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Der letzte Pfeil der SNB


07.12.15 13:01
GAM

Berlin (www.anleihencheck.de) - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) steht geldpolitisch mit dem Rücken zur Wand und scheint metaphorisch gesprochen höchstens noch einen letzten Pfeil im Köcher zu haben, so Joachim Corbach, Leiter Währungen und Rohstoffe bei GAM in Zürich.

Nach dem verhaltenen Schritt der EZB und im Hinblick auf eine voraussichtliche Zinserhöhung der FED nächste Woche dürfte sich die SNB diesen Pfeil wohl für einen späteren Zeitpunkt aufbehalten.

Das Direktorium der SNB dürfte vom EZB-Entscheid vergangener Woche, der viele Marktteilnehmer enttäuscht habe, erleichtert gewesen sein. Der eher verhaltene weitere Expansionsschritt der EZB habe - zumindest vorübergehend - den Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken deutlich verringert, und somit auch den Druck auf die SNB, am Donnerstag die geldpolitischen Rahmenbedingungen noch weiter zu lockern.

Der SNB stünden dabei grundsätzlich drei Optionen zur Verfügung: Erstens, den Zins für Giroguthaben weiter zu senken. Zweitens, den Freibetrag, bis zu welchem Geschäftsbanken vom negativen Zins verschont bleiben würden, zu reduzieren. Und drittens, direkt am Devisenmarkt zu intervenieren.

Bei welchem Zinssatz private und institutionelle Anleger von Kontoeinlagen zu Bargeldhaltung wechseln würden, sei ungewiss. Die Schwelle dürfte allerdings vom heutigen Zinssatz nicht mehr weit entfernt sein. Die SNB werde sich hüten, diesem Wert zu nahe zu kommen.

Der Freibetrag bei Girokonten führe derzeit dazu, dass nur auf rund 30% der Guthaben Schweizer Geschäftsbanken bei der SNB ein negativer Zins verrechnet werde. Dies und die Tatsache, dass sich auch der Hypothekarmarkt dem Trend zu immer tieferen Zinsen habe entziehen können, ermögliche den Geschäftsbanken, dem Schweizer "Durchschnittssparer" den negativen Zins nicht weiterzureichen. Dies sei aber ein sehr fragiles Gleichgewicht, welches durch eine Änderung des Freibetrages leicht an Stabilität verlieren dürfte.

Bezüglich Interventionen am Währungsmarkt zur Schwächung des Schweizer Frankens, sei die SNB deutlich eingeschränkt. Denn dies würde zu einer weiteren Aufblähung ihrer Bilanz führen. Dennoch scheine die SNB in letzter Zeit immer wieder aktiv am Markt gewesen zu sein. Zwar würden die wöchentlich publizierten Sichteinlagen von Geschäftsbanken bei der SNB nicht auf Interventionen am Kassamarkt hindeuten. Ein ungewöhnlich großer Anstieg der impliziten Zinsdifferenz zwischen Euro und Franken am Terminmarkt lasse jedoch darauf schließen, dass die SNB mittels Termingeschäften im größeren Stil aktiv gewesen sei.

Die enttäuschenden Wachstumszahlen der Schweizer Wirtschaft und der tiefe PMI würden bestätigen, dass die Aufwertung des Frankens nicht spurlos an der Realwirtschaft vorbeigehe. Die negative Inflation führe dazu, dass die Realzinsen in der Schweiz, trotz rekordtiefer Nominalzinsen, europaweit zu den höchsten gehören und somit alles andere als wachstumsfördernd wirken würden. Die SNB könne sich deshalb nicht leisten, das Ziel eines schwächeren (oder zumindest nicht mehr steigenden) Frankens aus den Augen zu verlieren.

Der handelsgewichtete Schweizer Franken habe vor allem dank des starken Dollars in den letzten Monaten deutlich an Wert verloren. Es sei gut möglich, dass die fast einheitlich erwartete Zinserhöhung der FED Mitte Dezember zu einer weiteren Abwertung des Franken gegenüber dem Dollar führen werde. Die SNB dürfte nächste Woche also gespannt nach Washington blicken und hoffen, dass sich die Markterwartungen dieses Mal erfüllen würden. (07.12.2015/alc/a/a)