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Zusammenfassender Fixed Income-Ausblick auf das zweite Halbjahr 2022: Ein Markt im Preisfindungsmodus


25.07.22 10:15
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Die Welt wird nach wie vor von den durch die COVID-Krise ausgelösten Verwerfungen dominiert, so die Experten von Degroof Petercam Asset Management.

Hierzu würden Unterbrechungen der Versorgungskette, Nachfrageschwankungen, fiskalische und geldpolitische Konjunkturprogramme, angespannte Arbeitsmärkte sowie Inflationsdruck gehören. Hinzu würden die zusätzlichen Folgen des Krieges in der Ukraine kommen.

Einem wirtschaftlichen Zusammenbruch sei zunächst durch fiskalische Exzesse und eine Lockerung der Geldpolitik begegnet worden, nun folge eine Straffung der Geldpolitik. Und wir diskutieren bereits über die nächste Rezession, so die Experten von Degroof Petercam Asset Management. Diese großen Schwankungen würden drei wichtige Konsequenzen mit sich bringen:

Zunächst sei es in diesen äußerst volatilen Zeiten, in denen die wirtschaftlichen Parameter außerhalb ihrer üblichen Bandbreite lägen, nach wie vor sehr schwierig, genaue kurzfristige Prognosen zu abzugeben, da die meisten Wirtschaftsmodelle nicht korrekt kalibriert seien. So sei beispielsweise die Vorhersage des BIP oder der VPI-Drucke schwierig.

Zweitens habe die Unsicherheit erheblich zugenommen. Die wirtschaftspolitische Ungewissheit und die Unsicherheit der Unternehmen würden sich auf einem hohen Niveau befinden. Dies erschwere es, Entscheidungen für wirtschaftliche Maßnahmen zu treffen und wirke sich zudem negativ auf Risikoanlagen aus.

Schließlich hätten diese Veränderungen auch grundlegende Auswirkungen auf die Zinsmärkte gehabt. Angesichts der außergewöhnlich hohen Inflation und der Reaktion der Zentralbank seien die Zinsen deutlich gestiegen. Es gebe keine offensichtliche historische Vorlage, nach der man die Zinssätze bewerten könnte. Selbst ein Vergleich mit den achtziger Jahren weise zu wenig Parallelen auf. Daher verfüge der Markt über keinen Preisbildungsrahmen und befinde sich in einem Preisfindungsmodus. Dies wiederum bewirke eine größere Volatilität und bisweilen sprunghafte Kurse, was kurzfristige Vorhersagen sehr schwierig mache.

Aus diesem Grund konzentrieren wir uns in unserem Ausblick für festverzinsliche Wertpapiere auf die mittelfristige Perspektive, um festzustellen, in welche Richtung wir uns bewegen und wann sich die Trends umkehren, so die Experten von Degroof Petercam Asset Management.

Im Hinblick auf die Aussichten von Unternehmensanleihen würden die Experten weiterhin eine vorsichtige Haltung einnehmen, aber Qualitätsanleihen (Investment Grade) bevorzugen. Der Grund dafür sei folgender: Die Experten seien besorgt, was die Rentabilität der Unternehmen betreffe. Der CEO-Vertrauensindikator, eine US-Umfrage, die das Vertrauen der CEOs in die Wirtschaft in einem Jahr messe, zeige einen Schwächegrad, der in der Vergangenheit mit Konjunkturabschwüngen und höheren Spreads bei Hochzinsanleihen in Verbindung gebracht worden sei.

Auch bei den Investment-Grade-Anleihen komme es zu einer beträchtlichen Ausweitung der Spreads, sodass die Spread-Ausweitung im vergangenen Jahr bereits sehr ausgeprägt erscheine, zumindest im Vergleich zu vorangegangenen Spread-Ausweitungsphasen in der Vergangenheit: Aus historischer Sicht sei die Ausweitung des Investment-Grade-Segments bereits recht weit fortgeschritten.

Dies gelte auch für Hochzinsanleihen. Angesichts ihrer verhaltenen Konjunkturerwartungen und der Tatsache, dass sich die Spreads bei Hochzinsanleihen in der Vergangenheit über längere Zeiträume hinweg ausgeweitet hätten, seien die Experten bei Hochzinsanleihen jedoch unverändert zurückhaltend. Darüber hinaus hätten Anleihen mit Investment-Grade-Rating die potenzielle Unterstützung durch die EZB, und mit Sicherheit durch die Reinvestition fällig werdender Anleihen im Besitz der EZB.

Wandelanleihen würden sich in einer ähnlichen Lage wie Hochzinsanleihen befinden. Da sie jedoch stärker unter Druck geraten seien, seien sie aufgrund ihres niedrigen Preises relativ attraktiv. Nach Auffassung der Experten sei es aber noch zu früh, um wieder einzusteigen.

Diese Erkenntnisse aus dem Segment der Unternehmensanleihen decken sich zudem mit unserer Einschätzung der Zinssätze, so die Experten von Degroof Petercam Asset Management. Die Experten hätten bereits die schwächeren Aussichten für Unternehmen erwähnt. Der Verbraucher leide unter einem Verlust an realer Kaufkraft, da die Inflation die Nominallohnsteigerungen übersteige. Dies habe zur Folge, dass der Verbraucher seine verbleibenden COVID-Ersparnisse aufbrauche und mehr Kredite aufnehme. Das sei ein typisches Verhalten in der Spätphase des Zyklus.

Die Beobachtungen zu Unternehmen und Verbrauchern würden die Frage nach der Stärke des aktuellen Zyklus aufwerfen. Die Märkte würden bereits einpreisen, dass die Zentralbanken in zwei bis drei Jahren mit einer Lockerung beginnen würden.

Angesichts der anhaltenden Inflationsunsicherheit wollten die Experten in inflationsgebundenen Anleihen engagiert bleiben und eine Übergewichtung in dieser Anlageklasse beibehalten. Das Gleichgewicht zwischen geringerem Wachstum und hoher Inflation sei komplexer. Insgesamt würden sie jedoch bei einer leichten Untergewichtung der Duration bleiben, da die Zinssätze in letzter Zeit gesunken seien und somit eine gewisse Abschwächung bereits eingepreist sei.

Die Zentralbanken der Schwellenländer hätten die finanziellen Bedingungen deutlich früher als die Zentralbanken der Industrieländer gestrafft und die realen Zinsdifferenzen wieder auf das Niveau von vor der Krise gebracht. Daher liege der Carry wieder auf einem attraktiven Niveau. Die Experten seien jedoch vorsichtig, was die schwächeren Anleihen angehe, da die durch die Gesundheitskrise verursachten Defizitprobleme zusätzlichen Stress verursachen würden. (25.07.2022/alc/a/a)