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Zinssenkung um 25 BP auf der Fed-Zinssitzung scheint aktuell gut unterstützt
28.10.24 09:40
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Im Oktober sollte die Inflation in der Eurozone einen weiteren Monat unter 2% gelegen haben, bevor sie im November und Dezember durch Basiseffekte nach oben getrieben werden dürfte, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Man erwarte eine Gesamtinflationsrate von 1,9% im Jahresvergleich (gegenüber 1,7% im September) und eine Kerninflationsrate von 2,6% (gegenüber 2,7% im Vormonat). Der Hauptgrund für den Anstieg der Gesamtinflation seien Basiseffekte bei den Energiepreisen: Da die Kraftstoffpreise von einem der niedrigsten Niveaus der letzten drei Jahre leicht gestiegen seien und die Energiepreise für Haushalte in Italien im Oktober von der Regulierungsbehörde festgelegt würden, dürfte die monatliche Dynamik der Energieinflation etwas zunehmen, während sie im Jahresvergleich klar negativ bleibe. Was die Kerninflation betreffe, so deuteten die Momentum-Indikatoren für den Dienstleistungssektor seit einiger Zeit auf eine Verlangsamung hin, was sich im Oktober in einer geringfügigen Verlangsamung der Dienstleistungsinflation niederschlagen dürfte.
Neben der Inflationsschätzung für Oktober stehe diese Woche mit den BIP-Schnellschätzungen für das dritte Quartal ein weiteres Datenhighlight auf der Agenda. Basierend auf verfügbaren Indikationen gehe man davon aus, dass die zuletzt beobachtbare Divergenz zwischen der Kern-Eurozone und den Peripherieländern auch im dritten Quartal Bestand gehabt habe. So setze man für Frankreich ein Quartalswachstum in Höhe von 0,2% an, für Deutschland und Österreich erwarte man Rückgänge in Höhe von 0,1%.
Unter den Peripherieländern sollte Spanien abermals überzeugt haben, hier erwarte man ein beachtliches Wachstum von 0,6% im Quartalsvergleich (Italien: 0,1%). Für die Eurozone würde diese Erwartungshaltung ein Wachstum von 0,2% implizieren, also ein ähnliches Wachstum wie im Vorquartal. Dementsprechend sollte der Währungsraum auch weiterhin nicht in eine Rezession abrutschen, auch wenn industrielastige Volkswirtschaften wie Deutschland bereits seit geraumer Zeit in den Seilen hängen würden.
Auch in den USA werde die erste Schätzung zum BIP im dritten Quartal erscheinen. Während Konsensschätzungen ein annualisiertes Quartalswachstum von 3% veranschlagten, deute der renommierte Nowcast der Atlanta Fed sogar auf ein Wachstum von 3,4% hin. Die USA sollten also jedenfalls der Konjunkturmotor unter den entwickelten Volkswirtschaften bleiben. Zusätzlich zu den Wachstumsdaten stünden mit den ESI-Indikatoren (Eurozone) und dem ISM für das verarbeitende Gewerbe (USA) auch einige Vorlaufindikatoren auf dem Programm.
Am Zinsmarkt sei es zuletzt zu auffallend unterschiedlichen Entwicklungen gekommen, wenn man Europa mit den USA vergleiche. Während Renditen auf US-Staatsanleihen unter Aufwärtsdruck gestanden hätten - und dies entlang der gesamten Renditekurve - sei es entlang der Bund-Kurve eher zu Abwärts- als zu Aufwärtsdruck gekommen. Letzteres gelte insbesondere für kurze Laufzeiten, wodurch sich die Bund-Kurve erneut versteilt habe und nun sogar eine leicht ausgeprägtere Kurvensteilheit aufweise als die US-Treasury-Kurve. Der Spread zwischen 10-jährigen und 2-jährigen Renditen befinde sich in beiden Märkten zwischen 10 und 20 BP. Mit Blick auf den europäischen Zins-Swap könne man eine weitere Einengung des Swap-Spreads bei längeren Laufzeiten beobachten, ausgehend von bereits niedrigen Niveaus.
