Zinsentscheidung in Ägypten bei höchster Inflation


17.08.17 10:30
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Heute will die Zentralbank von Ägypten über die Höhe ihrer Leitzinsen entscheiden, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Trotz des jüngst deutlich zunehmenden Preisauftriebs würden die Analysten von unveränderten Zinsen ausgehen, nachdem die Währungshüter bereits Anfang Juli die Schlüsselsätze überraschend um 200 Basispunkte angehoben hätten. Seitdem könnten Geschäftsbanken Gelder zu 18,75% und 19,75% gleichtägig bei der Notenbank anlegen bzw. ausleihen. Zum damaligen Zeitpunkt habe der geldpolitische Ausschuss auf die kurz zuvor angekündigten Subventionskürzungen für Kraftstoffe reagiert. Tatsächlich habe man im Juli in Ägypten mit 33% die höchste Inflation seit 31 Jahren verzeichnet. Zusätzlich preistreibend habe im Berichtsmonat die Anhebung der Mehrwertsteuer von 13% auf 14% gewirkt.

Auch im August werde der Preisdruck infolge der beschlossenen Tarifanpassungen für Strom und Trinkwasser um bis zu 40% bzw. 50% voraussichtlich hoch bleiben. Die Analysten würden mit einer Teuerung um 33,2% gegenüber August 2016 rechnen. Im Jahresvergleich sollte damit allerdings der Scheitelpunkt bei den Preissteigerungen erreicht werden: Die hohe Inflation sowie die restriktive Geld- und Fiskalpolitik verringere die Kaufkraft der Verbraucher. Die Analysten würden daher im laufenden Fiskaljahr mit einer Wachstumsrate von lediglich 2,5% für den privaten Konsum rechnen, die somit weniger als halb so hoch wie in den Vorjahren ausfallen dürfte. Neben der schwachen Nachfrage werde voraussichtlich auch der Basiseffekt durch die Freigabe des Pfund-Kurses im vergangenen November zu langsameren Preissteigerungen führen. Insgesamt würden die Analysten per Ende 2017 eine Jahresrate von 24,7% unterstellen.

Problematisch für die geldpolitischen Entscheidungen der Währungshüter sei, dass die Abwertung des Ägyptischen Pfundes (EGP) die Preissteigerungen nicht vollumfänglich erkläre. Nahrungsmittel würden mit einem Anteil von 39,9% den Löwenanteil im ägyptischen Preisindex stellen und würden umfangreich importiert. Allerdings würden sich die steigenden Preise für Nahrungsmittel in Ägypten über den Währungseffekt hinaus von den internationalen Notierungen entkoppeln. Neben dem Subventionsabbau und den Auswirkungen der Steuererhöhung hätten dazu vermutlich auch Lieferengpässe und ein fehlender Konkurrenzdruck auf der Unternehmerseite beigetragen.

Gängige Preisüberwälzungen steigender Produktionskosten auf die Konsumenten würden die Geschwindigkeit abzubremsen drohen, mit der sich die Inflation durch den Basiseffekt der Pfund-Abwertung von 8,88 EGP auf mehr als 16 EGP im vergangenen November wieder verlangsame. In unserem Basisszenario erwarten wir erst im kommenden Jahr Spielraum der Zentralbank für Zinssenkungen; unsere Prognose der Leitzinsen per Ende 2017 entspricht somit unveränderten Sätzen, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt. (17.08.2017/alc/a/a)