01.09.11 10:31 dpa-AFX: POLITIK: Geologen warnen vor neuen starken Beben in Japan MÜNCHEN (dpa-AFX) - Nach dem verheerenden Erdbeben in Japan vor einem halben Jahr sehen Wissenschaftler eine erhöhte Gefahr weiterer schwerer Erdstöße vor anderen Teilen Japans. 'Eine leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit gibt es', sagte Prof. Anke Friedrich, Geologin an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, der Nachrichtenagentur dpa. 'Nach der Datenlage sieht es immer mehr danach aus, dass es einen Koppelungseffekt gibt', sagte sie.
Sowohl südwestlich des japanischen Erdbebengebiets, wo weitere Atomkraftwerke stehen, als auch im weniger dicht besiedelten Nordosten des Landes sei die Erdbebengefahr gewachsen. 'Genau an den Ruptur-Enden ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass noch einmal ein Beben auftritt', sagte Friedrich. 'Es ist wie ein Riss in der Windschutzscheibe eines Autos: Der fängt klein an, und wenn das Auto über ein Schlagloch fährt, wird er größer. Es ist ein latentes Potenzial.' Nehme die Spannung in der Erdkruste zu, breche der Riss irgendwann weiter.
Friedrich warnte dabei vor extrem starken Beben vor Japan: 'Eine Magnitude irgendwo zwischen acht und neun ist auf jeden Fall möglich', sagte Friedrich. 'Die Schwierigkeit ist, dass man nach wie vor zeitlich keine Vorhersage machen kann.'
Wären die unterirdischen Bruchflächen glatt, wäre das Bruchmuster relativ einfach und damit besser vorhersehbar. 'Aber es stellt sich heraus, dass die Flächen Rauigkeiten aufweisen - dabei kann es zu Verhakungen kommen.' Halte eine solche Verhakung, die etwa aus einem Vulkan unter der Meeresoberfläche bestehen könne, falle das Beben schwächer aus. Breche sie aber, bekomme es umso mehr Dynamik.
Die Forscher könnten Japan somit keine konkrete Prognose für die Zukunft geben, sondern nur vor der Gefahr warnen. 'Man könnte den Bruch nur vorhersagen, wenn man die Rauigkeiten kennen würde.'/sd/DP/stb
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