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Zentralbanksitzungen und Inflationsdaten als Highlights der Woche!
12.12.22 08:30
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Mit der Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) steht für den Finanzmarkt knapp vor Weihnachten und Jahreswechsel nochmals ein Highlight am Terminkalender, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Eine Zinsanhebung gelte als ausgemacht. Formell hänge das Ausmaß noch von der Diskussion im Rat ab. Der veränderte Pressetext nach der letzten Sitzung und die Äußerungen vieler Ratsmitglieder im Vorfeld würden aber sehr stark auf einen Schritt um 50 Basispunkte hindeuten.
Beachtung sollte vor allem der Wortwahl geschenkt werden. Präsidentin Lagarde werde sicher weitere Zinsanhebungen in Aussicht stellen. Die entscheidende Frage werde sein, ob sich Hinweise zum zukünftigen Tempo oder gar zum angesteuerten Zinsniveau erkennen lassen würden. Letzteres werde nach Meinung der Analysten der RBI im restriktiven Bereich angesiedelt sein, ohne dass die EZB eine belastbare Guidance dazu geben werde. Während sich die Entscheidungsträger in diesem Punkt weiter Flexibilität behalten dürften, erwarten wir uns Aufschlüsse über das weitere Zinsanhebungstempo, so die Analysten der RBI.
Zusätzlich zu Leitzinsen werde die weitere Straffung der Geldpolitik über die Bilanzpolitik erfolgen. Sei bereits im Oktober ein Anreiz zur vorzeitigen Rückzahlung ausstehender Refinanzierungsgeschäfte beschlossen worden, so sollte im Zuge dieser Sitzung die Vorgehensweise beim Bilanzabbau in Bezug auf die Anleihekaufprogramme präsentiert werden. Die Analysten der RBI würden damit rechnen, dass fällige Anleihen des APP Portfolios ab etwa März 2023 nur mehr rund zur Hälfte reinvestiert würden. Somit sollte die dämpfende Wirkung auf Staatsanleiherenditen nur langsam verringert werden.
Als noch viel beharrlicher sollten sich die Verhältnisse am Geldmarkt erweisen. Es sei sicher noch über Jahre nicht Absicht der Notenbank mittels Bilanzabbau die Überschussliquidität auf ein Niveau zurückzuführen, dass der Einlagesatz seine wesentliche Referenzgröße für die Geldmarktsätze verliere. Zuletzt seien die neuen Wirtschaftsprognosen der EZB von Interesse. Die Inflationsprognosen dürften nach oben und die BIP-Wachstumsschätzungen für die kommenden beiden Jahre sollten nach unten korrigiert werden.
In den USA werde es diese Woche nicht weniger spannend als in der Eurozone. Inflationszahlen am Dienstag und die Zinssitzung der FED am Mittwoch würden die Märkte Anfang der Woche einnehmen. Nach dem stärker als erwarteten Arbeitsmarktbericht, der anhaltend hohen Lohndruck suggeriere, blicke man gespannt auf die November-Verbraucherpreisinflation, ob eine Bestätigung weniger dynamischer Kerninflation etwas Druck von der US-Notenbank nehme.
Im Oktober habe sich die Kerninflationsdynamik auf 0,3% p.m. halbiert. Im Juli dieses Jahres sei Ähnliches passiert, der Kerninflationsdruck sei aber postwendend zurückgekehrt und so stelle sich die Frage, ob sich dieses Muster nun wiederholen werde. Auf Basis des Inflations-Nowcasts der Cleveland-FED sei dies zu erwarten und würde somit das Narrativ einer sich andeutenden Kern-Inflationsentspannung nicht unterstützen. Jedoch, auch im Vormonat habe dieser Nowcast kein gutes Signal geliefert und somit heiße es warten, was die Veröffentlichung bringe. Hinsichtlich der Gesamtrate sei hervorzuheben, dass aufgrund rückläufiger Energiepreise der monatliche Preisanstieg der Gesamtrate geringer ausfallen sollte als jener der Kernrate. Zusätzlich dazu werde die Gesamtrate im Jahresvergleich auch aufgrund von Basiseffekten sinken, was bereits seit Juni der Fall sei.
