Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg, der zur bis dahin größten Neuaufteilung der Welt führte und Dutzende Millionen Opfer forderte. Doch noch ein Jahr zuvor hatte niemand an die Möglichkeit eines solchen Szenarios geglaubt.
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„Zu Beginn des 20. Jahrhunderts rüsteten die politischen und finanziell-industriellen Eliten der Schlüsselstaaten zum Weltkrieg. Dass ein Krieg vor der Tür steht, wussten alle. Mehr noch: Alle strebten danach – die Länder des Dreibundes genauso wie die Entente. Russland strebte weniger danach als Frankreich, England und Deutschland. Aber das Bewusstsein dessen, dass die angehäuften Widersprüche nur mit einem Krieg gelöst werden könnten, war überdeutlich. Dieses Gemetzel war für die Menschen ein Schock, denn sie lebten mit der Idee, dass die Vernunft siegen würde.“
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Der Politologe Pawel Swjatenkow lenkt die Aufmerksamkeit darauf, was der russische Staat vor dem Ersten Weltkrieg darstellte.
„Russland entwickelte sich in einem sehr schnellen Tempo. Es war klar: Würde der Krieg nicht 1914 angefangen haben, sondern beispielsweise 1924, wäre alles zwecklos. Russland hätte einen derart großen Vorsprung gewonnen, dass es nicht zu besiegen gewesen sein wäre. Gerade deshalb hatte Kaiser Wilhelm II. den Krieg begonnen. Heute befindet sich Russland in einer besseren Lage, und es fällt schwer, es mit dem Russischen Kaiserreich zu vergleichen. Doch theoretisch könnten die Angriffe auf Russland Grund für einen neuen Krieg werden. Dabei begreifen alle, dass der Einsatz sehr hoch ist und es wahrscheinlich zu einem Atomkrieg kommen würde. Die westlichen Länder lassen sich nicht darauf ein. Aber sie imitieren sorgfältig alle rhetorischen Muster, die einem Kriegsbeginn vorausgehen.“
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