Ein bisschen mehr Inflation für die Eurozone


01.11.18 08:30
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Es hatte sich bereits gestern angedeutet, dass die erste Schätzung des Konsumentenpreisindex der Eurozone für den Monat Oktober mit einem Zuwachs von 2,2 Prozent (Kernrate 1,1 Prozent) gegenüber dem Vorjahr den Konsenserwartungen der Ökonomen entsprechen würde. Denn bereits tags zuvor sorgte der für Deutschland mit 2,5 Prozent etwas höher als erwartet ausgefallene Konsumentenpreis-Index dafür, dass die Konsensprognose für die Eurozone vor Publizierung der gestrigen Zahlen etwas angehoben wurde, berichtet die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".

Kurzum: EZB-Chef Mario Draghi habe das bekommen, was er sich wahrscheinlich gewünscht habe: Ein bisschen mehr Inflation. Dennoch schien die tags zuvor erfolgte Schätzung zum Wachstum der Eurozone diverse EZB-Vertreter, die sich gestern zu Wort meldeten, stärker zu beschäftigen, so die Analysten der Deutschen Bank. So habe etwa EZB-Ratsmitglied Ardo Hansson die enttäuschend ausgefallenen Daten zum dritten Quartal als temporäres Phänomen heruntergespielt, und auch Ewald Nowotny habe von Sondereffekten gesprochen, die das Wachstum in der Eurozone beeinflusst hätten.

Dazu passe auch, dass Ratsmitglied Olli Rehn für das vierte Quartal eine leichte Erholung erwarte. Tatsächlich schienen alle drei Ratsmitglieder den Eindruck erwecken zu wollen, man werde die monatlichen Anleihekäufe auf jeden Fall per Jahresende wie geplant einstellen, so die Analysten der Deutschen Bank. Aber auch den Devisenakteuren schien das enttäuschende Wachstum in der Eurozone, folgt man den Kommentatoren, im Magen zu liegen, berichten die Analysten der Deutschen Bank. Dabei werde anscheinend immer wieder vergessen, dass die EZB nur ein einziges Mandat habe: Die Wahrung der Preisstabilität.

Dass sich der Euro gestern weiter abgeschwächt habe, habe aber auch mit der starken Verfassung des Dollar zu tun. Dieser habe nämlich gegenüber einem Korb an Währungen (gemessen am Dollar-Index) das höchste Niveau seit Juni 2017 erreicht. Dazu hätten gestern nicht nur die erheblich besser als erwartet ausgefallenen ADP-Oktoberzahlen zum Stellenzuwachs im Nicht-Agrarbereich beigetragen. Vielmehr würden mit der exzellenten Situation am Arbeitsmarkt steigende Löhne einhergehen. Diese seien nämlich - als Bestandteil des gestern publizierten US-Arbeitskostenindex für das dritte Quartal - gegenüber dem Vorjahr um 3,1 Prozent und damit so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr gestiegen. Ein Datum, das den FED-Entscheidern sicherlich nicht entgangen sein werde. Und so dürfte es kaum überraschen, dass der Euro gestern wieder einmal im unteren Bereich seines kurzfristigen Abwärtstrends gehandelt habe, der nunmehr in seiner steilen Form zwischen 1,1520/25 und 1,1205/10 verlaufe. (01.11.2018/alc/a/a)