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Zinsentwicklung in Industrieländern ernüchternd


16.12.25 09:30
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - Seit Ende der Zinserhöhungen in den Industrieländern Mitte bis Ende 2023 wird an den Märkten für Staatsanleihen über das Ausmaß der Zinssenkungen im Rahmen einer "sanften Landung" (ermöglicht durch die rückläufige Inflation) diskutiert und ein Tail-Risiko von Zinssenkungen im Rahmen einer "harten Landung" (zur Bekämpfung eines wirtschaftlichen Abschwungs) eingepreist, so Jenna Barnard, Head of Global Bonds bei Janus Henderson Investors.

Dieser Fokus der Erwartungen auf sinkende Zinsen habe die Anleihemärkte gestützt, insbesondere Anleihen mit kürzeren Laufzeiten. Allerdings hätten sich die Renditen 10-jähriger Anleihen in den meisten Industrieländern enttäuschenderweise nur in einer breiten Spanne bewegt und seien selbst in diesem Umfeld von Zinssenkungen nicht weiter gefallen. Anleihekurse fielen, wenn ihre Renditen stiegen, und umgekehrt. Die Renditen 30-jähriger Anleihen hätten sich noch schlechter entwickelt und lägen nahe dem oberen Ende der seit 2022 bestehenden Bandbreiten oder hätten sogar neue Renditehochs erreicht.

2026 seien die Zinssenkungen, die zu einer sanften Landung führen sollten, in einer Reihe von Volkswirtschaften (Eurozone, Kanada, Australien, Neuseeland und Südkorea) beendet worden. Gleichzeitig hätten sich die Wirtschaftsdaten als robust erwiesen. Im letzten Monat sei es nun zu einigen deutlichen Neubewertungen gekommen, da Anleiheinvestoren die mögliche Zinserhöhung in verschiedenen Ländern einpreisten.

Besonders auffällig sei dieser Umschwung in Australien nach besseren Beschäftigungsdaten und hohen Inflationszahlen zu beobachten gewesen, sowie Anfang Dezember in Kanada. Dort habe ein sehr robuster Arbeitsmarktbericht – der dritte in Folge, der eine positive Entwicklung zeigte – die Markterwartungen hinsichtlich der Geldpolitik deutlich verändert.

Während die Anleihemärkte in den USA und Großbritannien weiterhin mit weiteren Zinssenkungen für eine sanfte Landung rechneten, zeigten oben genannten Marktveränderungen, wie schwierig die Preisbildung am Anleihemarkt sein könne, wenn Beschäftigungsdaten stabil blieben oder sich verbesserten.

Die einzige Ausnahme bilde Japan, das seinen eigenen langsamen, aber gut dokumentierten Prozess zum Ausstieg aus der Null-/Negativzinspolitik verfolgt habe. Aber selbst dieser Prozess habe sich in eine eher restriktive Richtung beschleunigt, da sich die Debatte nun darum drehe, wie hoch der neutrale Zinssatz für das Land sein könnte. Die Zinsen lägen derzeit bei nur 0,5% und dürften bei der Dezembersitzung lediglich auf 0,75% steigen. Unter den Industrieländern habe nur die Schweiz niedrigere Zinsen.

Der zyklische Rückenwind durch Zinssenkungen lasse nach, und das Risiko von Zinserhöhungen steige. Angesichts der Schwierigkeiten, mit denen längerfristige Anleihen in den letzten Jahren zu kämpfen gehabt hätten, sei dies eine ernüchternde Entwicklung.

Das Ende der Zinssenkungszyklen in den Industrieländern sei ein wesentlicher Grund dafür gewesen, die Duration (die Sensitivität einer Anleihe oder eines Portfolios gegenüber Zinsänderungen) im Jahr 2025 zu reduzieren. Dabei habe sich Jenna Barnard auf die Volkswirtschaften konzentriert, in denen die Geldpolitik weniger unterstützend gewesen sei (Europa, Australien, Kanada). Sie habe die Duration während des größten Teils des Jahres 2025 aktiv gesenkt – von hohen einstelligen Werten im Dezember 2024 auf unter fünf Jahre bis Juli 2025 und auf drei bis vier über das Jahr erhöht, wobei der Schwerpunkt insbesondere auf dem Ausverkauf von Risikoanlagen nach dem Liberation Day gelegen habe. Ziel sei es gewesen, attraktive Bewertungen zu nutzen und der anhaltenden Überzeugung von Barnard Rechnung zu tragen, dass die Unternehmensbedingungen weiterhin günstig seien. (16.12.2025/alc/a/a)