M. K. Wien Der am Donnerstag bekanntgewordene Fall einer Beamtin der Finanzabteilung des Landes Salzburg, die mit Derivativgeschäften bis zu 340 Mio. € verspekuliert haben soll, ist zwar spektakulär, aber trotzdem nur einer in einer langen Reihe. Eher einzigartig ist der Salzburger Fall insofern, als die 45-jährige Juristin, die seit 2001 eigenmächtig mit Derivaten spekuliert hatte, die erlittenen Buchverluste durch laufende Umbuchungen sowohl vor dem Finanz-Beirat des Landes als auch den Rechnungshöfen von Land und Bund verbergen konnte. Die Beamtin hatte in den Jahren 2006 und 2007 vor allem mit Swaps in isländischer und türkischer Währung spekuliert.
Zentrale Aufzeichnungen über Swapgeschäfte von Gemeinden und Städten gibt es nicht, doch schätzt die auf Beratung geschädigter Kommunen spezialisierte HLC Communications, dass Österreichs Kommunen mit bis zu 8 Mrd. € in Schieflage sein könnten. Oft ist das Muster ähnlich: ein hochkomplexes Produkt, dessen Risiko von den Banken meist nicht klar dargelegt wurde, auf der einen und überambitionierte Gemeindevertreter, welche die Goldgräberstimmung auf den Finanzmärkten nutzen wollten, auf der anderen Seite. Endstation sind dann Gerichte – wie in den Fällen St. Pölten oder Linz.
Niederösterreichs Landeshauptstadt hat gegen die Deutsche Bank auf Nichtigkeit eines auf 67 Optionsgeschäften beruhenden Swaps geklagt. Der Barwert sei wegen der Komplexität für die Stadt gar nicht zu errechnen, nur die Bank habe über den Stand des Deals Bescheid gewusst. Die Stadt Linz wiederum schloss 2007 zur Absicherung einer auslaufenden Kreditlinie über 195 Mio. Fr. (zum damaligen Kurs 152 Mio. €) mit der Bawag eine Kurs-Zins-Wette ab. Durch den Kursanstieg des Frankens stieg der Wert des Swaps auf mehrere 100 Mio. €. Als die Stadt die Zahlung einstellte und klagte, kündigte die Bawag ihrerseits den Vertrag und klagte gegen Linz auf 418 Mio. €. Ein Ende ist nicht in Sicht.
Nicht unzureichende Information von Banken, sondern politischer Überehrgeiz steht hinter der Affäre um den Verkauf der offenen Wohnbau-Darlehen des Landes Niederösterreich. Der zuständige Finanz-Landesrat wollte mit spekulativen Veranlagungen wesentlich höhere Erlöse erzielen als mit den banalen Darlehen. Was gründlich danebenging. Erst dieser Tage meldete der Rechnungshof, dass dem Land knapp 1 Mrd. € auf dem angepeilten Ziel der Veranlagung fehlten. Doch auch kleinere Städte und Gemeinden verspekulierten sich; man liess sich – ohne die Risiken abschätzen zu können – zu «mündelsicheren» Immobilien-Investments (wie Meinl European Land) verleiten, nahm Fremdwährungskredite auf und wollte dann mit Swaps die Kursverluste minimieren. http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/...al-kein-einzelfall-1.17877043 |