Man sehe die aktuellen Marktentwicklungen von zwei Faktoren getrieben. Erstens treibe eine divergierende Notenbankeinschätzung einen Keil zwischen die Zinsnotierungen in den USA und in der Eurozone. Während die Datenlage zuletzt die EZB zu einer früheren Zinssenkung veranlasst habe und die jüngsten Vorlaufindikatoren diese fundamental auch bestätigen würden, habe sich die US-Konjunktur zuletzt wieder resilienter erwiesen, was aggressiven Zinssenkungsfantasien hinsichtlich der Fed einen Riegel vorschiebe.
Diese Woche würden mit der PCE-Inflation und dem Arbeitsmarktbericht (+ Daten zu den offenen Stellen) wichtige Indikatoren erscheinen, um das weitere Vorgehen der Fed einzuschätzen. Eine Zinssenkung um 25 BP auf der Fed-Zinssitzung in zwei Wochen scheine aber aktuell gut unterstützt. Das hawkishe Repricing zur Fed habe nach Einschätzung der Analysten den Effekt gehabt, dass der Renditeabwärtsdruck in der Eurozone für längere Laufzeiten geringer ausgeprägt gewesen sei als für kürzere Laufzeiten. Zweitens seien Spillovers vom US-Zinsmarkt aber nicht nur durch die Fed geprägt gewesen.
Auch der sogenannte "Trump Trade" sei als renditeunterstützend am langen Ende der Zinskurve zu verstehen. Donald Trump habe in den Umfragen zuletzt wieder zulegen können, was den "Trump Trade" befeuert haben könnte. Steigende Risikoprämien am Zinsmarkt aufgrund einer Trump-Präsidentschaft könnten mit drei Faktoren begründet werden: 1) höhere Inflation aufgrund von Zöllen, 2) Risiken für den fiskalischen Ausblick, 3) Vertrauensverlust in Institutionen.
Die Bewegungen am Swap-Markt würden ebenfalls darauf hindeuten, dass US-Spillovers am europäischen Zinsmarkt aktuell eine Rolle spielten. Die Rückgänge beim Swap-Spread bei längeren Laufzeiten führe man auf Aufwärtsdruck bei längeren Bund-Renditen zurück. Bundesanleihen orientierten sich etwas stärker an US-Treasuries als EUR Swapsätze, für die Leitzinsaussichten in der Eurozone etwas bedeutender seien. Bis zur ersten Novemberwoche, in der sowohl die US-Wahl geschlagen werde als auch die Fed-Zinssitzung stattfinde, sollten die Zinsmärkte wohl angespannt bleiben. (Ausgabe vom 25.10.2024) (28.10.2024/alc/a/a)
Man erwarte eine Gesamtinflationsrate von 1,9% im Jahresvergleich (gegenüber 1,7% im September) und eine Kerninflationsrate von 2,6% (gegenüber 2,7% im Vormonat). Der Hauptgrund für den Anstieg der Gesamtinflation seien Basiseffekte bei den Energiepreisen: Da die Kraftstoffpreise von einem der niedrigsten Niveaus der letzten drei Jahre leicht gestiegen seien und die Energiepreise für Haushalte in Italien im Oktober von der Regulierungsbehörde festgelegt würden, dürfte die monatliche Dynamik der Energieinflation etwas zunehmen, während sie im Jahresvergleich klar negativ bleibe. Was die Kerninflation betreffe, so deuteten die Momentum-Indikatoren für den Dienstleistungssektor seit einiger Zeit auf eine Verlangsamung hin, was sich im Oktober in einer geringfügigen Verlangsamung der Dienstleistungsinflation niederschlagen dürfte.
Neben der Inflationsschätzung für Oktober stehe diese Woche mit den BIP-Schnellschätzungen für das dritte Quartal ein weiteres Datenhighlight auf der Agenda. Basierend auf verfügbaren Indikationen gehe man davon aus, dass die zuletzt beobachtbare Divergenz zwischen der Kern-Eurozone und den Peripherieländern auch im dritten Quartal Bestand gehabt habe. So setze man für Frankreich ein Quartalswachstum in Höhe von 0,2% an, für Deutschland und Österreich erwarte man Rückgänge in Höhe von 0,1%.
