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Ein vollständiger Zyklus der FED-Zinssenkung statt einer Mid-Cycle-Korrektur


18.11.19 11:45
Nordea Asset Management

Stockholm (www.anleihencheck.de) - Wir gehen davon aus, dass sich die konjunkturelle Verlangsamung bis in die erste Jahreshälfte 2020 ausweiten wird, bevor China eine moderate wirtschaftliche Erholung auslöst, die sich langsam bis ins Jahr 2021 erstrecken dürfte, so Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management.

Das bedeutet, dass unser Thema "Japanisierung" mit einem starken Schwerpunkt auf festverzinslichen Anlagen weiterhin besteht, aber es wird letztendlich Chancen bei Aktien geben, allen voran in den Schwellenländern, so Sébastien Galy weiter.

Die Verlangsamung der Schwellenländer (Emerging Markets, EM) habe überproportionale Auswirkungen auf die US-Produktion gehabt, gespeist von Geschichten über eine Rezession in den USA, die von Investmentbanken und den Medien verbreitet worden seien. Dies habe zur Folge, dass das Vertrauen der CEOs des US-Konferenz-Boards nahezu auf einem historischen Tief liege und sich sehr negativ auf die Wirtschaft auswirke. Dieser Schock beginne sich auf die Verbraucher auszuwirken, die in einer Zeit, in der die Staatsausgaben und insbesondere der Handel nicht helfen würden, weniger ausgeben würden als erwartet. Wir gehen davon aus, dass sich diese Ansteckung ausbreitet und die Ersparnisse der Verbraucher steigen werden, da sich diese unsägliche Geschichte durchsetzt, obwohl ein Handelsabkommen zwischen den USA und China im ersten Quartal 2020 dazu beitragen dürfte, die Situation umzukehren, so Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, weiter.

Die Chancen stünden also gut, dass sich die US-Notenbank für einen vollständigen Lockerungszyklus und nicht für eine Korrektur in der Mitte des Zyklus entscheiden werde. Erwartet werde derzeit eine Leitzinssenkung durch die FED um 71 Basispunkte bis Ende 2020. Die Chancen stünden gut, dass man im Dezember eine Zinssenkung sehe und dass die Leitzinssenkungen der FED bis Mitte 2020 auf rund 50 Basispunkte gefallen sein würden. Da es sich um einen rein temporären Schock handle, erwarte Sébastien Galy eine schnelle wirtschaftliche Erholung bis Mitte 2021, wenn die FED wieder auf dem Weg der Straffung sein sollte. Das Tempo der Straffung sollte unter den Demokraten langsam sein, da wir uns angesichts des von den Republikanern ausgeübten Drucks hinsichtlich der Zügelung von Ausgaben wahrscheinlich in einer Haushaltskontraktion befinden werden, so Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, weiter.

Die Auswirkungen auf den US-Dollar im Vergleich zu Schwellenländern und EM-Hart- und Lokalwährungsanleihen sollten für diese Anlageklassen ziemlich positiv sein. Die Auswirkungen auf Aktien sollten bei defensiven Aktien gemischt positiv ausfallen, da sie ihre Finanzierungskosten (z.B. Versorgungsunternehmen) senken würden, während der Nachfrageschock zunächst Konjunktur- und Wachstumswerte belasten dürfte. Eine so komplexe Welt sei eine Welt für verwaltete US-Aktien und Anleihen. Schließlich dürfte der Mangel an sicheren Häfen, einschließlich renditestärkerer US-Treasuries, die Nachfrage nach Safe-Haven-Anlagen von europäischen Staatsanleihen bis hin zu europäischen Pfandbriefen, insbesondere in Italien und Griechenland, antreiben.

