In einem ersten ausführlichen Telefonat mit SPIEGEL ONLINE bestätigte Pruys am frühen Montagnachmittag, dass Groenewold ihm zusätzlich zu den Leistungen des Verlags ein Autorenhonorar gezahlt habe. "Groenewold unterstützte mich damals mit rund 10.000 Euro", sagte Pruys. Er selbst habe den Filmproduzenten nur flüchtig gekannt, das Geld aber auch deshalb gerne angenommen, weil Groenewold sich als Freund von Christian Wulff ausgegeben habe. Mit dem Ministerpräsidenten habe er nicht über die Geldspritze gesprochen, betonte Pruys. Wulffs Anwalt Gernot Lehr ließ eine Anfrage zu dem Vorgang zunächst unbeantwortet.
In dem Telefonat schien sich Pruys an den Vorgang gut erinnern zu können. Die Zahlung Groenewolds, so schilderte es der heute 73-jährige Pruys, sei zu einem guten Zeitpunkt gekommen. Das Geld habe das Vorhaben vor dem Scheitern bewahrt. "Ich wollte schon fast aufhören, das Buchprojekt zu machen", sagte der Publizist, der damals nach eigenen Angaben als freier Journalist für verschiedene Zeitungen arbeitete: "Ohne Groenewolds Hilfe hätte ich es nicht geschafft." Wulff sei damals bereits über das Buchvorhaben im Bilde gewesen. Bei einigen Mittagessenstreffen habe er dem CDU-Politiker über das Projekt erzählt. Doch habe er nicht über die Finanzierungsprobleme mit ihm gesprochen.
Nach dem Telefonat konfrontierte SPIEGEL ONLINE Groenewold schriftlich mit dem Vorgang.
Am Abend sprach SPIEGEL ONLINE erneut mit Pruys. In dem zweiten Telefonat korrigierte Pruys plötzlich seine Angaben. Nun berief er sich auf große Erinnerungslücken. Es habe sich damals wohl nicht um eine Buchfinanzierung gehandelt, sondern vielmehr um Honorare für Kommunikationsberatungen, die er Groenewold geboten habe, sagte er. Am Dienstag stand Pruys trotz mehrfacher Versuche nicht mehr für ein Gespräch zur Verfügung.
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