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Die linke Hand weiß nicht, was die rechte tut
18.09.19 12:30
Wolfgang Steubing AG
Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Vor wenigen Tagen gab es ein mittlerweile schon gewohntes, fast langweiliges Ritual der EZB zu betrachten: Der EZB-Rat senkte die Zinsen und gab - nicht überraschenderweise - bekannt, dass ab Ende September wieder frische Milliarden (monatlich 20 Milliarden Euro) zum Anleihekauf genutzt werden, so das Asset Management Team der Steubing AG.
Die vorhersehbare Begründung der EZB: Das Ausbleiben der gewünschten Zielinflation von 2%. Wirklich neu sei diesmal nur, dass die Zentralbank keine Prognose wage, wann sie diese Maßnahmen beende. Bisher sei von mindestens bis Mitte des Jahres 2020 die Rede gewesen - nun werde die Maßnahmendauer offen gelassen.
Ende Juli 2019 habe die US-amerikanische Notenbank (FED) zum ersten Mal seit Dezember 2008 die Leitzinsen gesenkt und zwar um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 2,00 bis 2,25 Prozent. Gleichzeitig habe die FED weitere Zinssenkungen signalisiert, für den Fall, dass das globale Wachstum weiterhin stagnieren würde und dass Handelskonflikte sich verstärken würden.
In dieser Zinssituation sehen wir nun zwei unterschiedliche politische Vorgehensweisen, so die Analysten der Wolfgang Steubing AG. Die USA, als Schuldner mit ausgezeichneter Bonität, würden sich Gedanken machen, ob sie grundsätzlich ihre Verschuldung nicht erhöhen und die extrem niedrigen Zinsen für eine Anleihe mit einer 100-jährigen Laufzeit nutzen sollten. Der deutsche Finanzminister trotze bei der Vorlage des Haushaltsentwurfes für das Jahr 2020 der Verlockung des billigen Geldes und lege einen geplanten Haushalt mit einer schwarzen Null vor. Dabei könnte sich auch der deutsche Staat EZB-konform verhalten - zweckgebunden neue Staatsanleihen zu niedrigsten Kupons mit langer Laufzeit aufnehmen, um durch z.B. Infrastrukturmaßnahmen die Wirtschaft anzukurbeln, die Kaufkraft zu stärken und damit die Inflationsrate zu steigern. Gleichzeitig würde durch die Positionierung solcher Bonds der Markt für Investoren wieder attraktiver - Investoren, die bei ihrer Bank für geparktes Geld keinen Negativzins zahlen möchten, aber dennoch ihre Einlagen absichern müssten.
Eine zweite europäische Unwucht sehen wir durch die Regulierungsflut für die Fremdkapitalinitiativen von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU): Die MAR (Marktmissbrauchsverordnung) und die Erweiterungen bezüglich der Eigenkapitalvorschriften von Banken durch Basel III, so die Analysten der Wolfgang Steubing AG. Christian Ossig, der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes warne in diesem Zusammenhang: "In allen von uns untersuchten Kreditportfolios führt der Output-Flor zu erheblich höheren Kapitalanforderungen. Dies erschwert und verteuert die Kreditvergabe im Bereich der Immobilienfinanzierung ebenso wie bei kleinen und mittleren Unternehmen." Basel III werde verhindern, dass KMU an für Investitionen benötigtes Fremdkapital von Banken kämen. Der Kapitalmarkt sei aber durch die MAR auch für viele KMU keine gangbare Alternative. Um der MAR gerecht zu werden, müssten kostenintensive Back-Office-Abteilungen aufgebaut werden. Dieses Know-How sei für KMU aber nicht ohne weiteres zu erlangen oder zu bezahlen. Damit würden die Unternehmen Risiken von empfindlich harten Sanktionen durch die BaFin eingehen, wenn sie an den Kapitalmarkt strebten.
