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Zinspolitik: Bleiben Zinsen dauerhaft niedrig?


29.07.13 15:40
AXA Investment Managers

Köln (www.anleihencheck.de) - Einiges spricht dafür, dass die Zinsen dauerhaft niedrig bleiben, so Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers.

Grund sei vor allem die strukturbedingte Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums, die infolge der demografischen Trends in vielen Industrie- und Schwellenländern, mangelnder positiver Produktivitätsschocks sowie des neuen Wachstumsmodells in China noch lange anhalten könnte. Die Tatsache, dass das Bruttoinlandsprodukt in vielen Volkswirtschaften immer noch deutlich unter dem Niveau von Ende 2007 liege, sei ein Zeichen für die Stagnation des Wachstumstrends. Wie die Zentralbanken auf diese Faktoren reagieren würden, hänge davon ab, ob die Abkühlung als konjunkturell (und damit vorübergehend) oder strukturell bedingt (und damit von Dauer) eingeschätzt werde.

Sofern es sich um einen strukturellen Abschwung handle, dürfte es so lange bei der gegenwärtigen Geldpolitik bleiben, bis die Wirtschaftsdaten ein Ende der Schwächephase signalisieren würden und der Zuwachs der Wirtschaftsleistung wieder dem erwartungsgemäßen Langzeitdurchschnitt entspreche.

Der amerikanische Politiker und Wirtschaftswissenschaftler Lawrence Summers habe im Zusammenhang mit der aktuellen geldpolitischen Debatte die Frage aufgeworfen, wie denn zinspolitisch zu verfahren sei, falls die Wachstumsraten permanent auf niedrigem Niveau verharren sollten. So bestehe das Risiko der momentanen Geldpolitik unter anderem darin, dass die extrem niedrigen Zinsen sowie die Ausweitung der Zentralbankbilanzen die monetäre Basis im Verhältnis zum BIP auf Dauer heben und damit - zunächst über Vermögenspreisinflation - schließlich zu einem Anstieg der Inflationsrate führen würden. Summers argumentiere, dass die Wirtschaft bei niedrigerem Trendwachstum eher eine volle Kapazitätsauslastung erreichen könne und die Zinsen daher angehoben werden sollten, um inflationären Druck auf die Arbeits- und Produktmärkte abzuwenden.

Bernankes Prognosen würden ihrerseits auf der Annahme beruhen, dass eine Arbeitslosenrate von unter 6,5 Prozent einen Trend in Richtung Vollbeschäftigung indiziere. Die Wirtschaftslage rechtfertige aber erst dann höhere Zinsen, wenn der konjunkturelle Schwung deutlich ausgeprägter sei, als dies zurzeit der Fall sei. Sofern die potenzielle Maximalleistung der Wirtschaft jedoch in etwa auf demselben Niveau wie die aktuelle Wirtschaftsleistung liege, dann könnte eine Zuwachsrate, die nach Ansicht vieler deutlich unter dem historischen Trend liege, uns schneller zum Ziel bringen. Die inflationskonstante Arbeitslosenquote (NAIRU) würde dann nicht knapp unter 6,5 Prozent, sondern knapp darüber liegen. Dieses Argument wäre nicht nur von akademischem Interesse, sondern auch für die Märkte relevant, falls Summers im nächsten Jahr ernsthaft für die Nachfolge von FED-Chef Bernanke kandidieren sollte. (29.07.2013/alc/a/a)