Islam - das führt uns vom Thema ab. Thema waren Saarrazins Thesen. Inzwischen ebbt die Kritik an Sarrazin ab. Bis in die Talkshows ist inzwischen vorgedrungen, dass die Kritik an Sarrazin überzogen war, dass ihm bösartige Motive fälschlich unterstellt wurden - und dass Sarrazin ausspricht, was viele zumindest meinen, dass sie es gern gesagt hätten, es aber nicht zu sagen gewagt haben. Der letzte Aspekt ist naturgemäß für quotengeile Medien wie das Fernsehen besonders bedeutend. Da Beckmann sich bei der Kritik an Sarrazin besonders weit aus dem Fenster gelehnt hat, wird es interessant, die von ihm zu erwartenden Schlenker zu verfolgen.
Inzwischen verschiebt sich die Diskussion immer mehr hin zu den Fragen, ob die bisherige Behandlung des Falles Sarrazin nicht grundlegende Mängel in der Diskussionskultur unserer Gesellschaft offenbart hat. Der bereits in #248 zitierte sehr lesenswerte Artikel http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,715836,00.html spricht diese Mängel deutlich an, z.B. so:
"Wir aber lernen beglückt, dass der Opportunismus der Politik derselben gerade bleischwer auf die Füße gefallen ist. Und was die politisch korrekten Medientribunale angeht, auch die funktionieren so einfach nicht mehr.
Bisher wurden diese von zwei nur in Deutschland denkbaren Archetypen bestimmt: Vom bevormundenden Gouvernanten-Typ, der das Publikum für unwissend hält und es ungefragt vor Vergiftungen und Verführungen beschützen möchte. Und vom eifrigen Denunzianten-Typ, der das Publikum ebenso für bekloppt hält und Geheimbotschaften enttarnt, nach dem Motto: Herr Lehrer, ich hab da 'ne braune Kleckerei entdeckt, man sieht sie nicht mit unbewaffnetem Auge, aber ich bin so irre smart und hab' sie aufgespürt." ...... "Debatten aber über Identität und Leitkulturen werden überall geführt in einer zunehmend globalisierten Welt, in den USA genauso wie in Großbritannien, in Frankreich, Holland oder Dänemark. Das schließt Weltoffenheit nicht im geringsten aus. Es bedeutet nur ein Beharren auf Traditionen und Werten, zu denen auch die Religion gehört, die man nicht einfach an der nächsten Bude abgeben möchte." ........... "Der Beistand für Sarrazin beweist es. Die Deutschen lernen dazu. Vielleicht kommen sogar die Redaktionen des Landes eines Tages dahin, wo die britischen Kollegen längst sind: wie man frei und ohne Scheuklappen und Sprachregelungen Debatten führt." --------------------------- Das sind die Fragen, um die es geht. |