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Wachsende Unzufriedenheit
Über den Internetdienst „Twitter“ hatte zuvor der Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Altmaier, die Forderung veröffentlicht: „Wünsche mir, dass Christian seine Anwälte an die Leine legt und die Fragen/Antworten ins Netz stellt.“ Diese Äußerung war Ausdruck einer wachsenden Unzufriedenheit in den eigenen Reihen über die Art, wie Wulff sich verhalte.
Im „Hamburger Abendblatt“ sagte Altmaier: „Ich hielte es für unglücklich, wenn der Eindruck entstünde, dass die Anwälte des Bundespräsidenten jetzt hinter dem zurückbleiben, was er selbst in einem Fernsehinterview angekündigt hat.“
Damit ging Altmaier, der vor Weihnachten der einzige Unions-Politiker war, der Wulff in Talkshows verteidigte, über Erklärungen des CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Kauder und des CDU-Generalsekretär Gröhe hinaus, die in den vergangenen Tagen das Krisenmanagement Wulffs als unzureichend kritisiert hatten. Altmaier griff offenkundig den wachsenden Unmut in seiner Fraktion auf. Unter Bundestagsabgeordneten ist seit Tagen eine Stimmung verbreitet, eigentlich sei Wulff nicht mehr im Amt zu halten.
Nun wurde angefügt, auch unter niedersächsischen Bundestagsabgeordneten habe Wulff keine Freunde. Die Führung der Bundestagsfraktion könne und wolle Wulff nicht mehr kameradschaftlich zur Seite stehen.
Altmaier machte vor allem die Unzufriedenheit in seiner Fraktion darüber deutlich, dass „Worte und Taten“ Wulffs nicht übereinstimmten. Wulff habe in seinem – in der Union mittlerweile als „unsäglich“ bezeichneten – Fernsehinterview eine Veröffentlichung von Antworten auf mehr als 400 Fragen von Journalisten angekündigt; dann aber sei es bei einer zusammenfassenden Darstellung von knapp sechs Seiten geblieben, in der Fragen wie Antworten zu Themenbereichen gegliedert worden seien. Wulff müsse seinen Worten dann auch Taten folgen lassen, hieß es. Er müsse alles veröffentlichen.
Auf vornehme Weise drückte das Frau Merkel aus. „Ich wiederhole gerne, dass ich die Arbeit des Bundespräsidenten schätze“, sagte sie. „Ich glaube, er hat in den vergangenen Tagen und Wochen gezeigt, dass er auf viele Fragen eine Antwort gegeben hat. Sollte es neue Fragen geben, bin ich davon überzeugt, dass er sie genauso beantworten wird, und deshalb hat meine Wertschätzung Bestand.“ Sie freue sich auf den Neujahrsempfang an diesem Donnerstag im Schloss Bellevue. Doch wurde die wirklich Stimmung Frau Merkels in der Fraktion anders wahrgenommen. Die Kanzlerin sei „not amused“. Sie sei verärgert, weil die Debatte um Wulff durch dessen Schuld ständig weitergehe. Sie fürchte, die Auseinandersetzungen gingen womöglich auch zu ihren Lasten. Sie wolle aber nicht „in Sippenhaft“ genommen werden. |