Erweiterte Funktionen

Die Zentralbanken haben das Sagen


10.04.19 14:00
Edmond de Rothschild Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - Die Aktien- und Anleihemärkte haben sich seit Januar 2019 beeindruckend erholt, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management.

"Ebenso bemerkenswert ist, dass dies praktisch ohne Veränderung der Fundamentaldaten und der Kapitalflüsse geschehen ist", sage Benjamin Melman, Chief Investment Officer Asset Allocation und Sovereign Debt bei Edmond de Rothschild Asset Management, in seinem jüngsten Kommentar. Der Ausverkauf im vierten Quartal 2018 sei durch die Zentralbanken initiiert worden, ebenso wie die schnelle Erholung in den letzten Wochen.

"Die Zentralbanken haben unbestritten ihre Richtung geändert. Die US-Notenbank (FED) wird bald aufhören, ihre Bilanz zu schrumpfen und plant für dieses Jahr keine Zinserhöhungen mehr, obwohl es immer noch ein Fragezeichen für eine letzte Erhöhung im Jahr 2020 gibt", sage Melman.

Wie die FED habe auch die Europäische Zentralbank (EZB) eine Straffung in diesem Jahr ausgeschlossen und werde ab September 2019 ihr neues, längerfristiges Refinanzierungsprogramm TLTRO für Banken vorstellen, um das Wachstum zu stimulieren. Die Bedingungen des TLTRO, die laut Benjamin Melman voraussichtlich strenger als bisher sein würden, würden im Juni 2019 bekannt gegeben. Die EZB erwäge auch Maßnahmen zur Begrenzung der Schäden an Banken durch negative Zinsen. "Die Zentralbanken senden offensichtlich ein deutlich positiveres Signal an die Investoren, um die Spannungen und damit auch die Volatilität abzubauen", füge Melman hinzu.

Laut Benjamin Melman könnten vier Faktoren für eine zögerliche Stimmung an den Märkten sorgen:

1. Die Zentralbanken seien nicht zu ihrer früheren entgegenkommenden Haltung zurückgekehrt, auch wenn sie jetzt selbstgefälliger seien, was darauf hindeute, dass die von ihnen organisierte Rally nur so weit gehen könne. Schließlich könnten US-Investoren mit Geldmarktpapieren von dreimonatiger Laufzeit noch 2,6 Prozent verdienen - eine attraktive Rendite, die eine Fallback-Lösung biete, wenn die Unsicherheit steige.

2. Die Wirtschaftsdaten seien nach wie vor volatil. Sogar in den USA hätten einige Statistiken in jüngster Zeit starke Rückgänge erfahren.

3. Die Inversion am kurzen Ende der US-Zinskurve und der Abwärtsdruck auf die Unternehmensmargen seien die ersten Anzeichen für ein Ende des Zyklus, die Investoren beunruhigen könnten.

4. Die Marktliquidität sei nur durchschnittlich und es gebe erneut erhebliche Short-Positionen auf Verträge auf den Chicago Board Options Exchange Volatility Index (VIX).

"Deshalb halten wir es für sinnvoll, das Portfoliorisiko etwas zu reduzieren. Wir haben unser Aktienengagement entsprechend zurückgenommen und sind nun leicht untergewichtet", sage Melman. Für das Team von Edmond de Rothschild Asset Management sei dies allerdings eine kurzfristige Reaktion. "Unserer Ansicht nach, ist der längerfristige Ausblick für diese Assetklasse positiv", füge Melman hinzu. "Wir erwarten eine allmähliche Erholung in China, die die europäischen Volkswirtschaften stützen, und die unserer Meinung nach jetzt übermäßig pessimistische Einschätzung abschwächen wird. Aber zwischen dem Ende der Rally, die von den Zentralbanken initiiert wurde, und dem Beginn einer Belebung des globalen Wachstums, ist taktische Vorsicht geboten", mahne Melman. (10.04.2019/alc/a/a)