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Erneuerbare Energien verzerren Default-Quote von Mittelstandsanleihen


27.11.13 16:59
Scope Analysis

Berlin (www.anleihencheck.de) - Seit 2010 beobachtet Scope Zahlungsausfälle (Defaults) von 14 mittelständischen Emittenten, so die Analysten von Scope Analysis.

Zusammen hätten sie 16 Anleihen mit einem gesamten Volumen von rund 650 Mio. Euro platziert. Bei einem gesamten Platzierungsvolumen aller 145 börsen-gelisteten Mittelstandsanleihen (von 127 Emittenten) in Höhe von 5,6 Mrd. Euro entspreche dies einer Default-Quote von 11,6%.

Damit sei fast jeder achte in Mittelstandsanleihen investierte Euro von einem Default-Szenario betroffen. In Anbetracht der kurzen Periode sei dies eine vergleichsweise hohe Ausfallquote - auch für ein High-Yield-Anleihesegment. Allerdings müsse berücksichtigt werden, dass drei Viertel der betroffenen Anleihen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien stammen würden. Ohne die drastischen Verwerfungen in diesem Segment fiele die Default-Quote bei Mittelstandsanleihen signifikant besser aus. Klammere man Unternehmen aus dem Erneuerbare-Energien-Sektor aus, so ergebe sich bisher (Stand 15. November 2013) eine Ausfallrate von 2,6% in Bezug auf das platzierte Anleihevolumen (bei 5 von 118 Anleihen). Pauschale Urteile über die Kreditqualität der mittelständischen Emittenten würden sich aufgrund dieser Verzerrung daher nicht treffen lassen.

Ein Default liege vor, wenn eine vertraglich zugesicherte Zahlung - also: Kupon oder Rückzahlung des Nennbetrags - nicht zum vereinbarten Termin erfolge. In diesem Fall gebe es drei Szenarien. Erstens: Die nicht erfolgte Zahlung werde zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Zweitens: Die Anleihe werde restrukturiert. Dies könne beispielsweise bedeuten, dass die Anleihegläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten würden ("haircuts") oder Zinszahlungen stünden. Ein weiteres Mittel seien so genannte "Debt-Equity-Swaps", bei denen die Anleiheforderungen in Eigenkapital umgewandelt würden - aus Gläubigern würden damit Eigentümer. Diese und andere Formen der Anleiherestrukturierung seien aus Investorensicht nur dann sinnvoll, wenn die Fortbestehungsprognose des Unternehmens positiv sei. Sei dies nicht der Fall, bleibe das dritte Szenario: die Insolvenz des Emittenten.

Komme es zur Insolvenz, müssten Investoren in der Regel einen Großteil ihrer Forderungen abschreiben. Die Insolvenzquote (Recovery Rate) beziffere den Anteil der Forderung, den Gläubiger nach Abschluss des Insolvenzverfahrens erhalten würden. Zwar seien die Insolvenzen der 14 mittelständischen Emittenten noch nicht abgeschlossen, dennoch erwarte Scope Recovery Rates von durchschnittlich unter 10%. Ein Indikator für die Insolvenzquoten seien die aktuellen Börsenkurse der betroffenen 16 Anleihen. Sie würden im Durchschnitt bei 8% des Nennwerts notieren.

Einen im Durchschnitt signifikant höheren Anteil ihrer Forderung würden Gläubiger im Insolvenzfall bei besicherten Anleihen erhalten. Der Grund: Die Anleihegläubiger könnten die gestellten Sicherheiten exklusiv verwerten und aus den Erlösen ihre Ansprüche vor anderen Gläubigern befriedigen. Von den 16 ausgefallenen Mittelstandsanleihen würden drei über eine Besicherung verfügen. Zuverlässige Aussagen zur Recovery Rate dieser Anleihen würden sich derzeit jedoch noch nicht machen lassen. Bei US-Hochzinsanleihen zum Beispiel liege die Recovery Rate besicherter Anleihen bei durchschnittlich rund 60% (Quelle: Deutsche Bank). (27.11.2013/alc/n/a)