Auszüge: In den vergangenen Wochen hat die AfD ein Abwärtstrend erfasst, der neu ist für die Partei. Alle Umfrageinstitute ermitteln fallende Werte. Bei Forsa steht die Partei bei 9, bei Emnid sind es 11, die Forschungsgruppe Wahlen zählt 10 Prozent. Vertreter der Partei sind grundsätzlich misstrauisch gegenüber Umfragewerten. Doch den Werten von Insa könne man noch am ehesten trauen, sagen AfD-Politiker oft. Auch dort verzeichnet die Partei ihre schlechtesten Werte seit rund zweieinhalb Jahren.
Zum einen hat die Partei enorme Schwierigkeiten, zu einer einheitlichen Linie in der Corona-Krise zu finden. Dem Vorwurf, die AfD habe in der derzeitigen Lage keine Antworten anzubieten, nichts beizutragen, wird aus Parteikreisen gern entgegnet mit einem Verweis auf eine Rede von Fraktionschefin Alice Weidel von Anfang März.
So ernst wie Weidel nimmt jedoch nicht jeder in der Partei die Lage. In den Wochen nach ihrer Rede beweisen eine ganze Reihe von Politikern, was sie von den behördlichen Warnungen und Verhaltensregeln halten: offenbar nicht viel. Vier Tage später zwingt die sächsische AfD-Fraktion trotz des Infektionsrisikos, den kompletten Landtag in Dresden zu tagen. Als einzige Partei ist sie nicht mit einem Vorschlag einverstanden, der eine Beschlussfähigkeit des Parlaments auch bei einer geringeren Besetzung möglich machen sollte.
Auch politisch hat die AfD, abseits der Fundamentalkritik an der Regierung - "zu spät, zu langsam" - Schwierigkeiten, in der jetzigen Situation Antworten zu finden. Am 18. März legt die Partei einen "Fünf-Punkte-Plan zur Corona-Krise" vor. Darin fordern Weidel und ihr Ko-Chef Tino Chrupalla etwa einen Schutzschirm für von der Krise betroffene Familien, eine Existenzsicherung für Selbstständige und Freiberufler oder die Sicherstellung der Lebensmittelversorgung. Das Problem: Viele dieser Forderungen hat die Bundesregierung zu diesem Zeitpunkt bereits auf den Weg gebracht - in Form eines beispiellosen Milliarden-Hilfspaketes.Die Oppositionsparteien sind in der Corona-Krise wenig gefragt. Für die AfD könnten die Auswirkungen der Pandemie politisch besonders schwerwiegend sein. |