Zinsdilemma für die FED: Trump drängt, Inflation warnt


07.05.25 09:30
apoBank

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Heute Abend gegen 20 Uhr wird die US-Notenbank Federal Reserve (FED) verkünden, ob sie die Leitzinsen senken wird - Klaus Niedermeier, Leiter Investment Strategie der apoBank, erläutert das strategische Dilemma, in dem sich die amerikanischen Währungshüter befinden.

Mit seiner aggressiven Zollpolitik verunsichere US-Präsident Donald Trump vor allem amerikanische Verbraucher und Unternehmen. Kauf- und Investitionszurückhaltung seien die Folge. Wegen der gestiegenen Unsicherheit drohe die US-Konjunktur abzukühlen. Die Strafzölle auf Importe würden wie eine Steuererhöhung wirken und den Preisdruck auf die US-Inflation erhöhen. Donald Trump sei das zögerliche Verhalten der US-Notenbank ein Dorn im Auge. Er wünsche sich ein schnelleres Absenken der Leitzinsen.

Mit seiner Kritik an FED-Chef Jerome Powell und der Forderung nach Zinssenkungen säe der US-Präsident Zweifel an der politischen Unabhängigkeit der US-Notenbank. Die FED stecke in einem strategischen Dilemma: Noch könne sie die Zinsen nicht senken, weil der Effekt der Strafzölle auf die Inflationsentwicklung weiter unklar sei. Senke sie die Zinsen zu spät, könnte das Wirtschaftswachstum deutlich geringer ausfallen als erwartet. Sollte die US-Wirtschaft in eine Rezession abgleiten, würde US-Präsident Donald Trump die Währungshüter als Sündenböcke brandmarken.

Denn bei vielen Amerikanern seien die Strafzölle wegen der versprochenen Jobverlagerungen zurück in die USA sehr populär. Trumps Botschaft würde dann lauten: "Hätte die Federal Reserve auf mich gehört und die Zinsen gesenkt, wäre den USA eine Rezession erspart geblieben."

Die Federal Reserve berücksichtige bei ihren zinspolitischen Entscheidungen nicht nur das Preisniveau, sondern auch den Arbeitsmarkt und damit indirekt die Konjunktur. Tatsächlich seien die am vergangenen Freitag veröffentlichten Arbeitsmarktzahlen besser ausgefallen als erwartet. Das verschaffe der FED zunächst einmal Zeit. Die Analysten der apoBank würden deshalb davon ausgehen, dass die US-Notenbank ihren Leitzins nicht senken, sondern den Korridor unverändert bei 4,25% bis 4,5% belassen werde.

Sollten die Finanzmärkte beginnen, an der Unabhängigkeit der FED zu zweifeln, seien Kursverluste bei US-Staatsanleihen wahrscheinlich. Angesichts dieser Gemengelage sähen die Analysten der apoBank im Rahmen ihrer Vermögensverwaltung bei Unternehmens-, Hochzins- und Schwellenländer-Anleihen ein besseres Chancen-Risiko-Profil als bei US- und EU-Staatsanleihen. (07.05.2025/alc/a/a)