Deutsche Staatsanleiherenditen erreichen historisches Tief


20.10.11 16:01
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (anleihencheck.de) - Im abgelaufenen Quartal dominierten an den internationalen Rentenmärkten weiterhin die Sorgen um eine bevorstehende Insolvenz Griechenlands und das Übergreifen auf weitere Länder der Eurozone, so die Analysten der DONNER & REUSCHEL AG.

Neu seien allerdings die Diskussionen über die Qualität vermeintlich etablierter Länder, wie beispielsweise Frankreich, gewesen. Ein Verlust der Bestnote für französische Staatspapiere scheine auch weiterhin im Bereich des Möglichen. In den USA habe die Schuldendebatte den Staatsanleihenmarkt nur temporär belastet. Selbst die Herabstufung der Kreditwürdigkeit von US-Staatsanleihen um eine Stufe von AAA auf AA+ durch die Ratingagentur Standard & Poor's habe kaum Auswirkungen auf diesen Markt gehabt.

Als große Gläubiger von Staatsanleihen würden insbesondere Banken und Versicherungen von einem möglichen Abschreibungsbedarf auf die öffentlichen Anleihen stark gebeutelt werden. Daher sei es kaum verwunderlich, dass am Interbankenmarkt erste Anzeichen eines Vertrauensverlustes zu erkennen seien. Durch die aufkommenden Spannungen innerhalb des Bankensektors hätten die Kreditinstitute verstärkt die Einlagenfazilität bei der Europäischen Zentralbank (EZB) genutzt. Weiterhin habe sich die Diskrepanz zwischen dem dreimonatigen Interbankensatz und dem so genannten Overnight Index Swap (OIS) erhöht. Eine sich ausweitende Differenz zwischen diesen beiden Sätzen signalisiere eine geringere Bereitschaft, einem anderen Kreditinstitut Geld zu leihen.

Diverse Ratingherabstufungen von Banken, wie beispielsweise der französischen Kreditinstitute Société Générale (ISIN FR0000130809/ WKN 873403) sowie Crédit Agricole (ISIN FR0000045072/ WKN 982285), hätten zusätzlich die Angst vor einer weiteren Bankenkrise nach 2008 geschürt.

Profiteure der Verunsicherung am Geld- und Kapitalmarkt seien zum wiederholten Male deutsche Staatsanleihen gewesen. Die Flucht in die vermeintliche Qualität habe zu historisch niedrigen Renditeniveaus geführt. In der Spitze hätten zehnjährige deutsche Staatsanleihen bei einem Niveau von 1,63 Prozent p.a. rentiert. Für deutsche Staatsanleihen spreche neben dem Argument der hohen Sicherheit - Deutschland verfüge nach wie vor über die Bestnote AAA - die hohe Liquidität der Papiere. Die Qualität habe jedoch einen hohen Preis. Unter Berücksichtigung der aktuellen Inflationsrate von 2,3 Prozent werde bei dem aktuellen Renditeniveau zehnjähriger deutscher Anleihen von rund 2 Prozent eine negative Realrendite erzielt.

Auch für Deutschland zeichne sich in den kommenden Jahren eine höhere Staatsverschuldung ab. Dieses Risiko lasse sich in den Kursen noch nicht ablesen. Im Gegensatz zum Rentenmarkt spiegele sich das erhöhte Risiko am Markt für Kreditausfallversicherungen jedoch in Form von gestiegenen Prämien für Deutschland wider.

Sofern sich keine nachhaltigen Lösungen rund um die Schuldenproblematik dies- und jenseits des Atlantiks abzeichnen würden, dürfte das Renditeniveau insbesondere deutscher Staatsanleihen auf geringer Höhe verharren. Daneben profitiere die Anlageklasse Anleihen von einer sich abkühlenden globalen Wirtschaft. Nachdem die EZB den Leitzins im Juli erwartungsgemäß auf 1,5 Prozent angehoben habe, dürfte sie aufgrund der aktuellen Schuldendiskussion und der Abkühlung der Wirtschaft ihren Zinserhöhungszyklus vorerst nicht weiter fortführen.

In der Anlageklasse der Bundesanleihen empfehlen die Analysten der DONNER & REUSCHEL AG eine aktive Laufzeitensteuerung. Als Beimischung würden sich weiterhin Anlagen in ausgewählten Unternehmensanleihen anbieten. Die Analysten würden Schuldner mit guter bzw. sehr guter Bonität favorisieren. Die Segmente Finanzen und Hochzinsanleihen würden sie im aktuellen Marktumfeld untergewichten. Für risikoaverse Anleger würden sowohl Pfandbriefe als auch Anleihen von nationalen Agencies (z.B. Kreditanstalt für Wiederaufbau) einen Mehrertrag gegenüber klassischen Staatsanleihen bieten. Anders als bei den hoch liquiden deutschen Staatspapieren könne aber eine Einschränkung der Liquidität erfolgen. (Ausgabe 4. Quartal 2011) (20.10.2011/alc/m/a)






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