Weil die Aufklärung stagniert, verlagert sich die Causa Wulff auf Detailfragen. Doch es geht nicht um Schnullis und Schmatzis auf irgendwelchen Partys, es geht um den Scheck.
(...)
Es geht in der Sache nicht um Manfred Schmidt, nicht um Freikarten oder Werbegeschenke, um kleine Gefälligkeiten - man ergänzt es im Geiste: unter Freunden. Denn es geht nicht um die Freundschaft, die Wulff auf so verheerende Weise kommerzialisierte. Die Frage, die uns quält, hat mit sozialen Beziehungen, den berühmten menschlichen Schwächen, die jeder für sich und wir alle gemeinsam immer im Kreis erörtern, nichts zu tun.
Es geht um Wahrheit oder Lüge im Amt des Bundespräsidenten. Sagte der Bundespräsident die Wahrheit, als er erklärte, das Geld für seinen Kredit über eine halbe Million Euro komme von Edith Geerkens? Es stellen sich, um dies ermessen zu können, weitere Fragen: Warum hat sie sich nicht im Grundbuch eintragen lassen? Warum wurde das Geld nicht per Überweisung angewiesen, sondern über einen anonymen Bundesbankscheck? Warum verzichtete sie auf jede Sicherheit? Woher hatte Frau Geerkens so viel Geld? In dem Jahr, in dem sie Christian Wulff so umstandslos Kredit gewährte, wollte sie sich, so berichtet „Die Zeit“ online, eine Villa in Florida kaufen und musste sich zu diesem Zweck von ihrem Ehemann eine Million Euro leihen. Sagt der Bundespräsident die Wahrheit, wenn er behauptet, von den guten Beziehungen zwischen Olaf Glaeseker und Manfred Schmidt - die Herren sind Jugendfreunde - nichts gewusst zu haben? Wie passt dies zu dem Titel, den Wulff Glaeseker scherzend verlieh, als er ihn sein „Faktotum“ nannte. Alles macht der Glaeseker für mich, heißt das auf Deutsch. Ein Begriff mit zwei Aspekten: Nichts gibt es, womit man Glaeseker nicht beauftragen kann, und all dies tut er für mich. Die Frage der Wahrheit stellt sich auch zu anderen Punkten, man kann sie gar nicht alle aufzählen. Es sind zu viele.
weiter: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/...oblem-11635539.html |