Erweiterte Funktionen

Zentralbanken geben nächste Woche den Ton vor


09.12.22 11:45
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die Kurse von Staatsanleihen stiegen Anfang Dezember weiter, da die Anleger im Vorfeld der wichtigen Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) in der kommenden Woche nach Sicherheit strebten, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management.

Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen seien aufgrund von Befürchtungen einer an Schwung verlierenden US-Wirtschaft unter 3,5 Prozent gefallen.

Risikoanlagen hätten im Laufe der Woche nach einer starken Entwicklung im November nachgegeben. Was zunächst wie eine kräftige Jahresendrallye ausgesehen habe, kämpfe nun damit, die Dynamik aufrechtzuerhalten. Die Sitzungen der Zentralbanken in den entwickelten Ländern nächste Woche würden wahrscheinlich den Ton für den Rest des Jahres angeben.

Trotz eines weiteren starken US-Arbeitsmarkts würden die Markteilnehmer offenbar nach wie vor auf eine eher zurückhaltende FED setzen. Schwache Daten zu den Immobilienpreisen und die Ankündigung von Stellenstreichungen bei mehreren großen Banken hätten die Befürchtung verstärkt, dass der Wachstumsmotor der USA ins Stocken gerate.

Insgesamt seien die Daten zuletzt jedoch meist besser ausgefallen als erwartet. Das gelte insbesondere für den Arbeitsmarkt. Die Kombination aus - immer noch - hohen Stellenangeboten, geringen wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung und robusten Lohnzuwächsen deute darauf hin, dass eine weitere Straffung der finanziellen Bedingungen erforderlich sei. Daher gehen die Experten von BlueBay Asset Management davon aus, dass die FED kommende Woche nicht übermäßig akkommodierend sein wird.

Ungeachtet eines weiteren wichtigen Berichts zu den Verbraucherpreisen am kommenden Dienstag werde FED-Chef Jerome Powell wohl bekräftigen, dass er einen höheren Zinshöchststand erwarte als noch zum Zeitpunkt der FOMC-Sitzung im September. Außerdem hätten die Währungshüter immer wieder die These zurückgewiesen, dass auf eine Phase der geldpolitischen Straffung zeitnah Zinssenkungen folgen würden.

Daher sehen die Experten von BlueBay Asset Management die aktuelle Rallye als Gelegenheit, Short-Positionen wieder aufzubauen. Sie würden damit rechnen, dass die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen in den kommenden Monaten wieder in Richtung 4 Prozent steigen würden.

In Europa hätten die Einkaufsmanagerindices für November die allzu düsteren Aussichten für die Region etwas entschärft. Das habe die Entscheidungsträger zur Annahme veranlasst, dass eine Rezession relativ mild ausfallen und von kurzer Dauer sein werde. Die Experten von BlueBay Asset Management sind der Meinung, dass es in dieser Hinsicht immer noch Potenzial für positive Überraschungen gibt. Das Marktumfeld bleibe aber schwierig - insbesondere, wenn sich die Inflation hartnäckiger zeige und ganz zu schweigen von weiteren Überraschungen bei Energieversorgung und Geopolitik.

Die Europäische Zentralbank (EZB) werde ihren Einlagensatz in der kommenden Woche voraussichtlich um 0,5 Prozentpunkte auf 2 Prozent anheben. Das wäre der höchste Wert seit 2008. Die Befürworter einer restriktiveren Geldpolitik in der EZB, angeführt von Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel, seien jedoch der Meinung, dass noch mehr getan werden müsse.

Die Risiken seien geringer geworden. Es bleibe aber das Gefühl, dass es bis zum Jahresende noch zu weiteren Problemen kommen könnte. Daher sind die Experten von BlueBay Asset Management mit ihrem Ausblick vorsichtig. (09.12.2022/alc/a/a)