Für die Zinssitzung der Federal Reserve würden wohl nur extreme Ausschläge bei der Inflation in die eine oder andere Richtung die Notenbank von der zu erwartenden Zinserhöhung um 50 Basispunkte abbringen. Seit der letzten Zinssitzung hat unsere Erwartung einer Verlangsamung des Zinsanhebungszyklus auch am Finanzmarkt zunehmend Anklang gefunden und einer Zinserhöhung um 75 Basispunkte wird nur noch eine geringe Wahrscheinlichkeit zugerechnet, so die Analysten der RBI. Erfülle die Federal Reserve die Erwartungen, würden die Leitzinsen diese Woche in eine Bandbreite zwischen 4,25 und 4,5% steigen. Dies markiere aber noch nicht das Ende des Leitzinserhöhungszyklus. Einerseits halte sich die Notenbank bewusst bedeckt, welches Niveau ausreichen werde, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Andererseits veröffentliche diese in der laufenden Woche aktualisierte Konjunktur-Prognosen, welche auch das Leitzinsniveau umfassen würden. Somit werde der Markt gewisse Signale zur weiteren Entwicklung des Leitzinszyklus erhalten.
Im September sei ein Höchststand der Leitzinsen im Jahr 2023 bei 4,6% ausgewiesen worden. Zuletzt habe Powell moderate Aufwärtsrisiken zu den Prognosen vom September erwähnt. Unsere Einschätzung eines Leitzinszyklus bis zu einem Niveau von 4,75 - 5%, welcher im ersten Quartal 2023 ein Ende nehmen wird, steht damit im Einklang, man wird aber diese Woche erfahren, wie der Offenmarktausschuss die Situation aktuell einschätzt, so die Analysten der RBI. Die Analysten der RBI würden erwarten, dass die Federal Reserve weiterhin bemüht sein werde, ihr Bekenntnis zum Inflationsziel zu bestärken, und vor einer verfrühten Euphorie hinsichtlich rasch sinkender Inflation warnen könnte.
Abseits der großen Notenbanken EZB und FED stehe diese Woche auch in der Schweiz ein Zinsentscheid an. Hier würden die Analysten der RBI von einer weiteren deutlichen Zinsanhebung ausgehen, wobei sich ihrer Einschätzung nach die Schweizer Nationalbank (SNB) zwischen 50 und 75 Basispunkte entscheiden werde. Auf Sicht der nächsten Monate würden die Analysten der RBI ein Ende des Leitzinsniveaus bei 1,25% als plausibel erachten, im Vergleich zu 0,5% aktuell. Für die bevorstehende Zinssitzung sei klar, dass eine fortgesetzte geldpolitische Straffung der logische Schritt der SNB in ihrem Kampf gegen die Inflation sei. Die Inflationserwartungen der SNB für das Jahr 2023 mit dem derzeitigen Zinsniveau würden sich auf 2,4% belaufen und lägen somit über dem strikten Inflationsziel von unter 2% pro Jahr. Trotzdem sähen die Analysten der RBI in der Schweiz mit einem aktuellen Wert von 2,9% im November ein Inflationsniveau (HVPI), von dem die Eurozone nur träumen könne.
Neben den angesprochenen Zentralbanksitzungen und Inflationsdaten würden auch die diese Woche für die Eurozone und die USA publizierten Flash PMIs große Beachtung finden. In beiden Wirtschaftsräumen hätten sowohl die Indikatoren für das Verarbeitende als auch für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe letztens klar unter der entscheidenden 50-Punkte Linie notiert, was eine schrumpfende Wirtschaftsleistung impliziere.
Während in den USA das Verarbeitende Gewerbe bei der letzten Veröffentlichung bei 47,7 Punkten und das Nicht-Verarbeitende Gewerbe bei 46,2 Punkten gelegen habe, hätten die entsprechenden europäischen Werte auf einem Niveau von 47,1 und 48,5 notiert. Basierend auf ihren Einschätzungen, würden die Analysten der RBI davon ausgehen, dass es im Euroraum zu einer marginalen Aufwärtsbewegung auf 47,3 Punkte und 48,6 Punkte kommen werde. Eine stärkere Erholung würden die Analysten der RBI indessen bei den auf Deutschland fokussierten Werten des ZEW-Index erwarten. Hinsichtlich des Indikators für die derzeitige wirtschaftliche Lage sähen die Analysten der RBI Potenzial für eine Verbesserung weg von -64,5 Punkten hin zu -57 Punkten. Bezüglich der ZEW-Konjunkturerwartungen sähen die Analysten der RBI des Weiteren Signale für einen Anstieg von einem Niveau von -36,7 auf -28. (Ausgabe vom 09.12.2022) (12.12.2022/alc/a/a)
Eine Zinsanhebung gelte als ausgemacht. Formell hänge das Ausmaß noch von der Diskussion im Rat ab. Der veränderte Pressetext nach der letzten Sitzung und die Äußerungen vieler Ratsmitglieder im Vorfeld würden aber sehr stark auf einen Schritt um 50 Basispunkte hindeuten.
