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Zölle treiben Märkte in die Defensive - Zinssorgen nehmen zu


04.04.25 10:00
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - Trotz der ohnehin gestiegenen Erwartungen an einen weniger positiven Ausgang des "Befreiungstages" war die Realität noch schlimmer, so Oliver Blackbourn, Portfoliomanager von Janus Henderson Investors.

Die Zölle auf wichtige Handelspartner seien erhöht worden - mit den stärksten Auswirkungen auf die asiatischen Exportschlager. Darüber hinaus sei ein neuer Basiszollsatz von 10% für alle Länder eingeführt und die "De-minimis"-Ausnahme für chinesische Waren abgeschafft worden. Zum Leidwesen derjenigen, die auf Verhandlungen zur Senkung der Zollsätze hoffen würden, seien die für die vorgesehenen Umsetzungsfristen sehr kurz und würden wenig Spielraum für spezifische Vereinbarungen lassen. Auch wenn dies vielleicht teilweise für mehr Transparenz sorge, würden die Märkte die Reaktion der größeren Volkswirtschaften und die möglichen Vergeltungsmaßnahmen der USA darauf abwarten. Angesichts der potenziellen Zolleinnahmen sei es auch unklar, ob die US-Regierung Vereinbarungen anstreben werde, die die Einnahmen aus den Importen verringern könnten. Die Unsicherheit über die endgültige Entwicklung werde wohl noch einige Zeit andauern und die Anleger, die sich nach Klarheit sehnen würden, frustrieren.

Sogar die US-Regierung räume ein, dass Zölle der Wirtschaft in nächster Zeit kaum zuträglich sein dürften. Da die Rezessionswahrscheinlichkeit bereits vor dem "Tag der Befreiung" gestiegen sei und die angewandten Zölle höher seien als erwartet, sei damit zu rechnen, dass die Konsenserwartungen eine noch größere Wahrscheinlichkeit für eine Schrumpfung der US-Wirtschaft einpreisen und auch die Sorgen um andere Länder zunehmen würden.

In den USA werde befürchtet, dass die Inflation in die Höhe getrieben werde, da die Lieferanten die Kosten nicht senken möchten und die Einzelhändler zu Preissteigerungen gezwungen seien. Ein schwächerer US-Dollar habe nicht die schockabsorbierende Funktion, die viele vor einigen Monaten angenommen hätten. Die Einkommen würden bereits inflationsbereinigt gedrückt und es sei zu befürchten, dass die Zölle wie eine "Steuer" wirken würden, die zu einem Rückgang der realen Verbraucherausgaben führe - des Rückgrats der US-Wirtschaft.

Das Verbrauchervertrauen sei bereits deutlich gesunken und die Unternehmen hätten Anzeichen von Vertrauensverlust gezeigt. Da viele andere große Volkswirtschaften in erheblichem Maße von den Exporten in die USA profitieren würden, könnte ein gebremster Handel weltweit schmerzhaft sein.

Die US-Aktienmärkte hätten weiterhin die Anlegerängste am stärksten zu spüren bekommen - der wachstumsstarke NASDAQ 100 und der binnenmarktorientierte Russell 2000 hätten über Nacht starke Verluste verzeichnet. Die europäischen Aktien seien stabiler geblieben, was vielleicht auf die angekündigten Konjunkturmaßnahmen zurückzuführen sei.

Es gebe jedoch eine zeitliche Diskrepanz zwischen dem Zeitpunkt, an dem sich die negativen Auswirkungen der Zölle bemerkbar machen würden, und dem Zeitpunkt, an dem die Unterstützung durch staatliche Ausgaben einsetzen könnte, auf die die Anleger achten müssten. Ähnlich verhalte es sich in China, wo sich die eher auf das Inland ausgerichteten Onshore-Aktien im Vergleich zu anderen Märkten gut gehalten hätten, wobei die Regierung bereits deutlich gemacht habe, dass sie zu weiteren Stimulierungsmaßnahmen bereit sei, sollte diese Situation eintreten.

Wie zu erwarten gewesen sei, seien die Renditen von Staatsanleihen gesunken, da sich die Anleger über ein höheres Rezessionsrisiko und niedrigere Zinssätze Sorgen machen würden. Überraschenderweise sei der US-Dollar gegenüber dem Euro eingebrochen, da die Anleger offenbar in erster Linie eine Rezession in den USA befürchten würden.

Ein solch umfassender negativer politischer Katalysator für die Weltwirtschaft erfordere zu Recht eine Neubewertung der allgemeinen Prognosen. Sollten die angekündigten Zölle umgesetzt werden und auf dem vorgesehenen Niveau bleiben, sei die Gefahr, dass die Weltwirtschaft schrumpfe, mit Sicherheit größer geworden. Das solle nicht heißen, dass Rezessionen garantiert seien, sondern nur, dass die Wahrscheinlichkeit jetzt deutlich höher sei. Die Märkte hätten dies zwar zur Kenntnis genommen, seien aber noch weit davon entfernt, die negativsten Szenarien einzupreisen. Die Bewertungen vieler Aktien seien im historischen Vergleich immer noch hoch. Es gebe Anzeichen dafür, dass die Märkte teilweise überverkauft seien, aber eine Verschlechterung der Fundamentaldaten könnte das leicht irrelevant machen.

Ebenso dürften die Märkte für Staatsanleihen einen weiteren Renditerückgang erleben, um dramatischere Reaktionen der Zentralbanken zur Stützung des Beschäftigungsniveaus einzupreisen. Anleger würden nun den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag abwarten, um Hinweise darauf zu erhalten, wie sich die wirtschaftliche Dynamik zum "Tag der Befreiung" entwickele und ob es Anzeichen dafür gebe, dass Vereinbarungen getroffen würden, um die schlimmsten Auswirkungen der Zölle zu verringern.

Während Risikoanlagen durch das solide Lohnwachstum etwas hätten gestützt werden können, müsse man sich darüber im Klaren sein, dass dies die zunehmende Unsicherheit nicht vollständig widerspiegele. Auch innerhalb der Märkte sollten Anleger auf Anzeichen achten, die darauf hindeuten würden, dass der Schock für die Finanzierungsbedingungen bedrohlicher werde. Die Vorteile einer breiten Diversifizierung würden deutlich und Anleger seien gut beraten, weiterhin nach Möglichkeiten zur Risikostreuung zu suchen. (Ausgabe vom 03.04.2025) (04.04.2025/alc/a/a)