http://www.cicero.de/berliner-republik/...wo-sarrazin-recht-hat/57101
Weite Teile der „sinnstiftenden Medienklasse“ erkaufen sich die Reinheit ihrer Lehre mit dem Verzicht auf Präzision und somit auf Professionalität. Ja, binnenmedialen Konformitätsdruck gibt es ebenso wie publizistische „Pseudorealität“. Sarrazin erinnert an die bestürzenden Gewalttaten im April 2013 in einigen schwedischen Städten. Diese wurden von deutschen Medien Jugendunruhen genannt, um zu bemänteln, dass sie „von jugendlichen Migranten aus arabischen Ländern“ ausgingen und darum „grundsätzliche Fragen zur schwedischen Einwanderungspolitik“ aufwarfen. Ähnliches ereignete sich wenig später in Berlin, wo „ein krimineller arabischer Großclan“ der Justiz auf der Nase herum tanzte, die „wirklichen Zusammenhänge“ sich aber nur indirekt aus der Berichterstattung erschlossen. Es ist gut, wenn einer nachfragt
Sarrazins Plädoyer zugunsten von „mehr Leidenschaft für die Wirklichkeit“ mag etwas Wohlfeiles, Selbstbezügliches haben. Auch übersieht er die stetig wachsenden publizistischen Nischen dies- und jenseits des Internets. Aber der Zusammenhang von Medienmacht und Medienwirklichkeit, von Weltanschauung und Welterklärung ist evident. Der Freiheitsgedanke hat es in Deutschland auch deshalb so schwer, weil Wettbewerb in deutlich mehr Leitartikeln als Bedrohung und nicht als Chance angesehen wird. Die erprobte Wahrheit, dass noch immer „die besten Bedingungen für die Erziehung und das Aufwachsen von Kindern die traditionelle Ehe und Familie“ bieten, wird erst unter dem Trommelfeuer einer geschlechtergerechten Bewusstseinsindustrie zum Skandal. Und – auch da ist Sarrazin zuzustimmen – der Integration erweist niemand einen Dienst, der kritische Anfragen an den Islam von vornherein als rassistisch brandmarkt. |