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Zinszyklus in der Übertreibungsphase


02.09.14 11:58
Swisscanto

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die wirtschaftliche Erholung vollzieht sich in den USA etwas stärker und in Europa etwas schwächer als erwartet, so die Experten von Swisscanto.

Das setze die Europäische Zentralbank (EZB) unter Zugzwang, wahrscheinlich schon im September mit dem in Aussicht gestellten "Quantitative Easing" zu beginnen. Schon die Erwartung weiterer EZB-Aktionen leiste Kursanstiegen von Aktien und Anleihen Vorschub. Die Experten von Swisscanto behalten ihre Taktik bei Aktien und Anleihen unverändert bei; bei den Währungen wird die Short-Position im Euro etwas akzentuiert.

Statt der erwarteten "großen Rotation" von Aktien zulasten von Anleihen erlebe man Zuflüsse in beide Anlageklassen, was bei europäischen Staatsanleihen erneut zu Tiefstständen der Renditen geführt habe. Bei Aktien hätten vor allem US-Titel profitieren können: Das US-Marktbarometer S&P 500 habe einen neuen historischen Höchststand über 2.000 Punkten erreicht. Global gesehen seien Aktien fair bewertet, Anleihen dagegen deutlich überbewertet. Letzteres gelte sowohl für sichere Staatsanleihen als auch für Unternehmensanleihen, deren Renditeaufschläge über alle Bonitätsstufen hinweg jetzt tiefer denn je seien. Markante Trigger, die kurzfristig ein Ende der Hausse bei den Anleihen auslösen könnten, seien nicht in Sicht. Vor allem technisch würden die Kapitalmärkte damit noch gut unterstützt bleiben.

Das taktische Untergewicht bei Anleihen, das die Experten von Swisscanto seit einigen Monaten in Erwartung der Zinswende praktizieren, hat Performance gekostet. Nicht nur die Kurse von Schweizer Eidgenossen und deutschen Bunds hätten im vergangenen Monat nochmals neue Rekordtiefs erreicht - auch die Renditen in der europäischen Peripherie würden ständig weiter sinken und befänden sich nun bereits auf Niveaus, die tiefer als vor der europäischen Schuldenkrise lägen. Ganz offensichtlich spiegele sich in den rekordtiefen Renditen die Markterwartung wider, dass sich in Europa japanische Verhältnisse mit dauerhaft niedrigem Wachstum und Deflation ausbreiten könnten. Oder halte die EZB die Zinsen lange niedrig, um den Euroländern den Abbau ihrer immer noch hohen Staatsschulden zu erleichtern?

Die Experten von Swisscanto gehen davon aus, dass eine Zinswende unter Führung der USA bevorsteht, und nehmen deshalb davon Abstand, derart spät im Zinszyklus auf den noch laufenden Trend zu setzen - auch wenn sie das kurzfristig nochmals etwas Performance kosten sollte.

Die Aktienmärkte hätten eine kurze Beeinträchtigung durch ein ganzes Bündel geopolitscher Risiken gut überstanden. Diese Entwicklung habe den Erwartungen der Experten entsprochen, während sie die Stärke des US-Aktienmarkts im internationalen Vergleich unterschätzt hätten. Ihr Übergewicht bei europäischen Aktien würden die Experten unter fundamentalen Gesichtspunkten beibehalten: In keiner Weltregion sollten gemäß den aktuellen Schätzungen der Analysten die Unternehmensgewinne im kommenden Jahr so stark steigen wie in Europa (+14 Prozent) - nicht zuletzt die Euro-Abwertung steigere die internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen, was für die EZB einen erwünschten Effekt ihrer Geldpolitik darstelle.

Steigende Unternehmensgewinne in Verbindung mit der aktuellen Marktbewertung würden weitere Kurssteigerungen europäischer Aktien erwarten lassen. Anlegern, die im fortdauernden Niedrigzinsumfeld zunehmend Schwierigkeiten hätten, Zinseinkommen zu generieren, biete sich die Beimischung eines dividendenstarken Aktienfonds an. (02.09.2014/alc/a/a)