Ein blutiges Drehbuch, das niemand lesen wollte
Donald Trump hat seinen Worten Taten folgen lassen. Vor zwei Monaten sagte er öffentlich, die Tage des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro seien gezählt – in der Nacht zu Samstag setzten US-Einsatzkräfte Maduro und dessen Frau in einem spektakulären Angriff auf die Hauptstadt Caracas fest und flogen ihn aus dem Land. Es ist der Kulminationspunkt einer Eskalation, die nach Drehbuch vorangetrieben wurde – vor den Augen einer Weltöffentlichkeit, die sich in weiten Teilen zum Nicht-so-genau-hinsehen-Wollen entschieden hat.
Caracas schuld an US-Drogentoten?
Da war der Vorwurf, Maduro sei Teil eines Drogenkartells, weshalb die USA ihn zum Terroristen erklärt und ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt haben. Da waren die gezielten Angriffe auf zivile Motorboote, die angeblich Drogen transportiert haben sollen. Da waren die Enterungen von Öltankern, der massive Militäraufmarsch vor der Küste des südamerikanischen Landes – und da waren die immer schärferen Drohungen Washingtons und das kollektive Achselzucken seiner Verbündeten angesichts dieses unerklärten Kriegs. Die US-Lesart ist die folgende: Drogen töten Zehntausende Amerikaner, Maduro gilt als Kopf eines Drogenkartells, also wird Maduro eben festgenommen. Wie man das mit Verbrechern nun mal macht. Die Beweislage ist indes dünn, und die Rolle Venezuelas im internationalen Drogenhandel so marginal, dass sie kaum einen solchen Angriff rechtfertigt. Ginge es wirklich darum, die Einfuhr von Drogen zu verhindern, müssten die USA, überspitzt gesagt, eher Kolumbien oder Mexiko angreifen.
Ankläger, Richter und Henker in eigener Sache
Nein, die alibihafte Erzählung über ein Narco-Terrorregime in Caracas ist leicht zu durchschauen. Angesichts des immer schärfer werdenden globalstrategischen Ringens um Rohstoffe ist es weit realistischer, dass es um den Einfluss auf das ölreichste Land der Erde geht. Nur klingt das als Motiv nicht so ehrenhaft. Und auch wenn das offensichtliche Ende von Maduros diktatorischer Herrschaft ja begrüßenswert ist, muss der Weg dorthin die Welt beunruhigen. Denn dafür, dass die USA als Ankläger, Richter und Henker in eigener Sache über Wochen mehr als 100 Menschen auf See töteten, müssen sie keine spürbaren Konsequenzen fürchten, auch nicht für den gewaltsamen Einsatz in Caracas. Von wem denn auch? Den UN? Der EU? Lachhaft. „Wir dürfen das“, stellte Trump einmal vor laufenden Kameras zur Versenkung der Boote klar. Das Recht, auf das er sich damit beruft, ist allerdings schlicht das Recht des Stärkeren – und dessen Anwendung hat die Welt leider nur selten verbessert. |