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EZB-Chef will mit faulen Krediten dealen


22.07.16 12:22
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Ausfallgefährdete Kredite machen Südeuropas Banken zu schaffen, vor allem italienischen Instituten, so die Experten von "FONDS professionell".

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), habe auf der Pressekonferenz der Notenbank am Donnerstag en passant eine Lösung für das Problem auf den Tisch gepackt: Er habe einen Markt für faule Kredite vorgeschlagen, auf dem sich Banken ihrer Altlasten entledigen könnten. Die Politik müsse dafür nur ein geeignetes Rahmenwerk schaffen, habe er nach einem Bericht der Zeitung "Die Welt" gesagt.

Noch gebe es nicht mehr als diesen Vorschlag. Investoren hätten trotzdem prompt reagiert: Nach wochenlanger Schwächephase seien die Aktienkurse italienischer Banken im Anschluss an die Pressekonferenz rasant in die Höhe gestiegen. In Italien liege der Anteil fauler Kredite am gesamten Kreditvolumen mit 18 Prozent besonders hoch. In Irland betrage der Wert nur noch 15 Prozent, in Portugal 13 Prozent. Griechenland befinde sich mit einem Anteil fauler Kredite in Höhe von 35 Prozent jenseits von Gut und Böse.

An den Parametern ihres Anleihekaufprogramms habe die EZB nichts geändert. Sie kaufe keine Titel, deren Rendite unter dem Einlagensatz von derzeit minus 0,4 Prozent lägen, und erwerbe zudem höchstens 33 Prozent einer Emission. Finanzprofis würden aber befürchten, dass deutsche Staatsanleihen bei diesen Rahmenbedingungen ab Frühjahr 2017 reichlich knapp werden könnten. Ähnlich sehe es bei Staatsanleihen aus Finnland und Portugal aus. Draghi habe laut "Neue Zürcher Zeitung" erklärt, die EZB habe ihr Programm in der Vergangenheit ihren Zielen angepasst. Präziser sei er allerdings nicht geworden. (22.07.2016/alc/n/a)