Unter den Peripherieländern sollte Spanien abermals überzeugt haben, hier erwarte man ein beachtliches Wachstum von 0,6% im Quartalsvergleich (Italien: 0,1%). Für die Eurozone würde diese Erwartungshaltung ein Wachstum von 0,2% implizieren, also ein ähnliches Wachstum wie im Vorquartal. Dementsprechend sollte der Währungsraum auch weiterhin nicht in eine Rezession abrutschen, auch wenn industrielastige Volkswirtschaften wie Deutschland bereits seit geraumer Zeit in den Seilen hängen würden.
Am Zinsmarkt sei es zuletzt zu auffallend unterschiedlichen Entwicklungen gekommen, wenn man Europa mit den USA vergleiche. Während Renditen auf US-Staatsanleihen unter Aufwärtsdruck gestanden hätten - und dies entlang der gesamten Renditekurve - sei es entlang der Bund-Kurve eher zu Abwärts- als zu Aufwärtsdruck gekommen. Letzteres gelte insbesondere für kurze Laufzeiten, wodurch sich die Bund-Kurve erneut versteilt habe und nun sogar eine leicht ausgeprägtere Kurvensteilheit aufweise als die US-Treasury-Kurve. Der Spread zwischen 10-jährigen und 2-jährigen Renditen befinde sich in beiden Märkten zwischen 10 und 20 BP. Mit Blick auf den europäischen Zins-Swap könne man eine weitere Einengung des Swap-Spreads bei längeren Laufzeiten beobachten, ausgehend von bereits niedrigen Niveaus.
Man sehe die aktuellen Marktentwicklungen von zwei Faktoren getrieben. Erstens treibe eine divergierende Notenbankeinschätzung einen Keil zwischen die Zinsnotierungen in den USA und in der Eurozone. Während die Datenlage zuletzt die EZB zu einer früheren Zinssenkung veranlasst habe und die jüngsten Vorlaufindikatoren diese fundamental auch bestätigen würden, habe sich die US-Konjunktur zuletzt wieder resilienter erwiesen, was aggressiven Zinssenkungsfantasien hinsichtlich der Fed einen Riegel vorschiebe.
Diese Woche würden mit der PCE-Inflation und dem Arbeitsmarktbericht (+ Daten zu den offenen Stellen) wichtige Indikatoren erscheinen, um das weitere Vorgehen der Fed einzuschätzen. Eine Zinssenkung um 25 BP auf der Fed-Zinssitzung in zwei Wochen scheine aber aktuell gut unterstützt. Das hawkishe Repricing zur Fed habe nach Einschätzung der Analysten den Effekt gehabt, dass der Renditeabwärtsdruck in der Eurozone für längere Laufzeiten geringer ausgeprägt gewesen sei als für kürzere Laufzeiten. Zweitens seien Spillovers vom US-Zinsmarkt aber nicht nur durch die Fed geprägt gewesen.
Auch der sogenannte "Trump Trade" sei als renditeunterstützend am langen Ende der Zinskurve zu verstehen. Donald Trump habe in den Umfragen zuletzt wieder zulegen können, was den "Trump Trade" befeuert haben könnte. Steigende Risikoprämien am Zinsmarkt aufgrund einer Trump-Präsidentschaft könnten mit drei Faktoren begründet werden: 1) höhere Inflation aufgrund von Zöllen, 2) Risiken für den fiskalischen Ausblick, 3) Vertrauensverlust in Institutionen.
Die Bewegungen am Swap-Markt würden ebenfalls darauf hindeuten, dass US-Spillovers am europäischen Zinsmarkt aktuell eine Rolle spielten. Die Rückgänge beim Swap-Spread bei längeren Laufzeiten führe man auf Aufwärtsdruck bei längeren Bund-Renditen zurück. Bundesanleihen orientierten sich etwas stärker an US-Treasuries als EUR Swapsätze, für die Leitzinsaussichten in der Eurozone etwas bedeutender seien. Bis zur ersten Novemberwoche, in der sowohl die US-Wahl geschlagen werde als auch die Fed-Zinssitzung stattfinde, sollten die Zinsmärkte wohl angespannt bleiben. (Ausgabe vom 25.10.2024) (28.10.2024/alc/a/a)


