Tokio. (kle/ag) Einst war sie ein stolzes Symbol des japanischen Wirtschaftserfolges. Für die Fluglinie Japan Airlines (JAL) zu arbeiten, galt als Traumjob. Die Gehälter waren gut, die Arbeitsplätze sicher und die Pensionszusagen geradezu üppig. Doch damit ist es nun vorbei: Am Dienstag meldete die defizitäre und hoch verschuldete Airline wie erwartet Insolvenz an. Ihr Crash ist für Japan eine der größten Pleiten seit dem Zweiten Weltkrieg.
Ähnlich wie General Motors in den USA soll JAL nun vom Staat aufgefangen und unter dessen Regie radikal umgebaut werden. Gekappt werden dabei nicht nur tausende Jobs (von 15.600, gut einem Drittel der Gesamtbelegschaft, ist die Rede), sondern auch unrentable Strecken. Erklärtes Ziel ist, die unter Gläubigerschutz weiterfliegende Airline binnen drei Jahren wieder profitabel zu machen.
Der Schritt in die Insolvenz bedeute "nicht das Ende, sondern den Neustart" des Unternehmens, betonte Verkehrsminister Seiji Maehara. Der staatliche Sanierungsplan sieht Kreditlinien über 600 Milliarden Yen (4,6 Milliarden Euro) vor. Zusätzlich will Japans Regierung über eine Kapitalspritze 300 Milliarden Yen in den seit 1951 bestehenden Konzern pumpen.
Mit dem Insolvenzverfahren soll Asiens größte Fluggesellschaft einen substanziellen Teil ihres Schuldenberges von zuletzt mehr als 2,3 Billionen Yen abtragen können. Die Gläubiger, darunter mehrere japanische Großbanken, sollen Schulden in Höhe von 730 Milliarden Yen erlassen.
Inamori neuer Präsident
An der Spitze des Konzerns kommt es zu einem Wechsel. Haruka Nishimatsu hat bereits seinen Hut genommen. Neuer Präsident wird Kazuo Inamori, er ist der legendäre Gründer des Technologiekonzerns Kyocera.
Dass die seit 1987 privatisierte JAL eines Tages finanziell crashen würde, hat sich schon seit langem abgezeichnet. Noch bevor die Airline, die rund 280 Flugzeuge im Einsatz hat, die Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise zu spüren bekam, hatten wiederholt Sicherheitsprobleme, interne Machtkämpfe und die teure Kostenstruktur dem Traditionsunternehmen zu schaffen gemacht. Doch um Profitabilität musste sich JAL nie wirklich Gedanken machen.
Immer wieder erhielt die frühere Staatsairline in Krisenzeiten Milliarden-Gelder aus dem Steuertopf – von den konservativen Vorgängerregierungen der Liberaldemokratischen Partei. Im Gegenzug musste die japanische Fluglinie viele in der Provinz gebaute Flughäfen trotz eines mageren Passagieraufkommens und hoher Gebühren anfliegen.
Unfähiges Management
Außerdem hat sich die Führungsriege oft aus den Rängen der machtvollen Bürokratie rekrutiert, wie Kritiker anmerken. Diese Manager hätten sich jedoch mit Restrukturierungen im Airline-Business genauso wenig ausgekannt wie mit dem Erarbeiten einer langfristigen Strategie. Umso bemerkenswerter ist, dass die seit September regierende Demokratische Partei von Ministerpräsident Yukio Hatoyama nun durchgriff und erstmals einen für Japan wichtigen Konzern pleitegehen ließ.
http://www.wienerzeitung.at/...abID=4103&Alias=wzo&cob=462700 ----------- Keine Kauf Empfehlung!! Wen nicht fähig ist, selber eine Meinung zu bilden und eine Entscheidung zu treffen, darf nicht zur Börse. |