„Die Inflation kommt mit Wucht zurück
Allerdings stellt sich die Frage, wie lange der deflationäre Effekt anhält. Vorndran geht davon aus, dass dies etwa die nächsten sechs Monate der Fall sein könne. Danach rechnet er aber mit steigenden Inflationsraten, eine Inflation von 3 bis 3,5% sei nicht unrealistisch bei Nullzinsen. Dies könnte damit zusammenhängen, dass sich die Regeln aus der Corona-Krise als neue Verhaltensmuster durchsetzen. Als Beispiel nennt er einen Coiffeur, der aufgrund neuer Regeln zum Social Distancing seine Dienstleistungen nur noch mit einer begrenzten Kapazität anbieten könne, aber auf dieselbe Nachfrage stosse wie vor der Krise. Er werde die Preise für dieselben Dienstleistungen erhöhen. «Solche Unternehmen sind gezwungen, ihren Fixkostenblock auf die Kunden umzulegen», sagt Vorndran.
Gruber geht davon aus, dass eine angeschlagene Angebotsseite nach der Krise aufgrund von Nachholeffekten und der expansiven Geldpolitik auf eine relativ hohe Nachfrage treffen könnte. Dies wiederum könnte einen gewissen Inflationsdruck generieren – und zwar erstmals wieder bei Gütern und Dienstleistungen anstatt, wie in den vergangenen Jahren, vor allem im Aktien- und Immobilienbereich.
Finanzielle Repression nimmt zu
Diese Teuerung könnte ausreichen, um für finanzielle Repression zu sorgen. Darunter ist eine Art heimliche Enteignung von Sparern zu verstehen, die durch künstlich niedrig gehaltene Zinsen bei gleichzeitig höheren Inflationsraten entsteht. Bei einem Anlageertrag von 1% und einer gleichzeitigen Teuerungsrate von 4% verzeichnet ein Anleger beispielsweise ein Minus von 3%.“
https://www.nzz.ch/amp/finanzen/...e-enteignung-der-sparer-ld.1554228 |