So wie aber KMU den Kapitalmarkt dringend benötigen würden, benötige das Kapital händeringend Investitionsmöglichkeiten, die eine "anständige" Verzinsung bieten würden. Auch wenn einige Medienvertreter schon wieder das Armageddon herbei schreiben würden. So sei z.B. das "Handelsblatt" der Meinung, dass mittlerweile schon wieder zu viele Junk-Anleihen auf dem Markt seien und die Anleger nicht auf die Praktikabilität der Geschäftsmodelle sondern nur auf den Zinssatz achten würden. Man sollte beachten, dass viele mittelständische exportorientierte Unternehmen in den letzten Monaten ihre Prognosen zurück genommen hätten. Aber: In den letzten drei Jahren haben wir fast nur KMU-Anleiheemissionen von Unternehmen gesehen, deren Geschäftsmodelle nachvollziehbar und belastbar waren, so die Analysten der Wolfgang Steubing AG.
Insgesamt habe man in den letzten Jahren das Gefühl, dass in der europäischen Wirtschaftspolitik die linke Hand nicht wisse, was die rechte tue. Dadurch stelle man sich an vielen Stellen selber ein Bein und bremse die Konjunktur und auch Investoren auf der notwendigen Suche nach Rendite aus. (18.09.2019/alc/a/a)
Die vorhersehbare Begründung der EZB: Das Ausbleiben der gewünschten Zielinflation von 2%. Wirklich neu sei diesmal nur, dass die Zentralbank keine Prognose wage, wann sie diese Maßnahmen beende. Bisher sei von mindestens bis Mitte des Jahres 2020 die Rede gewesen - nun werde die Maßnahmendauer offen gelassen.
Ende Juli 2019 habe die US-amerikanische Notenbank (FED) zum ersten Mal seit Dezember 2008 die Leitzinsen gesenkt und zwar um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 2,00 bis 2,25 Prozent. Gleichzeitig habe die FED weitere Zinssenkungen signalisiert, für den Fall, dass das globale Wachstum weiterhin stagnieren würde und dass Handelskonflikte sich verstärken würden.
Eine zweite europäische Unwucht sehen wir durch die Regulierungsflut für die Fremdkapitalinitiativen von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU): Die MAR (Marktmissbrauchsverordnung) und die Erweiterungen bezüglich der Eigenkapitalvorschriften von Banken durch Basel III, so die Analysten der Wolfgang Steubing AG. Christian Ossig, der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes warne in diesem Zusammenhang: "In allen von uns untersuchten Kreditportfolios führt der Output-Flor zu erheblich höheren Kapitalanforderungen. Dies erschwert und verteuert die Kreditvergabe im Bereich der Immobilienfinanzierung ebenso wie bei kleinen und mittleren Unternehmen." Basel III werde verhindern, dass KMU an für Investitionen benötigtes Fremdkapital von Banken kämen. Der Kapitalmarkt sei aber durch die MAR auch für viele KMU keine gangbare Alternative. Um der MAR gerecht zu werden, müssten kostenintensive Back-Office-Abteilungen aufgebaut werden. Dieses Know-How sei für KMU aber nicht ohne weiteres zu erlangen oder zu bezahlen. Damit würden die Unternehmen Risiken von empfindlich harten Sanktionen durch die BaFin eingehen, wenn sie an den Kapitalmarkt strebten.
So wie aber KMU den Kapitalmarkt dringend benötigen würden, benötige das Kapital händeringend Investitionsmöglichkeiten, die eine "anständige" Verzinsung bieten würden. Auch wenn einige Medienvertreter schon wieder das Armageddon herbei schreiben würden. So sei z.B. das "Handelsblatt" der Meinung, dass mittlerweile schon wieder zu viele Junk-Anleihen auf dem Markt seien und die Anleger nicht auf die Praktikabilität der Geschäftsmodelle sondern nur auf den Zinssatz achten würden. Man sollte beachten, dass viele mittelständische exportorientierte Unternehmen in den letzten Monaten ihre Prognosen zurück genommen hätten. Aber: In den letzten drei Jahren haben wir fast nur KMU-Anleiheemissionen von Unternehmen gesehen, deren Geschäftsmodelle nachvollziehbar und belastbar waren, so die Analysten der Wolfgang Steubing AG.
Insgesamt habe man in den letzten Jahren das Gefühl, dass in der europäischen Wirtschaftspolitik die linke Hand nicht wisse, was die rechte tue. Dadurch stelle man sich an vielen Stellen selber ein Bein und bremse die Konjunktur und auch Investoren auf der notwendigen Suche nach Rendite aus. (18.09.2019/alc/a/a)


