Die grüne Inflation: Umbau der Wirtschaft wird Inflation auf höherem Niveau halten


21.01.22 16:40
BNP Paribas

Paris (www.anleihencheck.de) - Im Dezember ist die Inflation in Deutschland auf 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat nach oben geschnellt. So lautet die vorläufige Berechnung des Bundesamts für Statistik Destatis, so Olaf Hordenbach, Chefredakteur des Kundenmagazins von BNP Paribas.

Das sei, da gebe es kein Vertun, "ordentlich". Ob es schon ein Anzeichen für eine "beachtliche Geldentwertung" sei, wie ein bekannter Oppositionspolitiker habe verlauten lassen, bleibe noch zu klären. 5,3 Prozent höre sich natürlich erst einmal nach viel an. Vor allem dann, wenn man, wie in der naheliegenden Vergangenheit, nur mit Raten knapp um die Null zu "kämpfen" gehabt habe. Andererseits, ein Blick in die Geschichte zeige, auch die 5,3 Prozent seien noch vergleichsweise "normal". In den 1970er-Jahren lagen wir schon mal deutlich höher, bei sechs Prozent und mehr, so Hordenbach. Und die 5,3 Prozent seien auf Monatsbasis berechnet. Auf Jahresbasis, und von dieser Inflationszahl wird in aller Regel in den Medien gesprochen, liegen wir 2021 bei voraussichtlich 3,1 Prozent, so Hordenbach. Höre sich doch gleich schon viel freundlicher an, oder? Nun, freundlich hin, freundlich her, wir haben ein Inflationsproblem so Hordenbach. Es ist in seinen Augen kein Riesenproblem, aber man müsse sich mit ihm beschäftigen, und man muss vor allem als Anleger reagieren.

Geld auf einem Sparbuch zu parken habe schon in der Vergangenheit kaum bis keinen Gewinn gebracht und werde es jetzt erst recht nicht tun. Ganz im Gegenteil, es drohe sogar ein Verlust - nach vielen Jahren des Sparens könne man sich für die Sparsumme immer weniger leisten. Kaufkraftverlust nenne man das. Lege man zum Beispiel 10.000 Euro auf ein Sparbuch, das keine Zinsen abwerfe, bei einer Inflationsrate von zwei Prozent an, bleibe nach zehn Jahren nur noch ein realer Wert von rund 8.200 Euro übrig. Das sei ein Kaufkraftverlust von über 18 Prozent. Steige die Inflation auf fünf Prozent, so wie im Moment, werde die Rechnung noch erdrückender.

Dabei müsse man sich durchaus mit dem Gedanken anfreunden, dass die Inflation nicht einfach so wieder verschwinden werde. Sie werde sich wahrscheinlich abschwächen, ja, aber eben nicht mehr gegen null.

Das hat viel mit den Herausforderungen zu tun, vor denen wir als Menschheit stehen, so Hordenbach. Der Umbau der Wirtschaft hin zur Klimaneutralität - ein Muss, kein "Öko-Luxus" - werde im wahrsten Sinne des Wortes teuer werden. Rohstoffe würden knapp, bei Technologien komme es zu Lieferengpässen; insgesamt werde der Verteilungskampf in der globalen Ökonomie zunehmen - und das werde die Inflation auf einem höheren Niveau halten. Manche würden sogar schon von der "grünen Inflation" reden. Vor diesem Hintergrund werde die Suche nach Alternativen zum Sparbuch umso drängender. Ein Ausweg: der Aktienmarkt, auch gerade dann, wenn dort die Angst vor der Inflation die Kurse unter Druck bringe. (21.01.2022/alc/a/a)