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Zinspolitik bleibt auch 2023 im Fokus


14.12.22 16:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Das Inflationsgespenst scheint mit Blick auf die jüngste Teuerungsrate langsam etwas an Schrecken zu verlieren, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Steigerungsrate der Verbraucherpreise sei im November im Euroraum auf 10,0 Prozent gesunken. Mit den frischen Informationen dürfte sich das Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) am 15. Dezember auf ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung intensiv beschäftigen. Zwar weise im Vorfeld des Treffens EZB-Chefvolkswirt Philip Lane darauf hin, dass die Zinsen noch mehrfach angehoben werden müssten. Allerdings würden sich die Stimmen innerhalb der Notenbank mehren, dass die Schritte in Zukunft weniger aggressiv ausfallen würden. Am Markt werde mit einer Anhebung um 50 Basispunkte gerechnet.

Bereits am gestrigen Dienstag habe die amerikanische Notenbank FED getagt. Marktteilnehmer würden fest davon ausgehen, dass es dabei erneut zu einer Anhebung der Zinsen kommen werde - es wäre bereits die siebte in diesem Jahr. Angesichts der in den USA immer noch hohen Inflation habe die FED den Leitzins Anfang November um 0,75 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent erhöht. Bei der anstehenden Sitzung dürfte es in einem gemäßigteren Tempo nach oben gehen: Die FED Funds Futures würden aktuell eine Wahrscheinlichkeit von fast drei Vierteln für eine Anhebung von 50 Basispunkten auf dann 4,25 bis 4,50 Prozent nahelegen.

Von besonderem Interesse an den Märkten seien die Zinsprojektionen der Währungshüter. Denn das Ende des aktuellen Zinserhöhungszyklus werde vom Markt aktuell bei 5,0 bis 5,25 Prozent gesehen. Demnach würde FED-Chef Jerome Powell im Frühjahr 2023 vorerst letztmalig die Zinsen erhöhen, ehe ab Sommer 2023 sogar schon wieder erste Senkungen folgen könnten. Ob diese Erwartungen Bestand hätten, würden die kommenden Daten zu Preisen und Beschäftigung zeigen. Noch sei die Inflation hoch und der Arbeitsmarkt robust. Sollte es jedoch zu einer Rezession in den USA kommen, seien die Erwartungen von Zinssenkungen durchaus als realistisch einzustufen.

Eine Entspannung an der Zinsfront dürfte deutliche Auswirkungen an den Märkten haben. Zum einen bedeute das für Anleihen eine Entspannung auf beiden Seiten des Atlantiks. Was die Aktienmärkte betreffe, könnte es bei den Hauptleidtragenden der steigenden Zinsen - den Papieren aus zinssensitiven Wachstums- und Technologiebranchen - zu einer Erholung kommen. Auch der Goldpreis könnte Rückenwind erhalten etwa durch das 2023 erwartete Ende des Zinserhöhungszyklus und mittelfristig sinkende Zinsen in den USA. Schließlich werfe das Edelmetall weder Zinsen noch Dividenden ab. (Ausgabe vom 13.12.2022) (14.12.2022/alc/a/a)