Die Experten von Nordea Asset Management würden davon ausgehen, dass der Mix aus europäischem Wachstum und Inflation in der zweiten Jahreshälfte 2020 sehr verhalten bleiben und sich verbessern werde, angeführt von einer Erholung in Deutschland, Spanien, Italien und Griechenland. Deutschland sollte von einem Finanzpaket von voraussichtlich rund 1% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) profitieren, das sich erneut auf die Transformation in eine "Green Economy" konzentriere, ein Prozess, der in den nordischen Ländern bereits fortgeschritten sei. Die Peripherie Europas sollte stark von der anhaltenden Abflachung der Zinskurven ihrer Staatsanleihen profitieren. Monat für Monat kurbele die billigere Kreditvergabe der Banken die Wirtschaft an, was für die Banken zu einem geringeren Kreditrisiko führe, sodass sie mehr Kredite vergeben könnten. Dies sei in Spanien geschehen, das seit 2015 durchschnittlich über 2% Wachstum verzeichne. Darüber hinaus dürfte die allmähliche Erholung in China das deutsche und schwedische Wachstum unterstützen. Generell dürfte eine wirtschaftliche Erholung in Verbindung mit einer möglichen Erholung des Ölpreises den nordischen Volkswirtschaften ganz erheblich zugute kommen.

Dies biete sowohl thematische als auch taktische Möglichkeiten innerhalb europäischer Aktien, insbesondere solcher mit defensiver Ausrichtung wie Pfandbriefe und Infrastrukturaktien. Auf der Seite der festverzinslichen Wertpapiere dürften eine etwaige Verbesserung des Wachstums und eine weniger expansive Europäische Zentralbank einige Schocks bei den italienischen und griechischen Anleihen auslösen. Diese dürften aber vorübergehend sein, da die längerfristigen Gewinnaussichten weiterhin verhalten bleiben würden und die Anleihen in einer Korrektur gefragt sein würden. Im Allgemeinen seien die Experten von Nordea Asset Management bei Kreditrisiken in Italien und Griechenland weiterhin sehr konstruktiv eingestellt.

Bis zur zweiten Jahreshälfte 2020 werde sich die chinesische Wirtschaft wieder erholt haben. Die Erholung dürfte aber moderat ausfallen, da sie durch schwache Bankbilanzen und hohe Verschuldung gehemmt werde (die Gesamtverschuldung betrage 280% des BIP Ende 2018). Ebenso dürfte sich die indische Wirtschaft bis dahin erholen, allerdings moderat aufgrund einer Kombination aus Bankbilanzthemen und der schnellen Transformation der Wirtschaft. Damit befänden sich Aktien aus Schwellenländern in einer ansatzweise attraktiven Position - aber nicht überall. Engagements in deutschen oder schwedischen Aktien seien sicherlich eine gute Idee.

Auf die neue Generation zugeschnittene Angebote von Firmen wie Apple und Samsung, die eine Vielzahl von Dienstleistungen und Erfahrungen bieten würden, sollten gut abschneiden. Dies deute darauf hin, dass auch US-Wachstumswerte, die typischerweise stark auf die Schwellenländer ausgerichtet seien, letztendlich profitieren würden. Generell würden die Experten von Nordea Asset Management davon ausgehen, dass sich Asien-Pazifik- und LatAm-Aktien angesichts der gestiegenen Rohstoffnachfrage letztendlich erholen würden. Darüber hinaus sollten einige Schwellenländer von der möglicherweise steigenden Energienachfrage unterstützt werden, wie Indonesien und insbesondere Russland, das einen hervorragenden Anleihenmarkt biete.

Bei "Emerging Market Fixed Income" sei das Bild komplex und man sollte ein aktives Management betreiben. Die Transformation alter in neue Sektoren bedeute, dass Volkswirtschaften wie Indien und die Türkei weniger inflationär sein würden als in früheren Konjunkturerholungen. In Ländern mit niedrigen Ersparnissen dürfte der Wettbewerb um die Gelder zu steileren Zinskurven für Anleihen mit einer Laufzeit von mehr als zwei Jahren führen. Dies gelte für Länder wie Indonesien und die Philippinen, während länger laufende Anleihen in Ländern mit hohem Sparpotenzial, wie Russland, vielversprechender seien.

Wir bevorzugen nach wie vor gut diversifizierte und widerstandsfähige Portfolios mit bedeutenden defensiven Anlagen wie Infrastrukturaktien und Pfandbriefe, insbesondere aus Italien und Griechenland, so Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, weiter. EM Fixed Income sollte von der FED-Entspannung profitieren (wenn auch nicht überall), während EM- und europäische Aktien (z.B. Schweden) ein guter Ort sein sollten, um sich für eine eventuelle Erholung in China und dann in den USA zu positionieren. (18.11.2019/alc/a/a)