6%. Das liege über dem mittelfristigen Inflationsziel, doch da die Effekte durch die erhöhten Energiepreise als vorübergehend betrachtet werden könnten, setze dies die Notenbank in ihrem geldpolitischen Kurs nicht unmittelbar unter Druck. Auf der Aprilsitzung habe das geldpolitische Komitee den Leitzins unverändert bei 5,25% gelassen und es werde erwartet, dass dies auch bei den weiteren Zinsentscheiden in diesem Jahr der Fall sein werde. Mittelfristig überwögen als Folge der Energiekrise in Indien eher die Wachstumsrisiken und damit die Argumente für Zinssenkungen.

Perspektiven: Aufgrund der strukturellen Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China werde Indien mit hoher Wahrscheinlichkeit in den kommenden zehn Jahren die wachstumsstärkste große Volkswirtschaft weltweit sein. In einer Phase, in der Unternehmen stärker um Diversifizierung ihrer Lieferketten bemüht seien, werde Indien als Produktionsstandort zumindest verstärkt geprüft. Die Größe des indischen Marktes mache das Land auch als Absatzmarkt attraktiv. Indien bleibe jedoch ein schwieriger Produktionsstandort und sei nach dieser Einschätzung weit davon entfernt, in den kommenden zehn Jahren die Rolle einzunehmen, die China in den vergangenen 20 Jahren für die Weltwirtschaft gespielt habe. In Indien fehle es in der Breite an gut ausgebildeten Arbeitskräften und an einer ausreichend ausgebauten Infrastruktur, auch wenn sich die Regierung verstärkt um neue Transportwege und Stromkapazitäten bemühe. Auch die Bürokratie sei weiterhin ein Bremsklotz für unternehmerische Aktivität. Zudem sei es für viele Unternehmen wichtig, ein gutes Netz an Zulieferern um sich zu haben. Dieses Netz gebe es in vielen Branchen in Indien nicht in ausreichender Qualität. Angesichts fundamentaler Schwächen erschienen mittelfristig Wachstumsraten von deutlich mehr als 7% eher optimistisch. Höhere Raten über einen längeren Zeitraum wären aber nicht nur zur Schaffung der benötigten Arbeitsplätze für die schnell wachsende Bevölkerung notwendig. Sie wären auch die Voraussetzung, damit Indien die wirtschaftliche Größe erreiche, um zum Motor der Weltwirtschaft werden zu können. Die Bereitschaft, den indischen Markt stärker für ausländische Konkurrenten zu öffnen, sei ein positives Signal.

Länderrisiko: Das hohe Wirtschaftswachstum, der Rückgang des Leistungsbilanzdefizits und die stabilitätsorientierte Geldpolitik seien wichtige Stützen für das Rating. Die Staatsfinanzen blieben allerdings ein Schwachpunkt. Die öffentlichen Schulden dürften auch 2026 bei rund 80% des BIP liegen. (Emerging Markets Trends vom 13.04.2026) (15.04.2026/alc/a/a)