Beachtung sollte vor allem der Wortwahl geschenkt werden. Präsidentin Lagarde werde sicher weitere Zinsanhebungen in Aussicht stellen. Die entscheidende Frage werde sein, ob sich Hinweise zum zukünftigen Tempo oder gar zum angesteuerten Zinsniveau erkennen lassen würden. Letzteres werde nach Meinung der Analysten der RBI im restriktiven Bereich angesiedelt sein, ohne dass die EZB eine belastbare Guidance dazu geben werde. Während sich die Entscheidungsträger in diesem Punkt weiter Flexibilität behalten dürften, erwarten wir uns Aufschlüsse über das weitere Zinsanhebungstempo, so die Analysten der RBI.
Zusätzlich zu Leitzinsen werde die weitere Straffung der Geldpolitik über die Bilanzpolitik erfolgen. Sei bereits im Oktober ein Anreiz zur vorzeitigen Rückzahlung ausstehender Refinanzierungsgeschäfte beschlossen worden, so sollte im Zuge dieser Sitzung die Vorgehensweise beim Bilanzabbau in Bezug auf die Anleihekaufprogramme präsentiert werden. Die Analysten der RBI würden damit rechnen, dass fällige Anleihen des APP Portfolios ab etwa März 2023 nur mehr rund zur Hälfte reinvestiert würden. Somit sollte die dämpfende Wirkung auf Staatsanleiherenditen nur langsam verringert werden.
Als noch viel beharrlicher sollten sich die Verhältnisse am Geldmarkt erweisen. Es sei sicher noch über Jahre nicht Absicht der Notenbank mittels Bilanzabbau die Überschussliquidität auf ein Niveau zurückzuführen, dass der Einlagesatz seine wesentliche Referenzgröße für die Geldmarktsätze verliere. Zuletzt seien die neuen Wirtschaftsprognosen der EZB von Interesse. Die Inflationsprognosen dürften nach oben und die BIP-Wachstumsschätzungen für die kommenden beiden Jahre sollten nach unten korrigiert werden.
Im Oktober habe sich die Kerninflationsdynamik auf 0,3% p.m. halbiert. Im Juli dieses Jahres sei Ähnliches passiert, der Kerninflationsdruck sei aber postwendend zurückgekehrt und so stelle sich die Frage, ob sich dieses Muster nun wiederholen werde. Auf Basis des Inflations-Nowcasts der Cleveland-FED sei dies zu erwarten und würde somit das Narrativ einer sich andeutenden Kern-Inflationsentspannung nicht unterstützen. Jedoch, auch im Vormonat habe dieser Nowcast kein gutes Signal geliefert und somit heiße es warten, was die Veröffentlichung bringe. Hinsichtlich der Gesamtrate sei hervorzuheben, dass aufgrund rückläufiger Energiepreise der monatliche Preisanstieg der Gesamtrate geringer ausfallen sollte als jener der Kernrate. Zusätzlich dazu werde die Gesamtrate im Jahresvergleich auch aufgrund von Basiseffekten sinken, was bereits seit Juni der Fall sei.
