Volker Kauder hat in der vergangenen Woche den Korpsgeist der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag beschworen als einen Geist, den eine gute Truppe haben sollte. So bereitete er seine Truppe, die Abgeordneten, auf einen Kampfeinsatz vor. Der Korpsgeist ist eine etwas betagte Figur für das Wir-Gefühl einer Gruppe. Der Begriff verdankt sich dem französischen esprit de corps, wörtlich übersetzt: dem Geist des Körpers. Nach ihm gerufen wird meist erst, wenn ihm etwas zuwidergelaufen ist. An den Geist der Geschäftsordnung zu appellieren, erinnert an den Organisationszweck der CDU als einer Maschine des Machterhalts. Um ihre Macht zu erhalten, hat Angela Merkel, wie konservative Parteifreunde beklagen, vieles vom eigentlichen Geist ihrer Partei abgeworfen: die christlichen Grundwerte, die Wehrpflicht, die Atomkraft, den besonderen Schutz der Ehe und nicht zuletzt eine Art des Redens, die noch kenntlich machte, wofür sie als konservative Parteiführerin eintritt. Angela Merkel hat in den fast zehn Jahren als Kanzlerin eine Meisterschaft darin entwickelt, zu verbergen, wofür sie tatsächlich einsteht.
Quelle: Machterhalt mit der Geschäftsordnung
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