Zitat fill: In den allermeisten Gesellschaften würde hingegen direkte Demokratie schnurstracks in den nackten Faschismus führen, eben weil Mehrheiten diesen wollen, freilich ohne dies gern laut auszusprechen.
Es gibt keinen Beleg dafür und ich glaube das auch nicht, dass Mehrheiten Faschismus wollen. Selbst in der sehr schwierigen Situation in der Deutschland damals war, haben auch die Nazis keine absoluten Mehrheiten erreicht. Die damalige Machergreifung war auch den Umständen geschuldet und da waren auch die Siegermächte des 1. WK nicht unschuldig daran. Das ist natürlich ein Trauma und so kann ich schon einige deiner Bedenken nachvollziehen.
Zitat fill: Repräsentative Demokratie kann insofern als ein Tool besprochen werden, das den apokalyptischen Drang im Mehrheitswillen hemmt und den Prozess der Machtergreifung erschwert. Das ist ihr Wert, der in schweizer Perspektive vermutlich nicht so recht wahrgenommen werden kann.
Auch dafür gibt es keinen Beleg, dass der Faschismus oder Absolutismus sich durch repräsentative Demokratie eher verhindern liesse. Doch drückst du auch ein grundsätzliches Misstrauen aus gegenüber den Mehrheiten und somit auch gegenüber dem Grundgedanken der Demokratie und das machen eben auch die gewählten Repräsentanten öfter und wollen daher gar nie abstimmen lassen zu nationalen Fragen, würden sie auch hier nicht wollen. Die Mehrheit besteht auch immer aus sehr diversen Individuen und die wollen nicht alle das Gleiche, oft ist es die Entscheidung für das kleinere Übel.
Im Resultat ist es ja oft nicht gross anders, was übergeordnet angestrebt wird hier, wie in vielen anderen demokratischen Ländern, es unterliegt aber einer anderen politischen Mentalität. Einen sogenannten Volkswillen gibt es nicht, es gibt aber hunderte von Sachzwängen. Die Akzeptanz ist aber grösser mMn, wenn ein Mehrheitsentscheid gefällt wurde, es ist dann nicht die Regierung, die das alleine entschieden hat. Die muss es umsetzten, doch sind Abstimmungen oft auch nur Wegweiser. Denn es gibt auch diverse Leitplanken innerhalb denen man sich bewegen muss, Sachzwänge und auch einst beschlossene übergeordnete Gesetze.
Es wurden hier auch schon grosse Fehlentscheide an der Urne gemacht, das sieht man dann erst viel später, aber das kann man niemandem wirklich vorwerfen. |