So, jetzt haben wir ja zwei Lager. Ich finde aber beide falsch. Die USA bedingungslos zu vergöttern ist genauso falsch, wie Russland zu hassen. Und umgekehrt.
Wir sollten nicht vergessen, dass wir Europäer sind. Und auch entschieden dafür eintreten.
Ich empfehle mal, die Veränderungen der amerikanischen Aussen- und Sicherheitspolitik mit Präsidentenwechsel 1981 von Carter zu Reagan zu analysieren. Nicht immer war der grosse Bruder unser Freund und die Interessen Deutschlands wurden oft empfindlich berührt. (Teilweise schon durch Carters SALT-Politik ab 1976) Bis zu diesem Zeitpunkt gab es eine sog. "realistische Politik zur Begrenzung strategischer Rüstung". Es herrschte auf russischer wie auf amerikanischer Seite Kontinuität und Verlässlichkeit.
Sehr zum Erstaunen der Europäer sprach Ronald Reagan öffentlich von der Sowjewunion als "Reich des Bösen" und in Washington setzte man sich die "militärische Überlegenheit über die Sowjetunion" zum Ziel. Dies erklärte er sowohl seinen europäischen Verbundeten, sowie dem Kreml ziemlich unverholen. Europa und der Kreml waren damals bestürzt darüber. Helmut Schmidt (ehem. Bundeskanzler und Verteidungsminister) empfand das Verhalten Washingtons als eine grosse Naivität.
Es folgten einige Krisen teils USA/D, teils auch andere NATO-Staaten betreffend:
-Carters Embargo für nukleare Brennstoffe gegen D -die Affäre um die Neutronenwaffen -sog. Röhrenembargo durch Reagan (Sommer 1982) -Auseinandersetzungen über die Krise der amerikanischen Gesamtstrategie gegenüber der Sowjetunion -durch Amerikas Abkehr von der Entspannungspolitik seit 1976 und von der SALT-Politik seit 1980 -Meinungsverschiedenheiten über die Bewältigung bestehender ökonomischen Weltkrisen (Dollarkrise 1969-1973, Krise des Weltwährungssystems/BrettonWood, Dollarkrise 1977/79) -als Folge amerikanischer Rekord-Haushaltsdefizite und deren weitgehender Finanzierung durch das Ausland: die dritte Dollarkrise 1985.
Man muss wissen, dass die Bewältigung der amerikanischen Haushaltskrise darin bestand, dass u.a. Deutschland sanft gezwungen wurde, massiv Dollar aufzukaufen.
Zitat ehem. Bundeskanzler Helmut Schmidt: "Manche Auseinandersetzungen wären zu vermeiden gewesen oder hätten unter geringeren Reibungsverlusten beigelegt werden können, wenn die politische Klasse in den USA annähernd soviel über russisch-sowjetische Geschichte, über Europa und über die Weltwirtschaft wüsste, wie umgekehrt die politischen Führer der europäischen Staaten gemeinhin über Amerika und die Sowjetunion wissen. Wir Europäer müssen unser Wissen über Amerika ständig überprüfen und ergänzen."
----------- ~ ~ Die Tyrannei begnügt sich nicht, ihr Werk nur halb zu tun ~ ~
Meine Meinung. Keine Empfehlung. Eigenes Risiko. |