wünsche allen viel Erfolg im neuen Jahr.
Hier noch was von Jens Korte
Die Citigroup zieht es nach China
Im Örtchen Clover, zu Deutsch Klee, in South Carolina hat das Jahr 2004 gut angefangen. Dort hat ein Einwohner das grosse Los gezogen und 60,1 Mio. $ gewonnen. Sollte sich der Glückliche den Gewinn über 30 Jahre ausbezahlen lassen, sind es sogar 110,75 Mio. $. Das Ereignis setze Clover endgültig auf die Landkarte, meint der Kioskbesitzer, der das Lotterielos verkauft hat.
Für viele Glücksritter bleibt die Wall Street der Ort, an dem sie auf sagenhafte Gewinne hoffen. Es sind sogar so viele dieser Ansicht, dass es die Profis schon wieder unruhig macht. Die Verfasser von Börsenbriefen haben sich in ein Sechs-Monate-Hoch positiver Stimmung geschrieben. Fast 60% der Schreiber sind «bullish», weniger als 20% sind pessimistisch. Vorsichtige Analysten schliessen daraus, dass demnächst auch der letzte Optimist sein Depot gefüllt haben wird - und dann dem Markt die Luft ausgehen könnte.
Viele Zukunftsdeuter haben ihre Vorhersagen für 2004 vorsichtshalber schon ein wenig zurückgenommen. Für 2004 sagen die Auguren ein Plus von 3% für den breiten S&P-500-Index voraus. Ausreisser nach oben ist die unerschütterliche Optimistin Abby Joseph Cohen von Goldman Sachs, die ein Rally um 15% auf 1250 Punkte in diesem Jahr erwartet. Der grösste Bär ist mit Richard Bernstein von Merrill Lynch ebenfalls eine Standardbesetzung. Er erwartet einen Einbruch um 17% auf 900 Punkte. Der Startschuss fiel am Freitag: Der S&P 500 schloss mit 1108 Punkten leicht im Minus.
Eine Überraschung für die Zweifler gab es gleich am ersten Handelstag des neuen Börsenjahres: Der ISM-Index, der die Aktivitäten im Industriesektor misst, erreichte einen Stand von 66,2%, nach 62,8% im November. Das ist der höchste Wert in zwei Jahrzehnten. Die Analysten hatten mit 61,5% gerechnet. Werte über 50% deuten auf eine Zunahme der Industrieaufträge hin.
Für die Unternehmer aus China ist die Richtung klar: westwärts. Immer mehr chinesische Konzerne sind an der New York Stock Exchange kotiert. Ihre Aktien finden ebenso reissenden Absatz wie Schuhe, T-Shirts und Souvenirs «made in China». Sechs der zehn grössten Gewinner an der NYSE haben ihr Hauptquartier in China: Jilin Chemical legte um 22% zu, Sinopec Beijing Yanhua Petrochemical um 21% und China Petroleum & Chemical um 13%. APT Satellite kletterte um 12% und Brilliance Automotive um fast 10%.
«West goes East»: Der durchschnittliche US-Bürger hat 2294 $ Kreditkarten-Schulden. Diese Karte als Attribut westlicher Lebensart soll bald auch den 1,28 Mrd. Chinesen offen stehen. Die chinesische Regierung hat deshalb zwei gefragt, die sich mit so etwas auskennen: Citigroup und HSBC sind die ersten ausländischen Finanzinstitute, die einen Fuss auf diesen weissen Fleck auf der Kreditkarten-Landkarte setzen dürfen. Citigroup soll bis 2007 ein Plastic-Kärtchen gemeinsam mit der Shanghai Pudong Development Bank herausgeben, die Briten arbeiten mit der Bank of Shanghai zusammen.
Noch tischen die New Yorker Restaurants unbeirrt Rindfleisch blutig auf. Er habe keine Beschwerden gehört, konstatierte der Chef des «Eleven Madison Park», eines Nobel-Etablissements, das im New Yorker Hauptquartier der Credit Suisse First Boston untergebracht ist. Zu Neujahr wurde das Rib-Eye-Steak für 72 $ anstandslos serviert. In Chicago aber spürten die Marktteilnehmer potenzielle Einschnitte. Die Rinder-Terminkontrakte an der Chicago Mercantile Exchange fielen fünf Handelstage in Folge um fast 20%. Erst nach dem Katerfrühstück am Freitag erholten sich die Rinder-Futures leicht. Vom Wahn profitieren die Spezialfirmen, die BSE-Testverfahren entwickelt haben. Ein Unternehmen mit dem blumigen Namen Orchid, das DNA-Tests für Futtermittel anbietet, legte zeitweilig bis zu 30% zu.
Wie viele Amerikaner Rindfleisch vom Speiseplan streichen, darüber streiten Talkshow-Experten trefflich. Zumindest der Präsident hat eine Gewohnheit geändert. In den vergangenen Jahren liess George W. Bush das alte Jahr mit einem Cheeseburger in der Coffee Station im texanischen Heimatort Crawford ausklingen. Dieses Jahr fehlte der prominente Burger-Freund. Ob er Fragen nach dem im Lande tobenden Rinderwahn ausweichen wollte oder ob es daran lag, dass die Coffee Station seit vergangenem Jahr unter neuem Management ist, bleibt ungeklärt. Jens Korte, New York
Gruss tinti |