durch den Industrial, den Wave und No Wave, den Post Punk und die Avantgarde dieser Zeit, auf die ich mich gerne mitnehmen lasse. Sehr interessant sind dann auch solche Texte dazu, wie oben zu Lydia Lunch, die im Gegensatz zu Willy de Ville übrigens bisher an mir vorbeigegangen ist.
Das Debütalbum von the Cure ist natürlich großartig.
Die Bewegung um Throbbing Gristle ist sicherlich einer der außergewöhnlichsten Momente der Musikgeschichte des letzten Jahrhunderts bis heute. Wobei die Musik dort eigentlich fast in den Hintergrund rückt. Kunst kam der Musik vielleicht nirgends näher als dort. (Womit wir im Grunde wieder thematisch bei den Eingangsbeiträgen unseres threads angelangt wären.) Eine Kunst, die ich allerdings, wie auch den industrial insgesamt, recht ambivalent betrachte. Es gibt nun viele differenzierte und kontroverse Betrachtungen zum Industrial und seinen verschiedenen Anliegen (z.B. hier: http://stefanhetzel.privat.t-online.de/industrl.html ) aber egal, wie man diese Ästhetisierung des Schrecklichen, die in der Tradition des Realismus der Nachkriegszeit steht und mit dadaistischen Motiven verbindet, auch bewerten möchte, sie haben damit ohne Frage einen ungeheuer wichtigen und wertvollen Beitrag abgeliefert, ein echter Meilenstein im Bereich von Kunst und Musik. TG waren dabei m.E. nicht nur Wegbereiter und Namensgeber dieser Bewegung sondern zugleich auch ihr grandioser Höhepunkt.
Den Essay oben würde ich mir übrigens in vielen Punkten nicht unbedingt zu eigen machen wollen, aber immerhin in manchen. Was ich am meisten am Industrial kritisieren würde und dabei vor allem auch der Auffassung bin, dass sich seine Protagonisten damit selber nicht gerade einen Gefallen tun, ist der Umstand, dass dort alles, was Bestand zu haben scheint, der Blick für das Hässliche und Schreckliche ist. Eine Kritik, die sich übrigens im Grunde genau so gegen den Realismus richten könnte. Der Blick für die Schönheit, die sich eben auch abseits von romantisierenden Überhöhungen oder Vorstellungen der Antike auch im Realen mit allen seinen Unvollkommenheiten wiederfindet, scheint ihnen völlig zu fehlen. Musik und Kunst, aber vor allem die Musik, spielt da meines Erachtens dann z.B. auch gerade mithinein. Auch diese hat neben der Fiktion, die in der Werken zum Ausdruck kommt, eine ganz reale Dimension nämlich die des menschlichen Schaffens und aller zugehörigen Prozesse. Als solche sind Kunst oder Musik immer auch ein Stück Realität, egal, wie sie im Einzelfall gestaltet ist.
Der äußerst interessante und genau so radikale wie wirklich kreative Industrial verlangt seinen Betrachtern dabei schon in der Auseinandersetzung einiges ab, wenn man sich tiefer darauf einlässt. Es lohnt sich allerdings - auch wenn man dem dabei transportierten Weltbild am Ende nicht zustimmen kann, darum geht es dabei dann eben gar nicht so sehr (zumindest mir nicht).
Der alte Konflikt zwischen Künstler oder Boheme und Bürgertum kommt darin natürlich ebenfalls einmal mehr zum Ausdruck. Ein Konflikt, der in der Literatur von E.T.A. Hoffman bis Thomas Mann schon so häufig und wohl durchaus treffend thematisiert wurde.
Ein Konflikt, der sich heute allerdings ein wenig überholt zu haben scheint, zu verdanken haben wir diesen Umstand dann wohl nicht zuletzt gerade den Jugendbewegungen des letzten Jahrhunderts, von den Beatniks über die Hippies, den Punks und dann auch über die industrial people, die zwar im Grunde völlig antibürgerliche Bewegungen waren, damit aber gerade zu einer Art Erneuerung des Bürgertums geführt haben. Man könnte es durchaus als eine Art Liberalisierung begreifen. |