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Zentralbanken stellen sich dem Kampf


24.03.20 09:15
La Financière de l´Echiquier

Paris (www.anleihencheck.de) - Die Welt durchlebt aktuell eine der schwersten Krisen der Nachkriegszeit, so Olivier de Berranger, Chief Investment Officer, und Alexis Bienvenu, Fondsmanager von La Financière de l'Echiquier.

In den vergangenen 70 Jahren habe es durchaus auch Kriege und Katastrophen gegeben. Doch die jähe - und willentliche - Stilllegung eines Großteils der Wirtschaft, in Kombination mit der Unterbindung sozialer und geschäftlicher Kontakte zwischen Menschen und Ländern sowie der Gefahr einer ungewöhnlich hohen Sterblichkeit in Friedenszeiten, sei völlig neu. In den Jahren der Finanzkrise 2008 und 2009 sei das wirtschaftliche Leben ausgebremst, von einigen Banken abgesehen, jedoch nicht abrupt angehalten worden.

In unserer gegenwärtigen Lage haben sich die Staaten glücklicherweise rasch um Maßnahmen bemüht, so die Experten von La Financière de l'Echiquier. Die Pläne zur Unterstützung der Unternehmen, insbesondere staatliche Garantien für Bankdarlehen sowie von Miet- und Steuerstundungen, seien umfangreich. In Europa würden Unternehmen, denen Insolvenz drohen könnte, unterstützt und manche von ihnen möglicherweise verstaatlicht. Dies gelte insbesondere für Luftfahrtgesellschaften. Es sei zwecklos, die zusammen mehrere Billionen US-Dollar (bzw. Euro) betragenden Zahlungen im Einzelnen aufzuzählen, denn die versprochenen Summen würden die Vorstellungskraft übersteigen.

Auch an die privaten Haushalte sei gedacht worden. Nach Hongkong würden sich nun die USA anschicken, privaten Haushalten direkt mit Schecks über bis zu 1.000 US-Dollar pro Erwachsenem unter die Arme zu greifen. Dies sei möglicherweise erst der Anfang. Einkommenseinbußen durch Kurzarbeit sollten vom Staat ausgeglichen werden.

Zudem würden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das Misstrauen der Wirtschaftsakteure einzudämmen und so die Abkühlung nicht weiter zu verschlimmern. Für die Wirtschaft müsse alles Erdenkliche getan werden, damit schnellstmöglich sichergestellt sei, dass weiter gewirtschaftet und gearbeitet werde, Kredite aufgenommen werden könnten und schließlich für die Leistungen bezahlt werde - "koste es, was es wolle", so die Worte des französischen Präsidenten. Dafür würden die Staaten einen hohen Preis zahlen müssen, doch der Preis würde noch höher ausfallen, wenn das Vertrauen schwände. Da dieser Preis per Kredit bezahlt werde, d.h. über Staatsanleihen, die vor allem von den Zentralbanken gekauft würden, sei dieser Weg zu verkraften, solange die Zinsen niedrig bleiben würden. Der Mechanismus laufe wie geschmiert.

Auch die Märkte seien intensiv betreut worden. Angesteckt durch das Misstrauen, die Verringerung der Hebeleffekte und die aufgrund der Ausgangsbeschränkungen heiklen betrieblichen Umstände hätten sie zunächst einen historischen Volatilitätsschock erlitten. So habe etwa der amerikanische VIX, der Index der impliziten Volatilität von Derivaten, seinen Rekord aus dem Jahr 2008 gebrochen. Die Liquidität habe zeitweilig versiegt - selbst bei hochwertigen Unternehmensanleihen mit kurzer Laufzeit, die grundsätzlich zu den sichersten Instrumenten gehören würden. Um Abhilfe zu schaffen, habe die Europäische Zentralbank für 2020 ein gigantisches Anleihekaufprogramm von mehr als einer Billion Euro angekündigt. Die US-Notenbank FED habe ihrerseits den Geld- und Interbankenmarkt mit Liquiditätsspritzen versorgt, um die Liquidität der als sicher geltenden Vermögenswerte, die fast gekippt wären, zu gewährleisten.

Alles sei darauf eingestellt, die Wirtschaft nicht in die drohende Rezession abrutschen zu lassen. Vermutlich lasse sich dies letztlich nicht völlig verhindern, doch dürften so die Schäden immerhin abgeschwächt werden. Die diesbezüglichen Maßnahmen der einzelnen Staaten seien noch nicht perfekt synchron, doch zumindest zeichne sich eine Angleichung ab.

Der März des Jahres 2020 markiere damit eine Zäsur. Wir erleben gerade einen historischen Augenblick, so die Experten von La Financière de l'Echiquier. Die 2008 eingerichteten Mechanismen seien noch stärker betätigt worden als zuvor. Im Sinne der Erhaltung des Wirtschaftssystems müsse man hierüber froh sein. Aber wir taumeln in eine Welt, in der noch deutlich höhere Staatsschulden auf uns zukommen könnten, so die Experten von La Financière de l'Echiquier. Daher müssten die Realzinsen weiterhin niedrig bleiben, damit die Schulden am Ende tragbar seien. Für das nächste Jahrzehnt bedeute das, dass neben dem Kampf gegen den Klimawandel noch weitere Herausforderungen zu bewältigen seien und somit ein noch geringeres Wachstumspotenzial bevorstehe.

Die Rettung der Wirtschaft werde mühselig sein, aber die Zentralbanken hätten gezeigt, dass sie sich dem Kampf stellen würden. Dies gebe Zeit, ein wenig zu verschnaufen. (Ausgabe vom 20.03.2020) (24.03.2020/alc/a/a)