Für die Zinssitzung der Federal Reserve würden wohl nur extreme Ausschläge bei der Inflation in die eine oder andere Richtung die Notenbank von der zu erwartenden Zinserhöhung um 50 Basispunkte abbringen. Seit der letzten Zinssitzung hat unsere Erwartung einer Verlangsamung des Zinsanhebungszyklus auch am Finanzmarkt zunehmend Anklang gefunden und einer Zinserhöhung um 75 Basispunkte wird nur noch eine geringe Wahrscheinlichkeit zugerechnet, so die Analysten der RBI. Erfülle die Federal Reserve die Erwartungen, würden die Leitzinsen diese Woche in eine Bandbreite zwischen 4,25 und 4,5% steigen. Dies markiere aber noch nicht das Ende des Leitzinserhöhungszyklus. Einerseits halte sich die Notenbank bewusst bedeckt, welches Niveau ausreichen werde, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Andererseits veröffentliche diese in der laufenden Woche aktualisierte Konjunktur-Prognosen, welche auch das Leitzinsniveau umfassen würden. Somit werde der Markt gewisse Signale zur weiteren Entwicklung des Leitzinszyklus erhalten.
Im September sei ein Höchststand der Leitzinsen im Jahr 2023 bei 4,6% ausgewiesen worden. Zuletzt habe Powell moderate Aufwärtsrisiken zu den Prognosen vom September erwähnt. Unsere Einschätzung eines Leitzinszyklus bis zu einem Niveau von 4,75 - 5%, welcher im ersten Quartal 2023 ein Ende nehmen wird, steht damit im Einklang, man wird aber diese Woche erfahren, wie der Offenmarktausschuss die Situation aktuell einschätzt, so die Analysten der RBI. Die Analysten der RBI würden erwarten, dass die Federal Reserve weiterhin bemüht sein werde, ihr Bekenntnis zum Inflationsziel zu bestärken, und vor einer verfrühten Euphorie hinsichtlich rasch sinkender Inflation warnen könnte.
Abseits der großen Notenbanken EZB und FED stehe diese Woche auch in der Schweiz ein Zinsentscheid an. Hier würden die Analysten der RBI von einer weiteren deutlichen Zinsanhebung ausgehen, wobei sich ihrer Einschätzung nach die Schweizer Nationalbank (SNB) zwischen 50 und 75 Basispunkte entscheiden werde. Auf Sicht der nächsten Monate würden die Analysten der RBI ein Ende des Leitzinsniveaus bei 1,25% als plausibel erachten, im Vergleich zu 0,5% aktuell. Für die bevorstehende Zinssitzung sei klar, dass eine fortgesetzte geldpolitische Straffung der logische Schritt der SNB in ihrem Kampf gegen die Inflation sei. Die Inflationserwartungen der SNB für das Jahr 2023 mit dem derzeitigen Zinsniveau würden sich auf 2,4% belaufen und lägen somit über dem strikten Inflationsziel von unter 2% pro Jahr. Trotzdem sähen die Analysten der RBI in der Schweiz mit einem aktuellen Wert von 2,9% im November ein Inflationsniveau (HVPI), von dem die Eurozone nur träumen könne.
Neben den angesprochenen Zentralbanksitzungen und Inflationsdaten würden auch die diese Woche für die Eurozone und die USA publizierten Flash PMIs große Beachtung finden. In beiden Wirtschaftsräumen hätten sowohl die Indikatoren für das Verarbeitende als auch für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe letztens klar unter der entscheidenden 50-Punkte Linie notiert, was eine schrumpfende Wirtschaftsleistung impliziere.
Während in den USA das Verarbeitende Gewerbe bei der letzten Veröffentlichung bei 47,7 Punkten und das Nicht-Verarbeitende Gewerbe bei 46,2 Punkten gelegen habe, hätten die entsprechenden europäischen Werte auf einem Niveau von 47,1 und 48,5 notiert. Basierend auf ihren Einschätzungen, würden die Analysten der RBI davon ausgehen, dass es im Euroraum zu einer marginalen Aufwärtsbewegung auf 47,3 Punkte und 48,6 Punkte kommen werde. Eine stärkere Erholung würden die Analysten der RBI indessen bei den auf Deutschland fokussierten Werten des ZEW-Index erwarten. Hinsichtlich des Indikators für die derzeitige wirtschaftliche Lage sähen die Analysten der RBI Potenzial für eine Verbesserung weg von -64,5 Punkten hin zu -57 Punkten. Bezüglich der ZEW-Konjunkturerwartungen sähen die Analysten der RBI des Weiteren Signale für einen Anstieg von einem Niveau von -36,7 auf -28. (Ausgabe vom 09.12.2022) (12.12.2022/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 22.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


