Zinsen stabil, Inflation unter Kontrolle - Kaufchancen bei Anleihen?


09.07.25 10:40
Ofi Invest Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - "Hätte man uns vor einigen Jahren gesagt, dass die Märkte sogar einen Krieg in Europa und die Bombardierung der iranischen Nuklearanlagen durch die USA mit einem Achselzucken abtun würden, hätten wir es wahrscheinlich nicht geglaubt!", sagt Éric Bertrand, CIO von Ofi Invest Asset Management.

Wann immer Anleger versucht hätten, geopolitische Risiken in ihrer Allokation zu berücksichtigen, hätten sie es bereut. Die einzige Ausnahme: Der Ölschock von 1973, der nach dem Jom-Kippur-Krieg zu einem Zusammenbruch der Märkte geführt habe - die Ölpreise hätten sich damals vervierfacht und zu einer galoppierenden Inflation geführt. In der Regel aber hätten sich die Märkte nach einigen Tagen nachrichtenbedingter Volatilität immer erholt - wie auch zuletzt nach den Ereignissen im Nahen Osten.

Was die Inflation betreffe, so scheine auch hier trotz der weiter bestehenden Risiken in den USA das Schlimmste überstanden zu sein, es sei denn, der Zollkrieg verschärfe sich wieder.

Die wichtigsten Zentralbanken - mit Ausnahme der Bank of Japan - würden an der lockeren Geldpolitik wahrscheinlich festhalten, nur jede in ihrem eigenen Tempo.

Die US-Notenbank verfüge nach Ansicht der Experten Ofi Invest Asset Management über genügend Spielraum, um ihre Leitzinsen in diesem Jahr noch einmal (oder sogar zweimal) zu senken. Im Moment habe sie keinen Grund dazu. Die US-Wirtschaft sei weit entfernt von einer tiefen Rezession. In Europa habe die EZB die meisten Zinsschritte bereits vollzogen. Die Märkte würden jetzt nur noch mit einer letzten Senkung um 0,25% rechnen.

Auch am langen Ende der Zinskurve hätten sich die Zinsen stabilisiert. Die Rendite für 10-jährige Bundesanleihen liege jetzt stabil bei etwa 2,5%; bei US-Anleihen gleicher Laufzeit seien es etwa 4,35%. Sehe man von der derzeitigen kurzfristigen Volatilität ab, seien die Experten Ofi Invest Asset Management der Meinung, dass alles über 2,5% bei Bundesanleihen und über 4,5% bei US-Treasuries eine gute Kaufgelegenheit wäre. Der Unternehmensanleihemarkt entwickele sich weiterhin gut und die Spreads hätten sich erheblich eingeengt. Dennoch seien sowohl Investment-Grade- als auch Hochzinsanleihen dank ihres Carrys mittelfristig attraktiv.

Gleichzeitig stünden die Aktienmärkte kurz vor ihren Allzeithochs. Zwar seien der US-amerikanische und europäische Markt nach Meinung der Experten Ofi Invest Asset Management nicht günstig. Insbesondere der europäische Markt sei aber auch nicht überbewertet. Die positive Überraschung sei, dass es einigen Unternehmen gelungen sei, ihre höheren Kosten größtenteils an die Verbraucher weiterzugeben. Ofi habe erwartet, dass sie vielmehr ihre Gewinnspannen hätten drücken müssen. Es bleibe offen, ob dies den Unternehmen weiter gelinge, wenn die US-Regierung den Handelskrieg wieder eskalieren lasse.

Die Erfahrung zeige, dass die tatsächlichen Risiken nie die seien, die man erwarte. Das mache es schwer, die Auslöser zu identifizieren, die die Aktien- und Anleihemärkte wieder aus dem Takt bringen könnten. Es lohne sich jedoch, die Devisenmärkte im Auge zu behalten, insbesondere den US-Dollar, der seit Anfang April den verlorenen Boden nicht mehr wettgemacht habe. (Ausgabe vom 08.07.2025) (09.07.2025/alc/a/a)